Idiopathisches Mastzellenaktivierungssyndrom MCAS

Prof. Dr. Knut Brockow, Klinik u. Poliklinik für Dermatologie u. Allergologie am Biederstein, Technische Universität München zum Mastzellenaktivierungs-syndrom (MCAS)

Idiopathisches Mastzellen-Aktivierungssyndrom: Ein neues Krankheitsbild

Der Begriff Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) hat in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit hervorgerufen. Insbesondere eine Gruppe des Mastzellenaktivierungssyndroms, das idiopathische  Mastzellenaktivierungssyndrom, war für viele Menschen interessant, deren Beschwerden bislang nicht einer eindeutigen Diagnose zugeordnet werden konnten. Wie sind Mastzellenaktivierungssyndrome definiert? Welche Erkrankungen gehören dazu? Wie sehen Diagnose und Behandlung beim idiopathischen  Mastzellenaktivierungssyndrom aus? Diese Fragen beantwortet Prof. Dr. Knut Brockow, Klinik u. Poliklinik für Dermatologie u. Allergologie am Biederstein, Technische Universität München im Gespräch mit MeinAllergiePortal.

Herr Prof. Brockow, was versteht man unter dem Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS)?

Das Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) ist keine etablierte Diagnose, sondern eher ein Konzept. Historisch gesehen entstand dieses Konzept, weil eine zunehmende Anzahl von Patienten mit Beschwerden in die Praxen kamen, die den Eindruck erweckten, von Mastzellen ausgelöst worden zu sein. Diese Patienten zeigten ähnliche Symptome wie bei allergischen Reaktionen, Anaphylaxie oder Mastozytose, eine eindeutige Diagnose für diese Erkrankungen konnte jedoch bei diesen Patienten nicht gestellt werden. Man vermutete jedoch, dass zumindest ein Zusammenhang mit Mastzellenerkrankungen bestand. Vor diesen Hintergrund haben die mit Mastzellerkrankungen befassten Experten die Notwendigkeit gesehen, eine wissenschaftlich nachprüfbare Einordung bzw. ein Konzept zu entwickeln, dass den „nicht diagnostizierbaren“ Beschwerden der Patienten Rechnung trägt. Im Zuge dessen wurde der Begriff „Mastzellenaktivierungssyndrom“ definiert. Zudem wurde versucht, alle Mastzellenerkrankungen im Hinblick auf die Mastzellenaktivierung in einer Klassifikation zu sortieren

Die Schwierigkeit bei der Einordnung dieser Beschwerden besteht jedoch darin, dass viele der von den Patienten beschriebenen Beschwerden subjektiv, relativ unspezifisch und sowohl organisch als auch psychosomatisch auftreten können.

Wie haben Sie das Mastzellenaktivierungssyndrom definiert und welche Erkrankungen gehören dazu?

Von einem Mastzellenaktivierungssyndrom spricht man dann, wenn immer wiederkehrende  chronische Symptome auftreten, die mit einer Mastzellenaktivierung vereinbar sind.

Die Mastzellenaktivierung versucht man anhand von drei Kriterien einzugrenzen:

1. Typische klinische Symptome.

2. Ein Anstieg von Mastzellenbotenstoffen kann im Blut nachgewiesen werden, am häufigsten durch die Bestimmung des Serumtryptase-Wertes bei einem akuten Anfall.

3. Gutes Ansprechen der Symptome auf eine Anti-Mastzellmediator-gerichtete Therapie, insbesondere auf H1-Antihistaminika.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.