Bienengiftallergie Wespengiftallergie allergischer Schock Anaphylaxie

Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl, Oberarzt der Klinik, Leiter Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen zur Anaphylaxie bei Bienengift- oder Wespengiftallergie!

Bienengiftallergie? Wespengiftallergie? Wann droht ein allergischer Schock?

Nicht bei allen Menschen mit einer Bienengiftallergie oder einer Wespengiftallergie muss es zu einem allergischen Schock kommen, wenn es zu einem Stichereignis kommt. Grundsätzlich ist dies aber möglich und es gibt auch Risikofaktoren, die eine Anaphylaxie begünstigen können. Was sollten Insektengiftallergiker über den anaphylaktischen Schock wissen? Wie erkennt man einen allergischen Schock und was ist nach einem Bienenstich oder Wespenstich zu tun? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl, Oberarzt der Klinik, Leiter Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen.

Herr Privatdozent Buhl, wie häufig kommt es bei Menschen, die auf Bienengift oder Wespengift allergisch sind, zu einem allergischen Schock?

Wir wissen, dass es bei 1,2  bis 3,5 Prozent der Normalbevölkerung nach Insektenstichen zu systemischen Reaktionen kommt und dass jährlich ca. 20 Todesfälle in Deutschland durch systemische bzw. anaphylaktische Insektengift dokumentiert werden. Man geht jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist, denn nicht bei jedem Todesfall wird die Todesursache untersucht und ein Insektenstich kann leicht übersehen werden.

Aber: Bei wie vielen Menschen mit bestehender Allergie auf Bienengift oder Wespengift eine systemische Reaktion auftritt, d.h. wie häufig es tatsächlich bei Insektengiftallergikern zum allergischen Schock kommt, ist eine schwierige Frage.


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Und warum ist die Frage nach der Häufigkeit von systemischen Reaktionen bzw. allergischen Schocks bei Bienengiftallergikern und Wespengiftallergikern schwierig?

Die Frage nach der Häufigkeit von systemischen Reaktionen bzw. allergischen Schocks bei Insektengiftallergikern ist deshalb schwer zu beantworten, weil die Diagnose von Allergien auf Bienengift oder Wespengift immer eine Herausforderung ist.

In Deutschland findet man bei 25 Prozent aller Erwachsenen beim Haut- oder Bluttest eine Sensibilisierung gegen Bienengift oder Wespengift. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Viertel der erwachsenen Deutschen Insektengiftallergiker sind. Nur ein sehr geringer Teil der Menschen mit einer Sensibilisierung auf Bienengift oder Wespengift zeigt nach einem Stich wirklich klinisch relevante allergische Symptome.

Hinzu kommt, dass aktuell kein Haut- oder Bluttest zur Verfügung steht, der mit 100prozentiger Sicherheit eine Allergie auf Bienengift oder Wespengift anzeigen oder ausschließen kann. Das bedeutet, die Diagnose einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift ist immer das Ergebnis aus dem Zusammensetzen mehrerer Puzzleteile. Dazu gehören die Beschreibung des jeweiligen Stichereignisses durch den Patienten, die weitere Anamnese und die Ergebnisse aus den Testungen an Haut und Blut. Erst dadurch ergibt sich ein Bild, das dann unter Umständen auf eine Allergie gegen Insektengift hinweist.

Man sollte sich viel Zeit nehmen, um klar zu differenzieren, was für eine Insektengiftallergie - und potenziell für eine Anaphylaxie, d.h. einen allergischen Schock - spricht, und was eventuell der in diesen Situationen häufig auftretenden Panik geschuldet ist.

Sowie bei einer Anaphylaxie als auch bei Panikzuständen, die ja nach einem Stichereignis bei Insektengiftallergikern schnell entstehen können, kann es zu einer Tachykardie kommen, d.h. zu einem erhöhten Pulsschlag. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen einem anaphylaktischem Schock und Panik: Bei einer Anspannungssituation wie Panik steigt auch der Blutdruck, bei einer Anaphylaxie hingegen, sinkt typischerweise der Blutdruck.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der die Beantwortung der Frage nach der Häufigkeit allergischer Schockzustände bei Insektengiftallergikern nach einem Stichereignis erschwert ist: Auch wenn die Diagnose Bienengiftallergie oder Wespengiftallergie gestellt ist, sind die individuellen Reaktionen der Patienten ausgesprochen unterschiedlich.

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