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Erdnussfreie Schule Hilfe

Kirsten Henning zum Thema: Erdnussfreie Schule: Ist das hilfreich oder nicht?

Erdnussfreie Schule: Ist das hilfreich oder nicht?

Lange wurde für Kinder mit Allergie auf Erdnuss und Nüsse die erdnussfreie Schule gefordert. Dann begann man sich zu fragen: Ist das hilfreich oder nicht? Eher nicht, sagen die Experten. Deshalb sprach MeinAllergiePortal mit Kirsten Henning, Kinderkrankenschwester, Diplom Pädagogin für Erwachsenenbildung und unter anderem Patiententrainerin für Anaphylaxie, über die Gründe für die geänderten Empfehlungen.

Frau Henning, ob die „erdnussfreie Schule“ hilfreich ist oder nicht wird seit geraumer Zeit heftig diskutiert, worum geht es hier genau?

Die „erdnussfreie Schule“ wird in der Tat sehr kontrovers diskutiert. Konkret geht es um die Frage, ob eine erdnussfreie Schule für Kinder mit einer Allergie auf Erdnüsse positiv und hilfreich ist, oder ob eher das Gegenteil der Fall ist. Ich selbst war lange Zeit überzeugt davon, dass wir erdnussfreie Schulen brauchen. Nun habe ich mich aber tatsächlich eines anderen belehren lassen.

Was spricht denn bei Kindern, die auf Erdnüsse allergisch sind, gegen erdnussfreie Schulen?

In erster Linie spricht gegen die erdnussfreie Schule, dass dies sehr schwer umzusetzen ist. „Erdnussfreie Schule“ bedeutet ja, dass niemand reine Nüsse, Erdnüsse oder Produkte, die dies enthalten, in die Schule eintragen und dort verzehren darf. Wir können uns aber nie sicher sein, dass sich immer alle an diese Vorgabe halten. Deshalb besteht die reale Gefahr, dass ein Kind mit Erdnussallergie davon ausgeht, dass es in seiner erdnussfreien Schule niemals in Kontakt mit dem Allergen kommen kann. Wenn es dann doch in der Schule zu einem Allergenkontakt kommt, könnte es sein, dass erste Symptome nicht richtig eingeordnet werden, weil ein so großes Vertrauen in die Erdnussfreiheit der Schule besteht. Wenn das erdnussallergische Kind dann nicht handelt und auch die Lehrer nicht informiert, oder diese die Symptome auf Grund der vermeintlichen Sicherheit nicht richtig einschätzen, wäre das eine sehr gefährliche Situation.

Was wäre dann der Vorteil einer nicht erdnussfreien Schule?

Wichtiger als eine erdnussfreie Schule ist es für alle allergischen Kinder und Jugendlichen zu wissen, wo sich das spezifische Allergen verstecken kann und wie man die Symptome nach einem nicht offensichtlichen Allergenkontakt so früh wie möglich erkennt. Genauso wichtig ist es, dass das Kind weiß, wie es reagieren muss. Das Kind sollte grundsätzlich überall, nicht nur in der Schule, damit rechnen, versehentlich mit dem Allergen in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig sollte es wissen, dass es mit allen Kenntnissen und Hilfsmitteln ausgestattet ist, einer allergischen Reaktion zu begegnen. Dies gilt natürlich ebenso für Jugendliche.

Ein weiteres Argument gegen die Erdnussfreie Schule ist, dass die Schule nur ein Ort von vielen ist, an denen ein Kind mit Erdnuss-Allergie mit dem Allergen der Erdnuss in Kontakt kommen kann. Dementsprechend dürfte das Kind auch nicht in einen Supermarkt gehen, wenn dort Erdnüsse in der Auslage liegen und es dürfte auch nicht in ein Kino gehen, wenn dort Erdnüsse gegessen werden oder wurden. Wir wissen ja inzwischen, dass die Erdnuss-Spuren in der Luft für die meisten Kinder mit einer Erdnuss-Allergie nicht gefährlich sind.