Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Belastungsasthma Sport

Privatdozent Dr. med. Matthias Krüll zum Thema Belastungsasthma: Häufigkeit, Symptome und Therapie!

Sport trotz Belastungsasthma: Was ist wichtig?

Menschen mit Belastungsasthma denken oft, dass sie jede Belastung meiden sollten und dass Sport für sie nicht in Frage kommt. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Vielmehr stellt sich die Frage, was man tun muss, damit auch Menschen mit Belastungsasthma Sport und sogar Leistungssport betreiben können. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozent Dr. med. Matthias Krüll, Pneumologe in Berlin, darüber, was dabei wichtig ist!

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. med. Matthias Krüll

Herr Dr. Krüll, wie häufig kommt es zu Belastungsasthma?

Circa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung trägt bronchiale Hyperreagibilität, also eine Überempfindlichkeit der Bronchien, in sich. Diese kann man mit bronchialen Provokationstests herausfinden. Davon entwickeln in Deutschland allerdings nur ungefähr 5 bis 6 Prozent aller Erwachsenen ein echtes Asthma, haben also typische Symptome. Beim geringsten Teil davon handelt es sich um ein Belastungsasthma. Typisch für Belastungsasthma ist es, dass die Symptome erst nach dem Sport und der (Ausdauer)belastung auftreten.

Warum treten die Symptome des Belastungsasthmas erst nach dem Sport auf?

Durch die Belastung beim Sport werden diverse Immunmediatoren, unter anderem Adrenalin und Leukotriene, gebildet und freigesetzt. Adrenalin weitet die Bronchien und wirkt entzündungshemmend. Es hat jedoch nur eine sehr kurze Halbwertszeit von 1 bis 3 Minuten und ist nach 10-15 Minuten wieder abgebaut. Die Leukotriene verursachen eine Reihe von pro-entzündlichen Veränderungen und haben zudem eine deutlich längerer Wirkdauer. Daher treten Symptome beim Belastungsasthma nicht schon während der Belastung, sondern meist erst nach dem Sport auf.

Anzeige

Heißt das, man sollte zum Arzt gehen, wenn man nach dem Sport Symptome eines Belastungsasthmas hat?

Nicht jeder Asthmatiker, der beim Sport oder nach dem Sport Luftnot hat, hat auch ein Belastungsasthma. In den meisten Fällen ist es einfach nur ein gewisses Trainingsdefizit, das zur Luftnot führt. Tatsächliches Belastungsasthma ist, wie gesagt, gar nicht so häufig.

Aber: Bei manchen Belastungsasthmatikern tritt die Luftnot schon während der Belastung auf. Das ist aber noch seltener als das Belastungsasthma generell.

Was müssen Sportler mit Belastungsasthma bei der Therapie beachten?

Auch für Sportler mit Belastungsasthma gilt: Eine gute medikamentöse Einstellung ist die Basis für ein erfolgreiches Training.

Die Basis bei der Therapie des Belastungsasthmas ist die Inhalation von Präparaten mit antientzündlicher und bronchienerweiternder Wirkung. Früher hat man ausschließlich den Wirkstoff Salbutamol, ein kurz wirksames β2-Sympathomimetikum, das die Bronchien weitet, verordnet. Die Asthma-Patienten haben dies vor dem Sport eingesetzt und die Wirkung hielt circa zwei-drei Stunden an.

Mittlerweile hat man gelernt, dass eine Therapie mit Salbutamol oder einem anderen schnellwirksamen Beta-Agonisten bei häufiger Einnahme einige Nachteile hat. So hat man beobachtet, dass es bei einer Monotherapie mit Salbutamol zu einer reduzierten Bronchienweitstellung/-dilatation sowie verminderten Symptomkontrolle und sogar zu einer vermehrten bronchialen Überempfindlichkeit sowie Exazerbationsrate und gar allergischen Reaktionen kommt. Ein Verbrauch von mehr als drei Kartuschen pro Jahr geht einher mit einem deutlichen Anstieg der Asthma-Notfälle, ein Verbrauch von mehr als 10-12 Kartuschen jährlich sogar mit einem Anstieg der Asthma-assoziierten Todesfälle.

Das Konzept der Asthmatherapie ist deshalb letztes Jahr optimiert worden. Die aktuelle Empfehlung lautet daher: bereits in der Bedarfstherapiephase kann und sollte eine Kombination aus einem inhalierbaren Kortisonpräparat und einem langwirksamen Betamimetikum zur Anwendung kommen.

Was bedeutet dieser Paradigmenwechsel in der Asthmatherapie für Sportler mit Belastungsasthma?

Die Kombinationen aus inhalierbarem Steroid, also Kortison, und Formoterol, einem langwirksamen Betamimetikum, bei Bedarf, ist für Sportler besonders attraktiv. Der Grund: Die regelmäßig Bedarfstherapie mit Salbutamol kann diverse Nebenwirkungen haben. Ein weiterer negativer Effekt von Salbutamol ist die sogenannte Tachyphylaxie, der Gewöhnungseffekt. Das bedeutet der Körper gewöhnt sich an das Medikament und man benötigt immer höhere Dosen, um eine Wirkung zu erzielen. Ab einem gewissen Zeitpunkt wirkt das Salbutamol dann gar nicht mehr. Das hängt damit zusammen, dass der Körper die Rezeptoren für Salbutamol herunterreguliert. Das passiert schon, wenn man über einen Zeitraum von 6 bis 8 Wochen mehr als 2 bis 3 Hub pro Woche einnimmt.

Ein Leistungssportler mit Belastungsasthma, der zweimal täglich trainiert, müsste dann 10 bis 12 mal pro Woche Salbutamol anwenden und dies wirkt dann eben nach einigen Wochen nicht mehr adäquat. Diese Sportler mussten in der Vergangenheit zusätzlich zum Salbutamol als dauerhafte Therapie, Kortison inhalieren. Heute kann man daher als Alternative ein Kombinationspräparat vor dem Sport bei Bedarf einsetzen, und erspart sich so die negativen Auswirkungen der Salbutamol-Therapie.

Advertorial

Was ist in Bezug auf Doping zu beachten, wenn Menschen mit Belastungsasthma bzw. Asthma generell, Sport oder Leistungssport betreiben?

Die inhalativen Medikamente, die in der Therapie des Belastungsasthmas eingesetzt werden, haben keine leistungssteigernden Effekte, solange sich die Anwendung im therapeutischen Bereich bewegt. Sie werden nicht in höherem Maße systemisch resorbiert und haben daher auch keine leistungssteigernden systemischen Effekte wie zum Beispiel Muskelaufbau oder Fettabbau. Die Asthmasprays geben Asthmatikern lediglich die Chance, mit der Erkrankung auf das gleiche Leistungsniveau zu kommen, wie jemand der kein Asthma hat. Nicht ohne Grund wurden die meisten dieser Präparate deshalb auch von der Welt sowie der Nationalen Anti-Doping Agentur (W/NADA) für Asthmatiker freigegeben. Die Sportler benötigen lediglich ein Attest, eine Bescheinigung, dass sie das entsprechende Medikament aus medizinischen Gründen einsetzen.

Noch eine Frage zum allergischen Asthma: Ist Allergenmeidung im Zusammenhang mit der Behandlung von Belastungsasthma relevant?

Bei Allergien sollte das auslösende Allergen, zum Beispiel Birkenpollen, Tierhaare oder Schimmelpilze, gemieden werden. Wenn das nicht möglich ist, greift man zu medikamentösen Therapien. Das gleiche gilt auch für den Leistungssport.

Athleten mit einem allergischen Asthma können ihre Trainingszeiten in Zeiten des Pollenflugs anpassen. Das bedeutet, man muss nicht unbedingt gerade dann trainieren, wenn der Pollenflug am intensivsten ist, aber das ist nicht immer möglich. Eine weitere Möglichkeit ist es, in der Pollensaison die Dosis der inhalativen Medikament vorübergehend zu erhöhen. Grundsätzlich gilt jedoch auch hier: Eine gute, angepasste Therapie ist die wichtigste Maßnahme!

Herr Dr. Krüll, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Wir benutzen Cookies
Wir wollen Ihnen medizinisch korrekte Informationen zu Allergien und Unverträglichkeiten zur Verfügung stellen. Damit wir dies für Sie kostenfrei tun können und damit wir unsere Webseite fortlaufend für Sie verbessern können, benötigen wir und all unsere Kooperationspartner auf dieser Seite Ihre Zustimmung zur Verwendung von Cookies. Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten.