Bienengiftallergie Qualität Bienengift-Allergenextrakte

PD Dr. Simon Blank, Leiter Molekulare und Translationale Allergologie am Helmholtz Zentrum München zur Qualität von Bienengift-Allergenextrakten!

Bienengiftallergie: Qualität der Allergenextrakte variiert!

Ihre Untersuchungen erfolgten an Extrakten aus nativen Allergenen. Kann man sagen, inwiefern neue Konzepte, wie z.B. die Immuntherapie mit Allergoiden oder die Peptid Immuntherapie dieses Problem lösen würden?

Bei der Nutzung von Peptiden oder Therapeutika aus rekombinanten Allergenen könnte man sicherstellen, dass alle notwendigen Allergene in ausreichenden Mengen enthalten sind. Zudem wäre es denkbar, Patienten maßgeschneidert mit nur solchen Allergenen zu behandeln, auf die sie auch allergisch reagieren. Aufgrund der bestehenden Regularien und der mit der Entwicklung solcher Präparate verbundenen Kosten, liegen meiner Meinung nach solche Produkte im Bereich der Insektengiftallergie aber noch in weiter Ferne.

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Könnten die in Ihrer Untersuchung festgestellte Unterrepräsentation von Majorallergenen in den Präparaten, bei einigen Patienten der Grund für einen nicht zufriedenstellenden Therapieerfolg sein?

Bisher können wir nur spekulieren, ob die festgestellten Unterschiede Einfluss auf den Therapieerfolg haben und die Beantwortung dieser Frage bedarf sicherlich weiterer gut geplanter Studien. Eventuell könnten diese Ergebnisse auch nur für Patienten mit bestimmten Sensibilisierungsprofilen von Bedeutung sein, denn ca. 6 Prozent der Bienengiftallergiker sind ausschließlich gegen die Allergene sensibilisiert, die in manchen Präparaten unterrepräsentiert sind.

Eine interessante Studie aus dem letzten Jahr konnte zeigen, dass wenn ein Patient prädominant gegen das in großen Mengen in den Produkten enthaltene Allergen Api m 1 sensibilisiertlisiert ist, also wenn mehr als 50 Prozent der Reaktivität gegen das Gesamtgift gegen dieses Allergen gerichtet ist, kein erhöhtes Risiko für einen Therapiefehlschlag besteht. Wenn der Patient aber prädominant gegen das Allergen Api m 10 sensibilisiertlisiert ist, das unterrepräsentiert sein kann, ist das Risiko für einen Therapiefehlschlag doch deutlich erhöht.

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Was müsste sich bei den Zulassungsanforderungen ändern, um die Qualität der Allergenextrakte zur Therapie einer Allergie auf Bienengift zu erhöhen?

Die Produkte zur Immuntherapie der Bienengiftallergie sind alle schon längere Zeit auf dem Markt. Dabei muss man den Herstellern zugutehalten, dass die Erkenntnisse über die Zusammensetzung relevanter Allergene relativ neu sind und auch Werkzeuge zum Nachweis der Allergene bislang nicht zur Verfügung standen. Sicherlich wäre es aber wünschenswert, dass zukünftig bei der Zulassung der Nachweis ausreichender Mengen der Majorallergene erfolgen sollte.    

Welche Konsequenzen ergeben sich aus Ihrer Studie für Patienten, die aktuell eine Immuntherapie gegen Bienengift in Erwägung ziehen?

Zuerst möchte ich nochmal ganz deutlich unterstreichen, dass auf alle Fälle jeder Patient, der eine schwere allergische Reaktion auf einen Insektenstich gezeigt hat, eine spezifische Immuntherapie durchführen sollte. Es handelt sich hier um eine potentiell lebensrettende Therapie und zudem die einzige kausale Therapie, die dazu in der Lage ist, einen dauerhaften Schutz vor einer erneuten allergischen Reaktion zu gewährleisten. Und trotz der festgestellten Unterschiede zwischen den Präparaten, ist die Hyposensibilisierung gegen Insektengifte die erfolgreichste Immuntherapie von Allergien. Immerhin ist die Behandlung bei über 80 Prozent der Bienengiftallergiker und sogar über 90 Prozent der Wespengiftallergiker erfolgreich.

Gibt es Möglichkeiten, die Extraktqualität oder den Therapieerfolg eines Präparates zur Bienengift—Therapie zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu überprüfen?

Zur Kontrolle kann schon relativ früh im Zuge der Therapie eine Stichprovokation mit einem lebenden Insekt durchgeführt werden. Falls es hierbei immer noch zu einer Reaktion kommt, kann die Dosierung des Therapiepräparates erhöht werden oder auch auf ein anderes Produkt umgestellt werden. Zudem steht mittlerweile auch eine Komponenten-aufgelöste Diagnostik für die klinische Routine zur Verfügung, in der festgestellt werden kann, gegen genau welche Allergene ein Patient sensibilisiert ist. So können Patienten identifiziert werden, die stark oder ausschließlich gegen unterrepräsentierte Allergene sensibilisiert sind und das beste Produkt für die Therapie ausgewählt werden.

Herr Privatdozent Blank, herzlichen Dank für dieses Interview!

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