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Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Prof. Dr. med. Wolfgang Pfützner zum Thema: Diagnose und SIT bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Allergie gegen Insektengift? Diagnose & Hyposensibilisierung

Laut der Leitlinie „Diagnose und Therapie der Bienen und Wespengift-Allergie“ reagieren bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung auf Insektengift, in der Regel Bienengift oder Wespengift, mit einer anaphylaktischen Schockreaktion. 1) Je nach Schwere des Allergieschocks können bleibende Gesundheitsschäden die Folge sein. Im schlimmsten Fall, d.h. wenn Atemwege und Herz betroffen sind, kann eine Anaphylaxie tödlich enden. Deshalb müssen Insektengiftallergiker immer eine Notfallmedikation mit sich führen. Über die langfristige Alternative in Form einer Hyposensibilisierung, Allergen Immuntherapie (AIT) oder Spezifischen Immuntherapie (SIT) gegen das auslösende Allergen sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Wolfgang Pfützner, Leitender Oberarzt, Sprecher Allergie Zentrum Hessen, Leiter Forschergruppe Klinisch-Experimentelle Allergologie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg.

Autor: Sabine Jossé M. A. / Prof. Dr. med Wolfgang Pfützner

Interviewpartner: Prof. Dr. med Wolfgang Pfützner

Herr Prof. Pfützner, um eine Allergie zu entwickeln muss ein wiederholter Kontakt mit dem Allergen stattgefunden haben. Wie oft muss man gestochen werden, bis man eine Insektengiftallergie hat?

Um eine Allergie gegen Bienen- und Wespengift zu entwickeln, muss man in der Tat mehrfach gestochen worden sein. Frühestens beim zweiten Insektenstich kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Oft können sich die Patienten aber gar nicht mehr erinnern, weil es länger her ist, oder weil dieser erste Stich nicht so bemerkenswert war. Oft hat man das Insekt gleich reflexhaft weggewischt und weiß nicht, was da eigentlich gestochen hat.

Im Zusammenhang mit einer Allergie gegen Bienengift oder Wespengift ist häufig von der molekularen Allergiediagnostik die Rede. Was genau ist anders an dieser Diagnosemethode?

Die molekulare Allergiediagnostik ist genauer, insbesondere bei speziellen Fällen. Spezielle Fälle sind Reaktionen, bei denen die herkömmlichen Diagnosemethoden, also Hauttests oder Antikörperbestimmungen, der Allergologe sagt auch IgE-Bestimmung gegen das Insektengift, keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Es kann vorkommen, dass die Testergebnisse der herkömmlichen Tests eine eindeutige Zuordnung der allergischen Reaktion zu einer Allergie gegen Bienengift oder Wespengift erlauben. In diesem Fall kann man mit Hilfe der molekularen Diagnostik prüfen, ob eine Sensibilisierung auf ein Allergen-Komponente vorliegt, die ein Hauptallergen des jeweiligen Gifts darstellt und daher einen klaren Hinweis auf das verursachende Insekt gibt..

Wie sieht die weitere Diagnose aus, wenn der Test auf beides, Bienengift und Wespengift, positiv ausfällt?

Wenn ein Patient beim Allergietest im Hauttest oder bei der Untersuchung auf IgE-Antikörper gegen die Giftextrakte sowohl auf Bienengift als auch auf Wespengift positiv reagiert, kann eine Kreuzreaktionen die Ursache sein. Das bedeutet, es besteht eine Allergiebereitschaft gegenüber kreuzreaktiven Komponenten, die in beiden Insektengiften vorkommen. Das erschwert die Diagnostik. In diesen Fällen wird mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik auf Insektengiftbestandteile getestet, die entweder ausschließlich im Bienengift oder ausschließlich im Wespengift vorkommen. Nur so lässt sich ermitteln, ob eine Sensibilisierung gegen das eine oder andere, oder sogar gegen beide Gifte besteht.

Ist es möglich, dass man sowohl auf Bienengift als auch auf Wespengift allergisch reagiert?

Das ist möglich und in diesem Fall sollte auch auf beide Insektengifte behandelt werden. Deshalb ist es wichtig im Vorfeld genau zu klären, auf welches Allergen die Sensibilisierung besteht. Ansonsten könnte es passieren, dass gegen das falsche Allergen eine Hyposensibilisierung eingeleitet wird.

Was kann passieren, wenn ein Patient mit einer Allergie auf Wespengift irrtümlich auf Bienengift desensibilisiert, das heißt, behandelt wird, und umgekehrt?

Wenn der Patient bei der Hyposensibilisierung auf das falsche Insektengift behandelt wird, kann es sein, dass der Erfolg ausbleibt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass auf eine höhere Anzahl an Allergenen als nötig behandelt wird.

Allerdings ist eine Allergie gegen beide Gifte eher selten. Bei den meisten Patienten, die bei Haut- oder Bluttests Doppelreaktionen, sowohl auf Bienengift als auch auf Wespengift zeigen, leistet die molekulare Diagnostik sehr gute Dienste. In der Regel kann man durch diese Komponentendiagnostik nachweisen, dass nur eine einfache Sensibilisierung gegenüber einem Insektengift, also nur gegen Bienengift oder nur gegen Wespengift, besteht.

Sie erwähnten die Kreuzreaktionen – was bedeutet das bei der Insektengiftallergie?

Kreuzreaktionen können zwischen Wespen- und Bienengiften vorkommen, genauer gesagt zwischen Proteinen, die in beiden Insektengiften vorkommen. Die Extrakte, die in der herkömmlichen Diagnose genutzt werden, enthalten sämtliche Proteine der jeweiligen Gifte. Dadurch wird es schwerer, das allergieauslösende Allergen zu identifizieren.

Zu Kreuzreaktionen kann es auch dadurch kommen, dass einzelne Allergenkomponenten sowohl im Bienen- als auch im Wespengift vorkommen können. Eine andere Ursache ist das Vorkommen sogenannter Zuckerseitenketten an der Oberfläche mancher Proteine. Diese können sich z.B. auch bei Pollenallergenen oder Lebensmittelallergenen finden, besitzen allerdings keine Relevanz in Hinblick auf die Auslösung von Allergien. Diese Kreuzreaktionen auf die Zuckerseitenketten können bei der Diagnose positive Reaktionen vortäuschen, sie beziehen sich jedoch nur auf bestimmte Zuckerseitenketten, die zu einer Bindung der IgE-Antikörper führen und nicht auf ein Allergen in Bienengift oder Wespengift.

Wann sollte man eine Hyposensibilisierung gegen Insektengift durchführen?

Grundsätzlich kann man eine Allergen-Immuntherapie (AIT) bzw. Hyposensibilisierung mit Bienen- oder Wespengift jederzeit durchführen. Während der Einleitung sollte man gut darauf achten, dass keine Stichereignisse auftreten, so dass sich diese im stationären Rahmen als sehr rasch innerhalb weniger Tage durchführbare Ultra-Rush-Therapie empfiehlt.

Wie ist der Ablauf einer Hyposensibilisierung gegen Bienengift oder Wespengift aus und wie schnell wirkt die Therapie?

Die Aufdosierung der AIT auf die anzustrebende Erhaltungsdosis an Bienengift oder Wespengift erfolgt bevorzugt stationär. Innerhalb von drei bis fünf Tagen wird dem Patienten das auslösende Insektengift-Allergen in zunehmender Dosis subkutan, also unter der Haut, zugeführt. Ausgehend von sehr kleinen Mengen steigert sich die Dosierung auf eine Menge, die mehreren Stichen (bei Wespengift) bzw. mindestens einem Stich (bei Bienengift) entspricht. Bei etwa 80 bis 90 Prozent aller Behandelten kommt es zur Ausbildung einer Toleranz, also einem Schutz vor allergischen Reaktionen bei einem erneuten Stich.

Wie lange dauert die Hyposensibilisierung gegen Bienengift oder Wespengift?

Die Erhaltungsdosis wird in der Regel in monatlichen Abständen für mindestens drei bis fünf Jahre verabreicht.

Ist ein stationärer Aufenthalt in der Klinik für eine Allergen Immuntherapie (AIT) grundsätzlich nötig?

Wenn keine akute Gefahr droht, z.B. im Winter, besteht prinzipiell auch die Möglichkeit, die gesamte AIT ambulant durchzuführen, ähnlich wie bei der Pollenallergie. Dann wird in wöchentlichen Abständen über etwa 12 bis 16 Wochen die Allergendosis gesteigert, wobei nach jeder Gabe eine mindestens 30-minütige Nachbeobachtung erforderlich ist.

Kann die Allergie gegen Bienengift bzw. Wespengift durch eine Hyposensibilisierung nach den 3 bis 5 Jahren tatsächlich verschwinden?

Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Behandelten kommt es zu einer Toleranzentwicklung. Diese kann durch eine Stichprovokation mit einem lebenden Insekt unter stationären Bedingungen in darin erfahrenen Zentren überprüft werden. Kommt es bei der Stichprovokation zu einer erneuten allergischen Reaktion, kann oft durch eine weitere Steigerung der regelmäßig verabreichten Giftdosis doch noch ein Schutz erreicht werden. Die AIT wirkt in derRegel langfristig. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen es nach vielen Jahren durch einen Bienen- oder Wespenstich erneut zu einer allergischen Reaktion kommt. Dann sollte man erwägen, die Hyposensibilisierung zu wiederholen.

Gibt es bei der Spezifischen Immuntherapie gegen Bienengift bzw. Wespengift auch Nebenwirkungen?

Insbesondere zu Beginn der Therapie kann es zu leichten systemischen anaphylaktischen Reaktionen kommen. Wirklich schwere Reaktionen sind ausgesprochen selten, jedoch ist dies der Grund für die anfängliche stationäre Durchführung der Behandlung. Kommt es zu einem Notfall stehen in der Klinik alle nötigen Geräte, sowie das Fachpersonal bereit.

Kann man die Behandlung fortsetzen, wenn es bei der Hyposensibilisierung gegen Insektengift zu einer Anaphylaxie kommt?

Tritt eine schwerere allergische Reaktion auf die AIT mit Insektengift auf, so sollte versucht werden, auf eine höhere Erhaltungsdosis zu steigern. Gegebenenfalls. kann eine präventive Gabe eines Antihistaminikums oder des monoklonalen Anti-IgE Antikörpers Omalizumab förderlich sein, der die allergische Immunantwort unterdrückt. Dies kann ermöglichendie Therapie fortzusetzen.

Welche Erfahrungen hat man mit der Hyposensibilisierung gegen Insektengift gemacht, gibt es auch Kontraindikationen?

Bei bestimmten seltenen Erkrankungen wie Immundefekten, aktiven Autoimmunerkrankungen oder Tumorleiden kann eine AIT kontraindiziert sein. Bei Vorliegen einer Schwangerschaft sollte die AIT mit Insektengiften nicht eingeleitet werden, tritt unter einer vertragenen AIT eine Schwangerschaft ein, so kann die Hyposensibilisierung zumeist fortgeführt werden. Diese Konstellationen sollten mit dem behandelnden Allergologen oder der behandelnden Allergologin besprochen werden.  

Herr Prof. Pfützner, vielen Dank für das Gespräch!

Quellen:

1) Leitlinie „Diagnose und Therapie der Bienen und Wespengiftallergie“ der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) und der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) Allergo, J 2011; 20: 318-39, https://dgaki.de/

Wichtiger Hinweis

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