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Bienenstich Wespenstich allergische Reaktion

Dr. Victoria Mortasawi: Bienenstich, Wespenstich, was tun? Wann ist die Reaktion allergisch?, Bildquelle: V. Mortasawi

Bienenstich, Wespenstich, was tun? Wann ist die Reaktion allergisch?

Insekten gehören zum Sommer wie die Sonne und leider kommt es dann auch öfter Mal zu einem Stich. Die Hautreaktionen nach einem Bienenstich oder Wespenstich können sehr bedrohlich wirken. Aber ist es immer eine Wespenstich Allergie oder Bienenstich Allergie? Was tun, wenn man gestochen wurde? Und wann ist die Reaktion allergisch? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Victoria Mortasawi nun in der Praxis Dr. Gebhardt und Kollegen in Göppingen und zuvor in der Hautklinik am Universitätsklinikum Marburg über den Unterschied und beantwortet die Fragen: Bienenstich was tun? Wespenstich was tun?

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. Victoria Mortasawi

Frau Dr. Mortasawi, welche Reaktionen der Haut sind "normal", wenn man von einer Biene oder Wespe gestochen wurde?

Bienen- und Wespenstiche führen üblicherweise im Verlauf von Minuten bis Stunden zu einer schmerzhaften Rötung und Schwellung. Meist ist diese kleiner als 10 cm im Durchmesser und klingt innerhalb eines Tages wieder ab. Aber: Nicht immer folgt auf einen Bienenstich oder Wespenstich eine allergische Reaktion.

Was kann man als "erste Hilfe"-Maßnahme nach einem Bienen- oder Wespenstich tun?

Am besten behandelt man einen Bienen- oder Wespenstich mit einem kühlenden feuchten Umschlag. Darüber hinaus kann eine Kortisoncreme aufgetragen werden. Bei besonders starken Schwellungen sollte ein Antihistaminikum eingenommen werden. Dazu eignen sich zum Beispiel Tabletten mit den Wirkstoffen Cetirizin oder Loratadin.

Aber: Bei einem Stich am Kopf oder am Hals muss rasch ein Arzt aufgesucht werden. Dann kann es durch die Schwellung zu einer Verlegung der Luftwege kommen. Hat man gar eine Biene oder Wespe verschluckt, muss auf alle Fälle ein Notarzt gerufen werden, Telefon 112.

Woran merkt man, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt?

Allergische Reaktionen auf Insektengifte können lebensbedrohlich sein. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass Symptome auch fern der Stichstelle auftreten. Man spricht hierbei dann von einer Anaphylaxie.

Diese Symptome zeigen sich in aller Regel innerhalb weniger Minuten und können wie folgt aussehen:

  • Hautreaktionen, wie zum Beispiel Quaddeln, Schwellungen und Rötung am ganzen Körper
  • Atemnot
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blutdruckabfall

Im schlimmsten Fall kann es nach Bienen- oder Wespenstichen zum sogenannten anaphylaktischen Schock kommen. Dann kann es zu Bewusstlosigkeit mit Herz-Kreislauf und Atemstillstand kommen.

Wie lange nach dem Stich einer Biene oder Wespe kann es noch zu einer allergischen Reaktion kommen? Wenn ja, ist das dann eine Spätreaktion?

In den allermeisten Fällen treten die Reaktionen unmittelbar nach dem Stichereignis auf mit einem sogenannten „Peak“, einem Höhepunkt, nach 30 bis 60 Minuten. In seltenen Fällen kann es zu einer sogenannten biphasischen Reaktion kommen, bei der einige Stunden nach Abklingen der Anaphylaxie-Symptome erneut Symptome auftreten, ohne, dass es zu einer erneuten Stichreaktion [SJ1] kam.

Kann es auch sein, dass es bei einem Bienenstich oder Wespenstich erst später zu einer allergischen Reaktion kommt?

In der Regel treten die Symptome nicht später als 2 bis 6 Stunden nach dem Stichereignis auf. Bei Symptomen über dieses Zeitfenster hinaus sollten andere Anaphylaxie-triggernde Allergene ebenfalls in Betracht gezogen werden.

Was sollte man tun, wenn man eine allergische Reaktion befürchtet?

Falls Reaktionen auftreten, die über eine Schwellung an der Einstichstelle hinausgehen, sollte sofort der Notarzt verständigt werden.

Warnzeichen für eine Anaphylaxie nach einem Insektenstich sind:

  • Quaddeln
  • Atemnot
  • Übelkeit
  • Kreislaufstörungen

Nach erfolgreicher akuter Behandlung der anaphylaktischen Reaktion bzw. des allergischen Schocks sollte man einen Allergologen oder eine Allergologin konsultieren, damit eine Diagnose gestellt werden kann.

Was untersucht der Arzt bei der Diagnose einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift?

In der allergologischen Praxis werden Allergietestungen, das heißt ein Haut- und Bluttest, durchgeführt. Liegt eine Insektengiftallergie vor, werden Notfallmedikamente wie Antihistaminika, Kortison und Adrenalin verordnet. Diese Medikamente muss ein Insektengiftallergiker immer bei sich tragen. Darüber hinaus wird geprüft, ob eine Hyposensibilisierung, auch Allergen spezifische Immuntherapie genannt, angezeigt ist.

Ist man vor allergischen Reaktionen gefeit, wenn man bisher beim Bienen- oder Wespenstich keine allergischen Reaktionen gezeigt hat?

Generell kann jedermann im Laufe seines Lebens eine Insektengiftallergie entwickeln. Ein Allergietest sollte allerdings nur erfolgen, wenn der begründete Verdacht auf eine Insektengiftallergie besteht. 20 Prozent aller Menschen sind auf Bienen oder Wespengift sensibilisiert, ohne tatsächlich an einer Insektengiftallergie zu leiden. Das bedeutet, wenn sie von einem der beiden Insekten gestochen werden, kommt es trotz der Antikörper im Blut des Patienten zu keinerlei Reaktionen. Würde man all diese Menschen testen, könnten sie fälschlicherweise glauben, sie seien allergisch.

Frau Dr. Mortasawi, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.