Futtermittelunverträglichkeit Hund

Dr. med. vet. Anette Fach, Kleintierpraxis Oberursel

Futtermittelunverträglichkeit beim Hund: Auslöser, Diagnose und Therapie

Juckreiz, Kratzen, offene Hautstellen, Durchfall und Blähungen beim Hund? Dafür kann es viele Gründe geben, aber auch eine Futtermittelunverträglichkeit – von Laien oft fälschlich als „Futtermittelallergie“ bezeichnet - kann der Grund sein, wenn ein Hund diese Symptome zeigt. Doch wie lässt sich ermitteln, ob tatsächlich ein Bestandteil des Futters die Probleme verursacht? Und welche Nahrungsbestandteile können Futtermittelunverträglichkeiten bei Hunden auslösen? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. vet. Anette Fach, Kleintierpraxis Oberursel über die schwierige Diagnose einer Futtermittelunverträglichkeit bei Hunden.

Frau Dr. Fach, was kann die Ursache dafür sein, wenn ein Hund das Futter nicht verträgt?

starker juckreiz ist typisch fuer die futtermittelunvertraeglichkeit beim hundStarker Juckreiz ist typisch für die Futtermittelunverträglichkeit beim Hund - hier die Bordeauxdogge LiliWenn ein Hund das Futter nicht verträgt, kann es sich um eine Futtermittelallergie, d.h. um einen immunologischen Vorgang, oder auch um eine Futtermittelunverträglichkeit, d.h. eine Überempfindlichkeitsreaktion handeln. Am klinischen Erscheinungsbild lässt sich dies allerdings nicht differenzieren und es ist beim Hund auch nicht immunologisch messbar. Wenn die Hundebesitzer zum Tierarzt kommen, gehen sie meist von einer Futtermittelallergie aus, obwohl es sich oft um eine Futtermittelunverträglichkeit handelt. Echte immunologisch vermittelte Allergien sind bei Hunden eher selten.

Hunde reagieren oft  über die Haut, durch Juckreiz und offene Stellen, gilt dies auch für die  Futtermittelunverträglichkeit?

Auch Futtermittelunverträglichkeiten zeigen sich beim Hund hauptsächlich über die Haut. Symptome sind jedoch auch an anderen Organsystemen, z.B. am Magen-Darm-System möglich. Äußern kann sich eine Futtermittelunverträglichkeit beim Hund durch Erbrechen,  Durchfall, Blähungen, Aufgasungen oder Bauchkrämpfe. Auch wenn ein Hund häufiger als drei Mal am Tag Kot absetzt, könnte dies eine Reaktion auf Futtermittel sein.   


Gibt es bei der Futtermittelunverträglichkeit beim Hund neben den Symptomen an der Haut und dem Magen-Darm-System auch andere Symptome, z.B. Verhaltensänderungen?

Ausschließen kann man das nicht, allerdings ist dies nur in geringem Maße in Studien untersucht worden.

Bei einer  Unverträglichkeit kommt es im Körper des Hundes zu bestimmten Prozessen. Dies hat Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Tieres, aber auch auf den Hormonhaushalt, z.B. die Schilddrüse. So kann die Schilddrüsenproduktion absinken, obwohl das Organ selbst gesund ist, weil eine andere Erkrankung, z.B. auch tatsächlich eine Allergie, vorliegt. Die Schilddrüsenwerte erwecken dann den Eindruck, es läge eine Störung dieses Organs vor, obwohl dies in anderen Ursachen begründet ist. Hunde mit einem relativ niedrigen Schilddrüsen-Hormonstatus sind häufig auch verhaltensauffällig, eventuell auch aufgrund einer anderen Grunderkrankung. Wenn es zu Verhaltensänderungen beim Hund, wie z.B. aggressives oder auch phlegmatisches Verhalten, kommt, merken das die Hundebesitzer sehr schnell und berichten dann auch darüber.

futtermittelunvertraeglichkeit bei bordeauxdogge lilliFuttermittelunverträglichkeit zeigt sich beim Hund auch durch kahle Stellen im FellUnabhängig davon  verhalten sich Hunde, die unter Juckreiz leiden, generell unruhiger. Die Besitzer stellen deshalb häufig fest, dass die Behandlung des Juckreizes auch zu einer Beruhigung des Hundes führt – die Tiere sind dann einfach entspannter und ausgeglichener.

Welches sind die häufigsten Auslöser von Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund?

In zahlreichen Studien wird Getreide, vor allem Weizen und Soja, als ein häufiger Auslöser von Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund genannt. Vermutlich ist dafür der hohe Glutengehalt des Weizens, der auch den Menschen Probleme bereitet, verantwortlich. Auch Mais kann beim Hund Unverträglichkeiten auslösen.

Beim Fleisch lösen in erster Linie Rind und Huhn Unverträglichkeits-reaktionen aus, aber auch auf Hühnerei kann ein Hund unverträglich  reagieren. Auch Milchprodukte sind häufig unverträglich für Hunde und auch  Unverträglichkeitsreaktionen, auf  z.B. Laktose, Ursache ist hier  eine Enzymmangel, sind beim Hund möglich. Je öfter die jeweiligen Futtermittelbestandteile im Hundefutter eingesetzt werden, desto eher kann es zu entsprechenden Reaktionen kommen. Rind- und Hühnerfleisch z.B., sind also nicht per se „unverträglicher“ als andere Fleischsorten.

Grundsätzlich kann ein Hund auf alle Futterbestandteile eine echte Allergie entwickeln bzw. unverträglich reagieren, die Symptome sind in beiden Fällen gleich.

Spielen Füllstoffe eine Rolle bei den Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund?

Es gibt zurzeit viele Diskussionen darüber, ob Hunde getreidefreies Futter benötigen oder nicht – oft ist dies eine Glaubensfrage. Aus wissenschaftlicher Sicht kann ein Hund Getreide durchaus verwerten. Der Darm eines Hundes ist nicht mehr so aufgebaut wie der Darm des Wolfes. In den letzten Jahrtausenden der Domestizierung hat sich der Hundedarm an die veränderte Kost angepasst und kann Getreide durchaus verwerten. Getreide ist für einen Hund eine hochwertige Energiequelle und enthält viele Stoffe, die dem Hund gut tun


Wie erstellen Sie die Diagnose „Futtermittelunverträglichkeit beim Hund“?

Zwar kann man auch beim Hund einen IgE-Test durchführen oder auch einen Intrakutantest, man misst hier jedoch immer nur einen Weg, den eine Allergie nehmen kann. Andere Sensibilisierungswege zeigen sich hierbei nicht und auch nicht-allergische Unverträglichkeiten können mit dem IgE-Test nicht diagnostiziert werden. Zudem liefert der IgE-Test auch häufig falsch positive Ergebnisse. Das bedeutet, laut Test ist der Hund auf ein bestimmtes Futtermittel sensibilisiert, de facto verträgt er es aber.       

auch an den ohren des hundes zeigt sich die futtermittelunvertraeglichkeitAuch an den Ohren des Hundes kann sich die Futtermittelunverträglichkeit zeigenBei Verdacht auf eine Futtermittelunverträglichkeit verwende ich deshalb nicht automatisch den IgE-Test, d.h. den Bluttest, sondern ich stelle die Diagnose ausschließlich über die Fütterung. Ein Bluttest ist mit ca. 100 € recht teuer, nicht unbedingt zielführend und ersetzt auch nicht die Eliminationsdiät. Letztendlich muss man sich auch nach einem IgE-Test sehr intensiv und individuell mit der Reaktion des Hundes auf das jeweilige Futter beschäftigen. Bei mir steht deshalb die Eliminationsdiät an erster Stelle, wenn es um die Diagnose einer Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund geht.

Auf Wunsch des Hundehalters, wenn diese gerne „etwas Konkretes“ in der Hand haben wollen, führe ich natürlich auch einen IgE-Test durch. Zeigt sich dann eine IgE-vermittelte allergische Reaktion auf ein bestimmtes Futter, wird dieses bei der folgenden Eliminationsdiät ausgeklammert. Das bedeutet aber nicht, dass nicht noch weitere Unverträglichkeiten bestehen.

Was ist bei der Eliminationsdiät bei Hunden zu beachten?

Wichtig ist, dass die Eliminationsdiät beim Hund korrekt und lange genug durchgeführt wird. Es gibt Hunde, die bereits nach drei bis vier Wochen mit einer Besserung der Symptome reagieren. Bei anderen kann es sechs bis zwölf Wochen dauern, bis sich eine Besserung zeigt. Hat der Hund zusätzlich zu den Hautproblemen eine Otitis, d.h. eine Ohrenentzündung, dauert es manchmal sogar drei bis vier Monate, bis die Ohrenentzündung abgeheilt ist und es klar ist, inwieweit das Futter eine Rolle für die Beschwerden spielt.

Hinzu kommt, dass ein Hund häufig nicht nur auf einen Bestandteil des Futters reagiert, sondern auf mehrere Futtermittel. Zusätzlich können noch Reaktionen auf Pollen, Hausstaubmilben etc. hinzukommen. Echte Allergien sind immer Schwellenerkrankungen, d.h. es kommen mehrere Faktoren zusammen, aber erst wenn die individuelle Schwelle überschritten wird, kommt es zu klinischen Symptomen. Manchmal reicht es aus, ein bestimmtes Futtermittel wegzulassen, Parasiten oder eine Infektion zu bekämpfen, damit die jeweilige Schwelle wieder unterschritten wird und die Haut sich beruhigt. Deshalb dauert es manchmal so lange, bis man weiß, ob ein bestimmtes Futtermittel die Ursache ist oder eine bestimmte Therapie anschlägt. Gleichzeitig behandelt man die Infektionen der Haut.

Welches Futter bekommt der Hund während der Eliminationsdiät?

Am besten ist nach wie vor eine selbstgekochte Diät, weil man so wirklich alle Allergene kontrollieren kann. Bei den kommerziellen Diäten lassen sich z.T. nur einen Teil der potenziellen Allergene ausschließen. Der „Klassiker“ einer selbstgekochten Eliminationsdiät für den Hund ist Pferdefleisch mit Kartoffeln.

Der wichtigste Faktor bei der Eliminationsdiät ist jedoch eine gute Compliance des Herrchens.  Während der Eliminationsdiät darf der Hund wirklich nur ausschließlich die ausgewählte Eiweiß- und Kohlenhydratquelle zu sich nehmen. Auch eine Wurmkur oder orale Antibiotika sollten in dieser Zeit  nicht angewendet werden, was aber nicht immer möglich ist. Ist dies nicht vermeidbar, wählt man am besten pure Wirkstoffe ohne zusätzliche Geschmacksstoffe. Nur wenn der Hund wirklich nichts anderes als die verabredete Diät zu sich nimmt, kann man beurteilen, ob die Eliminationsdiät anschlägt. Ansonsten weiß man, wenn sich die Symptome nicht bessern, nicht genau, woran dies liegt. Eine Lösung für dieses Problem wäre ein Maulkorb für den Hund. Damit können sich viele Hundebesitzer jedoch nicht anfreunden, weil es den Eindruck erweckt, der Hund sei gefährlich.

Eine Eliminationsdiät ist im Grunde eine sehr einfache Form der Diagnose, aber in der Praxis ist sie sehr schwer umzusetzen. Schon ein Keks, der zu Boden fällt oder ein Brötchen auf dem Gehweg können den gesamten Prozess durcheinanderbringen und das Ergebnis beeinflussen, wenn sie vom Hund gefressen werden. Ganz wichtig ist auch, dass die ganze Familie und auch alle betreuenden Personen mitmachen. Es bringt nichts, wenn einer der Betreuer den Hund heimlich mit den falschen Dingen füttert. Oft erfährt der Tierarzt davon nichts und wundert sich, dass die Eliminationsdiät nicht anschlägt. Es gibt aber auch Familien, die sehr diszipliniert sind und dann auch gute Behandlungserfolge beim Tier erzielen, z.B. die Bordeauxdogge Lili, die fast haarlos in unsere Praxis kam und die heute durch eine tolle Compliance bei der Eliminationsdiät wieder gut geht .


Was passiert nach der Eliminationsdiät beim Hund?

Sind die die Symptome des Hundes unter der Eliminationsdiät verschwunden, möchte man sicher gehen, dass es wirklich bestimmte Bestandteile des Futters waren, die die Symptome beim Hund verursacht haben. Deshalb muss man den Hund wieder mit seinem „alten Futter“ füttern, um zu kontrollieren, ob die Beschwerden erneut auftreten. Es könnte ja auch sein, dass auch saisonale Allergene, z.B. Pollen eine Rolle spielen. Besteht tatsächlich eine Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit, treten die Beschwerden sehr schnell nach dem Provokationstest wieder auf – wesentlich schneller, als umgekehrt!

Studien haben z.B. gezeigt, dass bei Hunden mit einer Getreideallergie bereits nach einer guten Woche wieder Symptome auftreten. Noch schneller treten die Symptome wieder auf, wenn ein Hund Milchprodukte nicht verträgt – hier geht man von vier bis fünf Tagen aus. Die meisten Hunde mit Futtermittelallergie oder –unverträglichkeit reagieren innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen allergisch, wenn sie das „alte“ Futter wieder bekommen.

Viele Hundebesitzer sträuben sich allerdings gegen den Provokationstest. Meist hat der Hund eine lange Leidensgeschichte hinter sich, wenn er zu uns kommt und die Besitzer wollen ihrem Hund erneute Leiden ersparen. Damit ist der letzte Beweis zwar nicht erbracht und es besteht die Möglichkeit, dass doch ein anderes Allergen dahintersteckte und die Beschwerden dann wieder auftreten, wenn es zum Allergenkontakt kommt, aber der Wunsch der Hundebesitzer ist verständlich.   

Sie erwähnten die Behandlung der Hautinfektionen...

Häufig haben die Hunde nicht nur eine Unverträglichkeit oder Allergie, die zu Juckreiz und in der Folge zu entzündeter, aufgekratzter Haut führt.  Auf die wunden Stellen setzt sich meist noch eine Infektion, die ebenfalls juckt und zu weiterem Kratzen führt. Deshalb beginnt man parallel zur Eliminationsdiät mit der Behandlung des Juckreizes und eventuell muss der Hund auch eine Halskrause tragen. Auch Parasiten wie Milben, Flöhe etc., die ebenfalls Juckreiz auslösen und die gleichen Symptome verursachen, müssen zu Beginn der Diät ausgeschlossen bzw. behandelt werden. Ob letztendlich das Futtermittel schuld an den Beschwerden war, weiß man oft erst am Ende der Behandlung, das ist manchmal ein langer Weg.

Was passiert, wenn die Eliminationsdiät die Symptome des Hundes zum Verschwinden bringt?

Dadurch, dass man viele Maßnahmen parallel durchführt, weiß man am Ende der Behandlung manchmal nicht genau, welche Maßnahme denn nun geholfen hat. Deshalb baut man – die Diät ausgenommen - die Maßnahmen Stück für Stück wieder ab und beobachtet, ob der Hund stabil bleibt. Mein Ziel ist es stets, den Hund allein über das Futter stabil zu halten, möglichst ohne Medikamente.  Mittlerweile gibt es auch einige Fertignahrungen, auf die man zurückgreifen kann, wenn feststeht, was der Hund verträgt und was nicht.

Damit sichergestellt ist, dass der Hund ausreichend versorgt ist, können wir, individuell auf den jeweiligen Hund abgestimmt, die Rationen berechnen. Der Bedarf kann abgestimmt auf Alter, Gewicht, etc. berechnet werden, auch ob das Tier kastriert ist oder nicht, lässt sich berücksichtigen. Zusätzlich kann man durch eine Blutuntersuchung den Vitamin- und Mineralstoffstatus des Hundes bestimmen und das Futter dementsprechend auf den individuellen Bedarf abstimmen.  

Und wenn die Eliminationsdiät beim Hund keine Besserung der Symptome bringt?

Wenn sich der Verdacht auf Futtermittelunverträglichkeit Allergie zerschlägt, prüft man mittels Bluttest auf Umweltallergene, wie z.B. Pollen. Auch die Flohspeichelallergie ist bei Hunden ein häufiger Auslöser von Hautproblemen.  

Frau Dr. Fach, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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