Zusammenhang Allergien, Vitamin D-Mangel

Prof. Dr. Jörg Spitz, Gesellschaft für medizinische Information und Prävention in Schlangenbad

Allergien und Vitamin D-Mangel – gibt es einen Zusammenhang?

Man hört immer wieder, dass veränderte Lebensbedingen die Ursachen für einen allgemeinen Vitamin D-Mangel in der Bevölkerung sind, was ist heute anders als früher? Wie beeinflusst dies den Vitamin D-Spiegel?

Wir haben gleich mit mehreren Maßnahmen dafür gesorgt, dass die Haut nicht mehr genügend Vitamin D produzieren kann: zum einen arbeitet der überwiegende Teil der Bevölkerung in Räumen oder geschlossenen Fahrzeugen, wo die Sonne nicht hinkommt. Und sollten wir uns in der Freizeit dann wirklich im Freien aufhalten, haben wir häufig Freizeitkleidung an, die den ganzen Körper bedeckt. Und alles was dann doch noch herausschaut, wird sorgfältig mit Sonnencreme behandelt, damit kein Sonnenbrand (oder Krebs) entsteht. Ein Sonnenschutzfaktor 15 blockiert jedoch die Vitamin D Herstellung in der Haut zu 99 Prozent. Als Folge davon ergeben praktisch alle Untersuchungen unabhängig voneinander, dass in Deutschland etwa 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung insbesondere im Winter über zu wenig Vitamin D verfügen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Vitamin D Produktion nur dann funktioniert, wenn die Sonne höher als 45 Grad am Horizont steht. Dies lässt sich auch ohne Winkelmesser sehr einfach kontrollieren, indem man sich mit dem Rücken zur Sonne stellt und seinen Körperschatten anschaut. Ist dieser länger als die Körpergröße, steht die Sonne niedriger als 45 Grad und es wird kein Vitamin D gebildet. In Deutschland ist dies in den Monaten Oktober bis März und in den restlichen Monaten vor zehn Uhr und nach 16 Uhr der Fall.

Wer also gezielt Vitamin D herstellen will, sollte über Mittag für 10 bis 20 Minuten (je nach Hauttyp) mit möglichst wenig Kleidung und ohne Sonnencreme zwei bis dreimal pro Woche die Sonne an seine Haut lassen.

Bei längerem Aufenthalt muss man sich natürlich mit Kleidung oder Sonnencreme schützen.

Welche Allergien und Unverträglichkeiten können einem Vitamin D-Mangel hervorrufen und warum?

Vitamin D beeinflusst zum einen bereits während der Schwangerschaft das Immunsystem des Kindes. Hat die Mutter zu wenig Vitamin D - und derzeit haben die meisten Mütter zu wenig Vitamin D - verschiebt sich die Regulation des kindlichen Immunsystems in die Richtung einer allergischen Über-Reaktion. Diese Menschen bekommen in ihrem späteren Leben vermehrt Asthma, Rheuma, Multiple Sklerose und andere Autoimmunerkrankungen. Die Situation verschlechtert sich weiter, wenn die betreffende Person dann auch selbst nicht genügend Vitamin D produziert, da das Immunsystem für seine Funktion ebenfalls einen ausreichenden Vitamin D Spiegel benötigt, zum Beispiel um banale Grippeerkrankungen abzuwehren.

Was kann man tun, um seinen Vitamin D-Spiegel zu normalisieren bzw. um einen zu niedrigen Vitamin D-Spiegel zu verhindern?

Ein mäßiger jedoch regelmäßiger Sonnengenuss im Sommer ist schon einmal eine gute Ausgangsbasis, reicht jedoch zumeist nicht aus. In den Wintermonaten kann man – je nach Portokasse – dann entweder einen Urlaub in südlichen Gefilden machen oder zweimal im Monat auf eine (gute) Sonnenbank gehen oder pharmakologisch hergestelltes Vitamin D als Tablette oder ölige Lösung einnehmen. Entscheidend ist, dass möglichst konstant ein normaler Vitamin D Spiegel erreicht wird. Dies kann man im Blut überprüfen. Dabei sollte ganzjährig ein Wert zwischen 30 und 50 ng/ml erreicht werden.

Herr Prof. Spitz, herzlichen Dank für das Interview!

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