Brot Krank Weizen Gluten ATI

Dr. phil. Kristin Gisbert-Schuppan und Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan zu ihrem Buch "Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI"!

Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI

Macht Weizen krank und Brot dumm? Geht die Menschheit am Brot zugrunde? In Anbetracht zahlreicher viel diskutierter Publikationen könnte man diesen Eindruck bekommen. Den Autoren von „Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI“ war das zu unwissenschaftlich und sie beschlossen, einen „Kontrapunkt“ zu setzen. Frei von “überschießenden“ Emotionen und basierend auf einer Kombination aus hochaktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Praxiserfahrungen, entwickelten sie ein Buch, das für interessierte Laien, Patienten und Experten gleichermaßen interessant ist. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. phil. Kristin Gisbert-Schuppan und Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan, Professor of Medicine an der Harvard Medical School in Boston, USA, Leiter des Instituts für Translationale Immunologie und der Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen am Universitätsklinikum Mainz, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Zöliakiegesellschaft und Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Frau Dr. Gisbert-Schuppan, Herr Prof. Schuppan, was hat Sie dazu bewogen, ein Buch zum Thema „Brot“ zu schreiben?

Prof. Schuppan: Unser Buch behandelt primär weizen- bzw. glutenbedingte Erkrankungen, weil an unserem Institut ein relevanter Teil der Patienten davon betroffen ist und ein Schwerpunkt unserer Forschung auf diesen Erkrankungen liegt. Zu Zöliakie, bzw. zu von Weizen und Gluten ausgelösten Erkrankungen, haben wir in den letzten Jahren grundlegende Arbeiten veröffentlicht und deshalb war es uns wichtig, dieses Wissen den möglicherweise Betroffenen zugänglich zu machen.

In Anbetracht einer großen Verwirrung unter Patienten, aber durchaus auch unter Experten, haben wir beschlossen, ein Buch zu schreiben, das endlich die weizen- und glutenbedingten Erkrankungen nach dem aktuellen Stand der klinischen und basiswissenschaftlichen Forschung behandelt. Wir wollten primär klarstellen, welche weizenbedingten Erkrankungen es gibt, aber durchaus auch, welche Diagnosen auszuschließen sind.

Könnten Sie einen kurzen Überblick über Ihre Forschungsarbeit zu weizen- bzw. glutenbedingten Erkrankungen geben?

prof detlef schuppan universitaetsklinikum mainz zu zoeliakieProf. Detlef SchuppanEines unserer ersten Forschungsergebnisse war die Entdeckung der Transglutaminase als Zöliakie-Auto-Antigen und die darauf basierende Etablierung des ersten weltweit genutzten Tests.

Dann kam zweitens die Entdeckung der ATI, der Amylase Trypsin Inhibitoren, hinzu. Sie sind Auslöser der ATI-Sensitivität, einer Form der Weizensensitivität, die sich besonders bemerkbar macht, indem sie chronische Erkrankungen verstärkt, u.a. auch alle Allergien.

Drittens gelang uns gemeinsam mit Frau Prof. Fritscher-Ravens aus Kiel der Nachweis, dass bei ca. 70 Prozent der Patienten mit der Diagnose Reizdarm-Syndrom (RDS) in Wirklichkeit eine Nahrungsmittelallergie die Ursache der Beschwerden ist. 50 Prozent dieser nahrungsmittelallergischen Patienten sind wiederum gegen Weizen allergisch. Wir haben es also mit drei Weizensensitivitäten zu tun: der Zöliakie, der ATI-Sensitivität und einer neuen Form der Weizenallergie.

Betrachtet man die Gesamtheit der deutschen Bevölkerung, so wird bei 15 Prozent der Deutschen ein Reizdarm-Syndrom diagnostiziert. Bei 70 Prozent dieser Gruppe konnten wir eine Assoziation mit Nahrungsmitteln nachweisen und davon waren zwei Drittel reaktiv auf vier Nahrungsmittelallergene. Abgesehen vom Weizen waren dies Milchproteine, Soja und Hefe. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Deutschlands bedeutet das eine Prävalenz von 8 Prozent der Bevölkerung, die auf eines dieser vier Nahrungsmittel allergisch reagiert.

Es geht Ihnen mit Ihrem Buch also um Aufklärung von Patienten und Experten?

Ziel war es, diese Erkrankungen zu charakterisieren , so dass wir den Patienten und auch den Fachleuten einen Ratgeber zur Einordnung der Beschwerden an die Hand geben können. Selbst vielen Medizinern sind diese neuesten Erkenntnisse nicht bekannt.

Wir wollen auch den „Märchen“, wie sie in vielen populärwissenschaftlichen Büchern, wie z.B. „Dumm wie Brot“ oder „Weizenwampe“ verbreitet werden, etwas entgegensetzen. Ein großer Teil dieser Publikationen wird nicht von Experten im jeweiligen Fachgebiet bzw. Klinikern geschrieben und die Informationen sind nicht wirklich verlässlich. Mit „Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI“ wollten wir Informationen bieten, die sowohl auf klinischer Erfahrunge als auch auf wissenschaftlicher Evidenz basieren.

Mit „Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI“ richten Sie sich aber nicht nur an Patienten, sondern auch an Ärzte…

„Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI“ ist ein völlig neues Format, auch für unseren Verlag Springer Medizin. Die Informationen in unserem Buch sind zum einen für Laien interessant, weil wir komplexe Zusammenhänge, wie z.B. die Immunologie des Darms, gut verständlich erklären, auch an klinischen Fallgeschichten. Für die Patienten werden die Krankheitsbilder so besser verständlich, so dass sich der Patient hier auch wiederfinden kann.

Aber auch Mediziner, z.B. niedergelassene Gastroenterologen oder Allergologen, profitieren, weil bisher wenig wissenschaftliche und klinische Daten außerhalb der internationalen wissenschaftlichen Journale vorgestellt wurden.

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