Prof. Dr. med. Karin Kraft, Lehrstuhl für Naturheilkunde am Zentrum für Innere Medizin der Universitätsmedizin Rostock

Reizmagen? Reizdarm? Was bietet Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde?

 

Phytotherapeutika beim Durchfällen

Bei akuten Durchfällen sind z.B. die Blutwurz und getrocknete Heidelbeeren aufgrund ihres Gerbstoffgehaltes hilfreich und wirken auch lokal schmerzlindernd. Heidelbeeren eignen sich auch für die Behandlung von akuten Durchfällen bei Kindern, allerdings nur in getrockneter Form, denn frische Heidelbeeren haben eine abführende Wirkung. Bei chronischen Durchfällen haben Flohsamenschalen eine positive Wirkung.

Phytotherapeutika bei Obstipation

Für die Behandlung der akuten Obstipation stehen die folgenden Phytotherapeutika mit abführender Wirkung zur Verfügung: Aloe, Rhabarberwurzel, Faulbaumrinde sowie Sennesfrüchte oder –blätter. Zu beachten ist hier, dass nur eine kurzzeitige Anwendung möglich ist, da die Gefahr der Hypokaliämie, d.h. eines zu niedrigen Kaliumspiegels im Blut, besteht. Zum Wirkungsnachweis der genannten Arzneipflanzen stehen keine randomisierten kontrollierten Studien zur Verfügung.

Durch Wasser quellbare Kohlenhydrate, die durch die Darmflora nicht oder nur partiell abgebaut werden können, sind in den Schalen von Flohsamen, indische Flohsamen (-schalen) und Leinsamen enthalten. Sie sind zur Behandlung von chronischen Verstopfungen Mittel der ersten Wahl und eignen sich auch zur Langzeitanwendung. Zu beachten ist allerdings, dass die Behandlung vom Patienten eine gewisse Geduld erfordert. Die Maximaleffekte treten in der Regel erst nach einer Behandlungsdauer von vier Wochen ein. Es liegen einige randomisierte kontrollierte Studien vor.

Advertorial

 

Die genannten Arzneipflanzen werden auch in der S3-Leitlinie Intestinale Motilitätsstörungen empfohlen.

 

Antidiarrhoika
 
Akute Diarrhoe:  
   
Gerbstoffhaltige Arzneipflanzen: Antisekretorisch, adstringierend in Folge von
Blutwurzstock, getrocknete Heidelbeeren Catechingerbstoffen (bis 15 Prozent)
   
Chronische Diarrhoe:  
   
Quellstoffe und Schleimdrogen: Absorption von Bakterien und Toxinen, Bindung
Flohsamen(-schalen), Leinsamen überschüssiger Flüssigkeit, Schleimhautprotektion
  Hinweis: Keine Resorption
Quelle: Prof. Karin Kraft  
 

   

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.