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Maximilian Hillmeier, Tourismusdirektor, über das Reisen trotz Allergie und das allergikerfreundliche Konzept des Urlaubsortes Bad Hindelang!

Reisen trotz Allergie? Kein Problem im allergikerfreundlichen Bad Hindelang!

Allergiker und Menschen mit Zöliakie oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben es im Urlaub oft nicht leicht. Für zu Hause haben sie sich in der Regel ein verlässliches Netzwerk an Restaurants und Einkaufsstätten aufgebaut. Im Urlaub nutzt das nichts und hinzu kommen noch die Unwägbarkeiten im Hotel. In Bad Hindelang ist das anders, denn hier hat man sich bewusst auf Allergiker und Intolerante eingestellt. MeinAllergiePortal sprach mit Tourismusdirektor Maximilian Hillmeier über das Reisen trotz Allergie und das allergikerfreundliche Konzept des Urlaubsortes Bad Hindelang.

Herr Hillmeier, im Jahr 2011 wurde Bad Hindelang als erste „allergikerfreundliche Kommune“ der Alpen ausgezeichnet – durch wen erfolgt die Zertifizierung?

Die Zertifizierung der Heilbäder und Kurorte erfolgt durch die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Der Deutsche Heilbäderverband e.V. (DHV) führt im Vorfeld alle die Zertifizierung vorbereitenden Maßnahmen durch. Für die Teilnahme an dieser Qualitätsoffensive gibt es einige Voraussetzungen.

Was musste in Bad Hindelang getan werden, um die ECARF-Zertifizierung zu erlangen?

Ziel ist, dass entlang der gesamten touristischen Servicekette ein nach medizinischen Kriterien geprüftes und zertifiziertes Angebot entsteht. So muss die Gemeinde die allergikerfreundliche Ausrichtung befürworten und eine allergikerfreundliche Infrastruktur schaffen. Hieran müssen sich Hotels, Restaurants, Cafés, mindestens eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft beteiligen.

Woran erkennt der Gast mit Allergien, dass Bad Hindelang ein allergikerfreundlicher Urlaubsort ist?

Sowohl die Kommune als ganze als auch die beteiligten Betriebe erfüllen die von der Stiftung ECARF festgelegten Mindestkriterien und können damit beste Voraussetzungen für einen möglichst beschwerdefreien Aufenthalt garantieren. Die teilnehmenden Betriebe bilden ein Netzwerk aus geprüften allergikerfreundlichen Unterkünften, allergikerfreundlicher Gastronomie und allergikerfreundlichem Einzelhandel.

Auf dem Weg dorthin berät und schult der DHV die Tourismusorganisation und die Betriebe, unterstützt sie in der Öffentlichkeitsarbeit und organisiert die Zertifizierung durch die Stiftung ECARF. Dadurch haben wir vor Ort qualifiziertes Personal und eine nachhaltige Ausrichtung auf eine dauerhaft große Zielgruppe. Die allergikerfreundlichen Betriebe sind im Ort und im Internet für den Gast leicht zu erkennen an der Kombination des DHV-Projektlogos mit dem ECARF-Siegellogo.

Was bedeutet die Ausrichtung auf Gäste mit Allergien für die Hotellerie, die Gastronomie und die Betriebe?

Mit dem Prädikat „allergikerfreundlich“ haben unsere Betriebe im Wettbewerb deutliche Vorteile. In Bad Hindelang gibt es etwa 110 ECARFzertifizierte Betriebe, davon rund 90 Gastgeber und gastronomische Betriebe, sowie 20 Einzelhändler. Wir haben fünf geprüfte Bäckereien, zwei Metzgereien, einen Supermarkt, einen Naturkostladen, einen Dorfladen, zwei Käseläden, einen Raumausstatter, sowie Geschäfte für Schmuck- und Uhren, Haushaltswaren und Textilien. So finden Allergiker auch außerhalb des Quartiers und der Gastronomie alles, was sie im Urlaub brauchen.

Warum hat sich Bad Hindelang entschlossen, besondere Angebote für Allergiker bereitzuhalten und diese mit dem ECARF-Siegel zertifizieren zu lassen?

maximilian hillmeier .und adalbert martin allergikerfreundliche gemeinde bad hindelangBürgermeister Adalbert Martin und Tourismusdirektor Maximilian Hillmeier mit dem gelben Ortsschild Bad Hindelang hat, insbesondere aufgrund der Hochtallage mit den Ortsteilen Oberjoch und Unterjoch auf über 1.000 m Höhe und mit der einzigen deutschen Hochgebirgsklinik, der Alpenklinik „Santa Maria, eine sehr lange Tradition bei der Behandlung und Linderung von allergischen Beschwerden.

Das ECARF-Qualitässiegel steht dabei für die größte gesundheitstouristische Zielgruppe, denn etwa die Hälfte aller Reisenden sind heutzutage Allergiker und ihre Begleiter. Zusammengefasst kommt es darauf an, den Urlaub des Gastes zu verbessern. Deshalb engagieren wir uns für den "Urlaub trotz Allergie!" Es geht darum, die wichtigsten allergie- bzw. Unverträglichkeiten auslösenden Stoffe zu vermeiden, beispielsweise durch milbendichte Bettwäsche, laktosefreie Milch beim Frühstück, glutenfreie Menüs oder rauch- und haustierfreie Unterkünfte. Weiter ist für den Allergiker oder für den von Lebensmittelunverträglichkeit Betroffenen wichtig, dass er auf geschultes Personal trifft. So können unsere Betriebe in Bad Hindelang rund 90 Prozent aller Fragen von Urlaubern mit Allergie oder Lebensmittelunverträglichkeit beantworten und gezielt helfen.

Welche Erfahrungen haben Sie in Bad Hindelang mit dem Fokus auf allergikerfreundliche Angebote gemacht?

Unterm Strich kommen natürlich vor allem neue Urlauber und Familien. Gäste auf der Website badhindelang.de können per Mausklick einen Urlaub von der Allergie buchen. Hier können Gäste mit einem Klick nach allergikerfreundlichen Unterkünften suchen.

Zudem hat eine Umfrage gezeigt, dass auch Nicht-Allergiker ECARF-geprüfte Betriebe als grundsätzlich serviceorientierter ansehen – etwa in Sachen Frische oder der saisonal und regional verwendeten Produkte. Von daher ist das allergikerfreundliche Anbieternetzwerk auch eine tolle Qualitätsverbesserung für den gesamten Ort und für alle unsere Gäste.

Wie hat sich das Angebot auf die Zusammensetzung der Gäste ausgewirkt – kommen jetzt mehr Allergiker bzw. Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen?

In erster Linie ist unser Ziel, Allergikern und Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeit mehr Lebensqualität im Urlaub bieten zu können. Durch die ECARF-Zertifizierung können wir die Urlaubsmöglichkeiten für Allergiker und ihre Mitreisenden wesentlich verbessern, ihnen mehr Service bieten und möglichst beschwerdefreie Ferien ermöglichen. Da wir in Bad Hindelang sehr stark auf Familien setzen und hier sehr erfolgreich sind, kommen mit Sicherheit auch mehr Allergiker, selbst wenn es nicht direkt messbar ist.

Aber allein der Blick auf die Zahlen zeigt die Dimensionen: Ein Drittel der Bevölkerung leidet unter Allergien. 28 Millionen Menschen sind eine wichtige Verbrauchergruppe, auch im Urlaub. Die häufigste allergische Erkrankung ist nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts der allergische Schnupfen, gefolgt von Asthma, Neurodermitis und Kontaktallergien. Unter den Kindern und Jugendlichen ist bereits jeder Vierte betroffen. Das Hochgebirgsklima von Bad Hindelang als Heilklimatischer Kurorte kann hier zusätzlich unterstützend sehr helfen.

Woran merkt der Gast, dass er sich in einer allergikerfreundlichen Kommune befindet?

Das ECARF-Qualitätssiegel wird grundsätzlich verliehen, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung das Leben von Allergikern nachweislich verbessert. In der allergikerfreundlichen Kommune werden jeder teilnehmende Betrieb und auch die Kommune als ganze mit einem Siegel ausgezeichnet. Die Vorteile der ECARF-Zertifizierung liegen auf der Hand: Wir haben einen klar definierten Standard der Allergikerfreundlichkeit.

Für welche Allergien gibt es Angebote  in Bad Hindelnag?

Alle unsere Betriebe haben den ECARF-Kriterien für Allergikerfreundlichkeit entsprechend Angebote für Gäste, die unter den am häufigsten vorkommenden Allergien leiden. Im Einzelfall können viele Betriebe auch auf zusätzliche Wünsche eingehen. Aufgrund unseres Klimas, der dadurch bedingten Pollenarmut und der besonders hohen Luftqualität ist Bad Hindelang für Pollenallergiker und Menschen mit Atemwegsproblemen immer ein attraktives Ziel. Die häufigste Allergieform, der Heuschnupfen, ist bei uns deutlich weniger ausgeprägt.

Unsere geprüft allergikerfreundlichen Betriebe haben sich aber auch auf die weiteren häufigsten Allergieformen eingestellt und das sind die Tierhaarallergie, die Hausstaubmilbenallergie, unsere Ortsteile Oberjoch und Unterjoch auf über 1.000 Meter sind sogar absolut hausstaubmilbenfrei, sowie die Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Garantiert haustierfreie Zimmer, milbendichte Schutzbezüge und Alternativen im Nahrungsangebot gehören dazu.

Gilt das auch für Erkrankungen wie Zöliakie?

Das gilt auch für Zöliakie und auch für Nahrungsmittelunverträglichkeiten, z.B. für Laktose- oder Glutenunvertäglichkeit. Unsere allergikerfreundlichen Betriebe stellen sich gern auf die Wünsche unserer Gäste ein, können vieles, aber nicht immer alles adhoc ermöglichen. Deshalb finden unsere Gäste alle allergikerfreundlichen Betriebe auf unserer Website badhindelang.de, um im Vorfeld eines Besuchs Absprachen mit dem Betrieb treffen zu können.

In Bad Hindelang findet demnächst wieder der Weihnachtsmarkt statt, gibt es auch dort allergikerfreundliche Angebote?

Der Bad Hindelanger Erlebnis Weihnachtsmarkt ist insofern etwas Besonders, dass er der wohl schönste im Bayerischen Alpenbogen ist und zudem überwiegend ehrenamtlich von den Einwohnern gestaltet wird. Über die Inhaltsstoffe von auf dem Weihnachtsmarkt angebotenen Lebensmitteln können aber auf jeden Fall die gewerblichen Produzenten, wie z.B. unsere Bäckereien oder Gastronomiebetriebe, Auskunft geben. Meine Empfehlung sind die mit laktosefreiem Hindelanger Bergkäse hergestellten Kässpatzen. Die Milch für den Käse stammt von den sprichwörtlich glücklichen Allgäuer Kühen!

Herr Hillmeier, herzlichen Dank für dieses Interview!

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