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Diagnose Anaphylaxie Kind

Anaphylaxie Trainerin Kirsten Henning: Diagnose Anaphylaxie, wie sag' ich's meinem Kind?

Diagnose Anaphylaxie, wie sag' ich's meinem Kind?

Wie oft muss man einem Kind die Erkrankung Anaphylaxie erklären, bis es den Umgang damit tatsächlich verinnerlicht hat?

Man muss das Thema Anaphylaxie mit dem Kind immer wieder ansprechen und das altersgerecht. Wie gesagt fängt man bei den ganz Kleinen mit einem klaren Verbot an, im Kindergartenalter würde man vielleicht ein Bilderbuch zur Hand nehmen und würde das Kind an die eigenen Anaphylaxie-Symptome bzw. Ereignisse erinnern, und je älter das Kind wird, desto detaillierter müssen die Erklärungen sein.

Es gibt auch eine sehr kreative Möglichkeit, die Erinnerung an den Umgang mit Anaphylaxie wachzuhalten. Zum Beispiel kann man mit dem Kind zusammen eine Collage basteln, die alles enthält, was das Kind meiden sollte. Das hat den Vorteil, dass die ganze Familie mitmachen kann oder auch die Kindergartengruppe oder Schulklasse. Fällt dann nach einer Überprüfung der Diagnose ein Allergen weg, ist es ein schönes Gefühl für das Kind, wenn es das betreffende Bild aus der Collage entfernen kann. Außerdem kann man diese Collage auch dem Besuch, dem Babysitter oder den Freunden des Kindes auf einen Blick zeigen, welche Nahrungsmittel für das Kind gefährlich sein können.

Das Thema Anaphylaxie sollte aber nicht nur mit dem betroffenen Kind immer wieder angesprochen werden. Auch die Geschwister, Großeltern, Freunde und Erzieher oder Lehrer müssen regelmäßig daran erinnert werden, dass das Kind Anaphylaxie hat. Auch hierfür gilt wieder die Empfehlung, dies anlassbezogen zu tun, zum Beispiel wenn Feste gefeiert werden, wenn man in den Urlaub fährt, wenn ein Schulwechsel ansteht, wenn eine neue Lehrerin oder ein Lehrer in die Schule kommt, wenn Schulfahrten oder Ausflüge stattfinden. Das sind alles Anlässe, bei denen man das Thema Anaphylaxie im Vorfeld ansprechen kann. Auch der Wechsel der Jahreszeit kann ein Anlass sein. Im Sommer achtet man sicher auf andere Allergenquellen, zum Beispiel die Eisdiele, als im Winter – da ist es eher der Weihnachtsmarkt. Wichtig ist auch dabei, auf die Nachfragen des Kindes zu achten und diese möglichst umgehend zu beantworten.

Und was ist zu tun, wenn das Kind das Thema Anaphylaxie eher meidet?

Fragt das Kind aber grundsätzlich gar nichts und spricht es zudem noch ungern über das Thema Anaphylaxie, sollte man nach alternativen Gesprächspartnern für das Kind suchen. Zum Beispiel kann man den Arzt bitten, das Thema Anaphylaxie mit dem Kind anzusprechen. Auch Kinderschulungen zu Anaphylaxie können hier hilfreich sein oder man bittet Großeltern, Tanten, Tagesmütter, Betreuer im Kindergarten oder im Hort, also Menschen, die zum einen einen gewissen Abstand zum Kind haben, der den Eltern fehlt, und zum anderen aber das Vertrauen des Kindes genießen. Es kommt durchaus vor, dass die Kinder die Angst der Eltern vor der Anaphylaxie so intensiv wahrnehmen, dass sie das Thema zu vermeiden suchen.

Ganz wichtig ist hierbei auch: Die Geschwister darf man auf keinen Fall vergessen. Es ist eine gute Idee, sie zum Arztbesuch mitzunehmen. Auf diese Weise werden sie mit einbezogen, können ihre Fragen stellen und möglicherweise an dieser Stelle auch ihre Ängste äußern. Ein guter Kinderarzt wird das Geschwisterkind ernst nehmen und, wenn er die Familie gut kennt, auch sehen, wo der „Schuh“ drückt. Häufig ist ja gerade das Geschwisterkind eine wichtige Vertrauensperson für das betroffene Kind und erfährt so auch viel früher von dessen Sorgen. Und nicht zuletzt: müssen die Geschwister für den Notfall und auch im Hinblick auf die Prävention gut Bescheid wissen.

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Welche generelle Empfehlung geben Sie den Eltern in Bezug auf Gespräche mit dem Kind zur Anaphylaxie?

Die Eltern sollten darauf achten, wie es dem Kind gerade geht, und dies dann auch berücksichtigen. Dabei sollte beim Kind aber nicht der Eindruck entstehen, es sei besonders krank und man müsse permanent aufpassen. Vielmehr sollte kommuniziert werden, dass die Anaphylaxie ein Teil des Kindes ist, dass andere Menschen andere Besonderheiten haben, zum Beispiel Asthma oder Neurodermitis, und dass man damit gut leben kann, wenn man die Regeln beachtet.

Sollte den Familien auffallen, dass das Kind sich in seiner Peergroup wegen der chronischen Erkrankung nicht akzeptiert fühlt, ist es ratsam mit der Gruppe das Thema zu besprechen. Vielen Kindern wird in diesem Zusammenhang auffallen, dass sie in der Familie Erwachsene oder Kinder mit Asthma, Diabetes oder anderen Erkrankungen kennen. Menschen, die ihnen lieb und wichtig sind. Und wenn ihnen dann noch erklärt wird, dass eine Person mit einer Brille oder einem Hörgerät ohne dieses doch sehr häufige Hilfsmittel auch recht hilflos ist, erhöht dies die Empathie der Kinder sicher.

Gleichzeitig lautet meine Empfehlung aber auch, das Kind ernst zu nehmen, wenn es aufgrund der Anaphylaxie einmal sehr traurig ist und Angst hat. Auch dann kann man sich Hilfe aus der Familie, aus dem Bekanntenkreis oder von ärztlicher Seite holen. Und, ganz wichtig,psychologische Hilfe anzunehmen ist nicht verwerflich, sogar wichtig wenn man merkt, jetzt komme ich an meine Grenzen und brauche professionelle Hilfe! Anaphylaxie macht Angst und wenn das Kind sehr darunter leidet ist es besser, schnell zu reagieren, als das Thema auf die lange Bank zu schieben.

Frau Henning, herzlichen Dank für dieses Gespräch!