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Nahrungsmittelallergie Anaphylaxiesymptome

Dr. Katja Nemat zum Thema: Nahrungsmittelallergie - Typische und weniger bekannte Anaphylaxiesymptome!

NMA: Typische und weniger bekannte Anaphylaxiesymptome

Die IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien (NMA) können sehr unterschiedliche Symptome zeigen, auch eine Anaphylaxie ist möglich. Bei anaphylaktischen Reaktionen kann es zu typischen Anaphylaxiesymptomen kommen, es gibt aber auch weniger bekannte, frühe Warnzeichen. Im Interview mit MeinAllergiePortal geht Dr. Katja Nemat, Fachärztin für Kinderpneumologie und Allergologie am Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt (Kid) und Mitglied des Vorstands beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (AeDA) ausführlich darauf ein, wie anaphylaktische Symptome auf Nahrungsmittelallergene aussehen können und berichtet auch über neue Therapieansätze.

Frau Dr. Nemat, wie können die klinischen Symptome von IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien aussehen?

Die IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien treten fast immer als allergische Frühreaktionen auf. Von einer allergischen Frühreaktion spricht man, wenn es innerhalb von zwei Stunden nach Allergenkontakt zu einer allergischen Reaktion kommt. Meist erfolgt die Reaktion jedoch in den ersten 30 Minuten, manchmal auch schon während des Essens.

Allergische Frühreaktionen können sich an der Haut, den Atemwegen und dem Magen-Darm-Trakt zeigen. In schweren Fällen kann es zusätzlich zu Symptomen am Herz-Kreislauf-System und dem Nervensystem kommen, dann würde es sich um eine Anaphylaxie als Maximalform der allergischen Reaktion handeln.

 

Wie genau sehen Anaphylaxie-Symptome bei Kindern aus?

Eine Anaphylaxie ist ein sogenanntes Multiorgangeschehen, das bedeutet es kann zu Symptomen an der Haut, wie Urtikaria, oder auch nur zu Rötungen und Juckreiz kommen. 70 bis 80 Prozent der Kinder haben im Rahmen einer IgE-vermittelten allergischen Frühreaktion Symptome an der Haut.

Häufig kann es bei Kindern bei allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel zu Reaktionen an den Atemwegen, das heißt zu einer Asthmasymptomatik kommen. Das ist auch bei Kindern möglich, die kein Asthma haben. Aber auch Symptome wie ein Larynxödem, eine Schwellung am Kehlkopf, Husten und Heiserkeit können im Rahmen eines anaphylaktischen Schocks auftreten.

Oft kommt es zu Symptomen am Magen-Darm-Trakt, wie Übelkeit oder Bauchschmerzen, bei einer schweren Reaktion können die Schmerzen kolikartig auftreten. Als Erstsymptom ist bei Kindern Erbrechen sehr häufig. Mit einer gewissen Verzögerung kann das Kind auch Durchfall bekommen.

Bei einer schweren allergischen Reaktion oder Anaphylaxie kann es zu Blutdruckabfall, Kollaps oder Bewusstlosigkeit kommen. Diese Reaktion ist jedoch im Kindesalter deutlich seltener als bei Erwachsenen. Es gibt bei der Anaphylaxie aber auch sehr unspezifische Symptome.

Welche unspezifischen Symptome können bei Kindern eine Anaphylaxie ankündigen?

Ein sehr häufiges unspezifisches Symptom bei kindlichen Anaphylaxien, das oft auch ein Initialsymptom ist, ist der Juckreiz an Mund oder Rachen.

Das Problem ist, dass kleine Kinder, dieses Symptom oft nicht gut kommunizieren können. Manchmal fassen sie sich dann an den Mund, versuchen den Mund auszuspülen oder spucken die Lebensmittel aus. Das kann ein erstes Warnzeichen sein, ist jedoch sehr unspezifisch, denn kleine Kinder machen dies oft auch dann, wenn sie ein Nahrungsmittel einfach nicht mögen.

Zu einem weiteren Phänomen, das allerdings auch sehr unspezifisch ist, kommt es bei Kindern häufig in der Vorphase der Anaphylaxie.


Welche Symptome können bei Kindern in der Vorphase der Anaphylaxie auftreten?

Oft bemerken die Eltern bei den Kindern eine gewisse Wesensveränderung. Ruhige Kinder werden plötzlich agitiert oder aggressiv, aktive Kinder werden plötzlich ruhig, weinerlich oder anhänglich und ziehen sich zurück. Das Phänomen ist bekannt, alle Kinderallergologen, die orale Provokationen durchführen, kennen es.

Natürlich kommt es bei Kindern aber auch aus anderen Gründen immer wieder einmal zu Wesensänderungen, und damit ist das Phänomen so unspezifisch, dass es selten erwähnt wird, zumal auch zurzeit nicht bekannt ist, wie dieses Phänomen zustande kommt. Handelt es sich um eine Reaktion auf neuronaler Ebene, oder ist es eine Reaktion des Kindes auf ein gewisses Unwohlsein – wir wissen es nicht.

Auch eine gewisse Schläfrigkeit, in der englischen Literatur ist von „sleepyness“ die Rede, kann im Rahmen der kindlichen Anaphylaxie auftreten, was bei Erwachsenen so meines Wissens nicht beschrieben ist. In diesem Zusammenhang würde man erwarten, dass es bei den Kindern zu einem Blutdruckabfall kommt, der die Schläfrigkeit verursacht. Das ist aber nicht der Fall, denn die Kinder haben einen normalen Blutdruck, die Eltern sind häufig erleichtert weil sie glauben, das Kind schläft sich gesund. Tatsächlich ist die Schläfrigkeit bei Kindern jedoch ein Hinweis darauf, dass die Anaphylaxie noch andauert.

Es gibt jedoch auch allergische Spätreaktionen.

 

Ist es nicht gefährlich, wenn die Eltern die Schläfrigkeit im Rahmen einer kindlichen Anaphylaxie fälschlicherweise als positives Zeichen deuten?

Gefährlich wäre es dann, wenn man ein Kind in dieser Situation allein im Zimmer schlafen lassen würde, damit es sich „ausschlafen“ kann. In der Regel bleiben die Eltern nach einer Anaphylaxie aber bei ihren Kindern – meist bestehen ja auch noch andere Symptome, die sie überwachen müssen. Die Schläfrigkeit ist jedoch ein sehr häufig beschriebenes Phänomen im Rahmen des anaphylaktischen Schocks beim Kind.

Bei den echten Nahrungsmittelallergien lautet die Empfehlung stets, das Allergen zu meiden. Man forscht aber auch an Möglichkeiten der Hyposensibilisierung, wie weit ist die Forschung?

Ähnlich wie bei den Atemwegsallergien wäre es natürlich wünschenswert, auch für Nahrungsmittelallergien die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung für die betroffenen Kinder zu haben. Insbesondere für Kinder mit einer Erdnussallergie, die bereits auf sehr kleine Allergenmengen teilweise sehr schwer reagieren können, bemüht man sich seit langem um eine solche kausale Therapie. Inzwischen stehen mit der oralen Immuntherapie (OIT) und der epikuanen Immuntherapie (EPIT) zwei Therapien für Erdnussallergiker kurz vor der Zulassung.

Frau Dr. Nemat, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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