Anaphylaxie Register

Prof. Dr. Margitta Worm, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Charité - Universitätsmedizin Berlin

Anaphylaxie Register: Wie werden Anaphylaxie Patienten versorgt?

Wie sieht die Versorgung der Anaphylaxie-Patienten in Deutschland aus, zum einen im Akutfall und zum anderen in Bezug auf die Prävention?

Bei einen akuten schweren allergischen Schock ist gemäß der Europäischen Leitlinie eine Behandlung mit Adrenalin intramuskulär die erste Wahl. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Patienten respiratorische und kardiovaskuläre Symptome zeigen, d.h. wenn die Atmung und das Herz-Kreislauf-System betroffen sind.

Aus dem Register ergibt sich hier leider ein ernüchterndes Bild. Es zeigt sich, dass bei der Behandlung von Patienten mit schweren allergischen Schockreaktionen nicht Adrenalin, sondern Antihistaminika und Kortikosteroide an erster Stelle stehen. Das bedeutet, dass diese Patienten nicht leitliniengerecht versorgt. Die Daten von 2007 bis 2012 zeigen, dass sich daran in den letzten Jahren auch nichts geändert hat.

In Bezug auf die Prävention wurde in der Europäischen Leitlinie klar definiert, welche Patienten einen Adrenalin Autoinjektor erhalten sollten. Dazu gehören zunächst alle Patienten, die bereits einen anaphylaktischen Schock durchgemacht haben, Patienten mit einem instabilen Asthma, Mastozytose-Patienten und Insektengiftallergiker zu Beginn einer spezifischen Immuntherapie (SIT).  

Aus dem Anaphylaxie Register geht jedoch hervor, dass nur 25 Prozent der Patienten, die zum wiederholten Male einen schweren anaphylaktischen Schock erlitten, einen Adrenalin Autoinjektor verordnet bekommen hatten. Auch in Bezug auf die Prävention ist es Ziel, Anaphylaxie Patienten zukünftig leitliniengerecht zu behandeln und optimal zu versorgen.


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Ein Ziel Ihres Anaphylaxie Registers ist es, das Bewusstsein bzw. die Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild Anaphylaxie bei Patienten und Ärzten bzw. in der Öffentlichkeit insgesamt  zu steigern. Wie bewerten Sie aus aktueller Sicht den Effekt? Welche Maßnahmen planen Sie für die Zukunft?

Wir können resümieren, dass unsere Arbeiten bislang maßgeblich dazu beigetragen haben, dass das Thema Anaphylaxie nicht nur auf Fachtagungen, sondern auch in den Medien allgemein verstärkt präsent ist. In der Zukunft planen wir, das Anaphylaxie-Register auf weitere europäische Staaten auszudehnen, um länderspezifische Vergleiche durchführen zu können. Darüber hinaus haben wir mit Forschungsarbeiten begonnen, die zum Ziel haben, die Ursachen und grundlegenden Mechanismen der Anaphylaxie besser zu verstehen, um beispielsweise Personen, die ein erhöhtes Anaphylaxie-Risiko haben, frühzeitig zu erkennen.

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Frau Prof. Worm, herzlichen Dank für dieses Interview!

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