Anaphylaktischer Schock Anaphylaxie

Prof. Dr. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden und Vizepräsident beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Sie erwähnten auch Medikamente als mögliche Auslöser eines Anaphylaktischen Schocks. Was ist hier zu beachten?

Besteht eine „Arzneimittelunverträglichkeit“, kann es bei dem Betroffenen sowohl zu allergischen als auch zu nicht allergischen Reaktionen auf diverse Medikamente kommen. Unterscheiden muss man hier die vorhersehbaren von den unvorhersehbaren Reaktionen. Erstere können abhängig von der Dosierung bei ansonsten gesunden Menschen auftreten. Letztere können bei sensibilisierten Menschen auftreten. Bei einer Medikamentenallergie handelt es sich um eine unvorhersehbare Reaktion. Diese wird durch die überschießende Abwehrreaktion des sensibilisierten Immunsystems auf das Medikament selbst bzw. auf Metaboliten des Medikamentes, d.h. auf evtl. entstehende Abbauprodukte des Medikamentes im menschlichen Stoffwechsel, ausgelöst.

Eine „Arzneimittelunverträglichkeit“ sollte sorgfältig abgeklärt werden, um den spezifischen Auslöser zu identifizieren. Ansonsten besteht bei einer erneuten Exposition, also einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, die Gefahr, dass es zu schweren allergischen Reaktionen kommt. Auf jeden Fall sollten Arzneimittel-Allergiker alle Handelsnahmen der Präparate kennen, die den allergenen Wirkstoff enthalten. Auch sollte man mögliche Kreuzreaktionen mit anderen Medikamenten notieren. Hier leistet ein Allergie- bzw. Anaphylaxiepass sehr gute Dienste. Potenzielle Ausweichpräparate sollten ebenfalls bekannt sein und notiert werden.


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Was kann man tun, wenn der Anaphylaktische Schock eintritt?

Ein Anaphylaktischer Schock ist ein echter Notfall und meist stehen dann keine Sanitätsfachkräfte  zur Verfügung, wie jüngst bei Nationalspieler Gerald Asamoah, der Anfang Februar nach dem Verzehr von Nusskuchen mit einem Allergischen Schock in der Kabine zusammenbrach. Besteht also der Verdacht auf Anaphylaxie, muss sofort der Notarzt verständigt werden.

Auf jeden Fall sollten Menschen, die gefährdet sind, einen Anaphylaktischen Schock zu erleiden, ein Notfallset mit sich führen. Dieses sollte mindestens einen Adrenalinautoinjektor, ein Antihistaminikum sowie Glucocorticoid enthalten.

Liegt auch eine bronchiale Hyperreagibilität, d.h. eine Überempfindlichkeit der Bronchien vor, besteht ein Asthma  oder  kam es in der Vergangenheit bei der Anaphylaxie zu Atembeschwerden, sollte gleichzeitig ein ß2-Sympathomimetikum (Fenoterol, Salbutamol etc.) als Dosieraerosol im Notfallset enthalten sein. Besser als Tabletten sind hier flüssige Zubereitungen denn wenn Schwellungen im oberen Atem-Schlucktrakt auftreten,  kann eine Flüssigkeit leichter eingenommen werden als eine vergleichbare Dosis in Tablettenform.

Auch sollte man bei einem der zwei auf dem deutschen Markt erhältlichen Adrenalinautoinjektoren bleiben und nicht hin und herwechseln. Die Handhabung der beiden Systeme ist sehr unterschiedlich und im Ernstfall ist eine schnelle und sichere Handhabung der Autoinjektoren entscheidend.

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Allerdings zeigt die bisherige Erfahrung, dass viele Patienten im Gebrauch des Autoinjektors unsicher sind, und diesen dann nicht frühzeitig genug einsetzen. Eine ausführliche Schulung des Patienten und auch der Angehörigen ist deshalb dringend erforderlich. Informationen hierzu findet man z.B. bei der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie, Training und Edukation (AGATE) www.anaphylaxieschulung.de. Hier wird ein Patientenschulungsprogramm mit Informationen zur Allergenvermeidung und Notfallbehandlung angeboten. Grundsätzlich sollte die Adrenalinautoinjektion erfolgen, sobald mindestens zwei Organe betroffen sind, aber im Zweifelsfall besser zu früh, als zu spät.

Herr Prof. Klimek, ich bedanke mich für das Gespräch!

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