Anaphylaktischer Schock Anaphylaxie

Prof. Dr. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden und Vizepräsident beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Der anaphylaktische Schock oder Anaphylaxie ist die dramatischste Form einer allergischen Reaktion - im schlimmsten Fall kann es zum Todesfall kommen. Da in Deutschland keine Meldepflicht existiert, liegen Zahlen zur genauen Anzahl, Ursache und Entwicklung nicht vor. MeinAllergiePortal sprach hierzu mit Prof. Dr. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden und Vizepräsident beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V..

Herr Prof. Klimek, muss man in Anbetracht der stetigen Zunahme allergischer Patienten in Deutschland befürchten, dass auch die Anzahl der anaphylaktischen Reaktionen steigt?

Man kann in der Tat sagen, dass Anaphylaktische Reaktionen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Schätzungen zufolge müssen wir in Deutschland von 1 bis 3 Ereignissen pro 10.000 Einwohner pro Jahr ausgehen und von 1 bis 3 Todesfällen pro 1 Millionen Einwohner. Allerdings ist hier die Dunkelziffer hoch.

2006 wurde deshalb unter der Federführung der Charité-Universitätsmedizin, Berlin ein Anaphylaxie-Register, d.h. eine gemeinsame Datenbank für Deutschland, Österreich und die Schweiz eingerichtet www.anaphylaxie.net. Ziel ist es, mehr Informationen über Anaphylaxie zu sammeln, z.B. über die Anzahl der Fälle, die Auslöser, eventuelle Kofaktoren und die Patientenversorgung. In der Arbeitsgruppe Network for Online Registration of Anaphylaxis (NORA e.V.) werden Daten zu Anaphylaxie gesammelt. Über 80 angeschlossene allergologische Zentren melden hier Patienten mit schweren anaphylaktischen Reaktionen. Ausgewertet wurden aktuell knapp 3.770 abgeschlossene Fälle, 48 Prozent davon sind Frauen, ca. ein Fünftel Kinder und Jugendliche. 77 Prozent der Daten wurden in Deutschland erhoben, 15 Prozent in der Schweiz und 8 Prozent in Österreich.


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Wie kommt es zu einem Anaphylaktischen Schock und was spielt sich dabei im Körper ab?

Ein Anaphylaktischer Schock ist die Folge einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems. Meist liegt eine IgE-vermittelte Allergie vom Typ 1 vor, d.h. eine Soforttyp–Allergie. Dabei reagiert das Immunsystem unmittelbar auf den Kontakt mit dem Allergen. Im Körper werden verschiedene Mediatoren, also Botenstoffe, freigesetzt, u.a. auch Histamin.  Über den Stellenwert der einzelnen Mediatoren der anaphylaktischen Reaktion herrscht allerdings noch Unklarheit.

Die Symptome eines Anaphylaktischen Schocks können sehr vielfältig sein. Das reicht von einer Urtikaria, d.h. Nesselsucht über Atemwegsbeschwerden, Herz-Kreislauf Beschwerden oder Magen-Darm-Beschwerden, bis hin zu schwerer Atemwegsobstruktion, Schock und mit Herz-Kreislaufversagen. Die häufigsten Todesursachen bei Anaphylaxie sind vor allem Erstickungsanfälle oder Herzversagen.

Wodurch kann ein Anaphylaktischer Schock ausgelöst werden?

Jedes Allergen kann Auslöser für einen Anaphylaktischen Schock sein: Die häufigsten Ursachen sind Nahrungsmittel, Insektengifte und Medikamente, aber auch Naturlatex.

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