Kälteurtikaria Symptome Risiken Diagnose Therapie

Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zur Kälteurtikaria!

Kälteurtikaria: Symptome, Risiken, Diagnose und Therapiemöglichkeiten!

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Kälteurtikaria?

In der Annahme, dass Infekte eine mögliche Ursache für die Kälteurtikaria sein könnten, wurde das zugrundeliegende bakterielle Geschehen früher mit Antibiotikatherapien bzw. mit Penizillintherapien, die auch noch einen anti-entzündlichen Effekt haben, behandelt. Zum Teil erfolgte die Behandlung intravenös über vierzehn Tage.  Auch eine orale Therapie mit Antibiotika, die für den Patienten angenehmer ist, wird genutzt. Meine eigenen Erfahrungen mit Antibiotika- oder Penizillintherapien bestätigen allerdings keinen massiv positiven Effekt.

Es ist jedoch auf jeden Fall sinnvoll, bei Patienten mit Kälteurtikaria abzuklären, ob ein akuter Infekt besteht, z.B. durch die Überprüfung der Entzündungswerte.  Weiter sollte abgeklärt werden, ob z.B. Infektionen im Zahnbereich oder eine Helicobacter-Infektion bestehen. Wird man hier nicht fündig, würde ich von einer Antibiotika- oder Penizillintherapie absehen.

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Bei der symptomatischen Therapie der Kälteurtikaria würde man mit der Therapie beginnen, die die wenigsten Nebenwirkungen verursacht und wirtschaftlich ist. Symptomatisch ist eine Behandlung durch Antihistaminika möglich, wie bei anderen allergisch bedingten Erkrankungen auch. Die Antihistaminika blockieren die Histamin-freisetzenden Rezeptoren, die Histamin-Wirkung wird abgeschwächt und die Symptome werden so unterbunden. Antihistaminika helfen manchen Patienten.

Weiter kann man versuchen mit Medikamenten, die den Wirkstoff Cromoglicinsäure (DNCG) enthalten, eine Mastzellenstabilisierung zu erreichen, auch auf diese Behandlung sprechen einige Patienten an. Eine andere Möglichkeit wäre eine immunsupprimierende Behandlung. Möglich wäre hier z.B. der Einsatz von Zytostatika oder Calcineurin-Inhibitoren.

Zunehmend gibt es jedoch Kälteurtikaria-Patienten, die auf Antihistaminika nicht ansprechen und die bereits zu Beginn des Winters massiv leiden. Manche können schon bei Temperaturen unter 12°C die Wohnung nicht mehr verlassen, ohne dass alle Hautflächen, die mit der kalten Außenluft in Berührung kommen, anschwellen und glühend rot werden. Da vornehmlich das Gesicht betroffen ist, werden die Betroffenen auch ständig darauf angesprochen, was ganz besonders unangenehm ist. Spaziergänge oder gar Sport im Freien sind für diese Kälteurtikaria-Patienten unmöglich – eine massive Einschränkung der Lebensqualität.

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Welche Therapieoptionen gibt es für diese Patienten mit schwerer Kälteurtikaria?

Bisher gibt es für die von schwerer Kälteurtikaria betroffenen Patienten keine zugelassenen Therapien. Verschiedene Arbeitsgruppen haben jedoch unabhängig voneinander versucht, das Medikament Omalizumab einzusetzen, ein gegen körpereigenes IgE-gerichteter Antikörper, der für die Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria zugelassen ist. Es gibt mehrere Fallberichte von guten Behandlungserfolgen einer Kälteurtikaria  mit Omalizumab. Allerdings muss Omailzumab bei der Behandlung von Kälteurtikaria off-label eingesetzt werden.

Nicht alle Therapien helfen allen von Kälteurtikaria Betroffenen gleichermaßen. Deshalb ist es für die Patienten wichtig zu wissen, dass die Erkrankung irgendwann von selbst zurückgeht. Es gilt also, die Zeit der Symptome so gut es geht zu überbrücken.

Frau Prof. Ruëff, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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