Fehlbesiedlung Darm Mikrobiom Darmbeschwerden

Dr. med Claus-Hermann Bückendorf, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in Kiel.

Fehlbesiedlung des Darms: Die Rolle des Mikrobioms bei Darmbeschwerden

Gibt es weitere Chemikalien die die Tight Junctions beeinträchtigen können?

Substanzen, die nachgewiesenermaßen Veränderungen der Tight Junction-Funktion verursachen, sind Aspirin, Alkohol, Nikotin und Antirheumatika. Auch für physiologisch zugeführte Schwermetalle wie Eisen, Chrom und Kobalt konnte man in Studien eine Beeinträchtigung der Tight Junctions nachweisen.

Das „Leaky Gut Syndrom“ wird also nicht nur durch „verzehrte“ Stoffe ausgelöst, sondern auch durch Chemikalien aus der Luft?

Der Körper kann zwischen der Darreichungsform nicht unterscheiden. Ob als Medikament verabreicht oder durch die Atmung aufgenommen – Chemie ist Chemie.
Ein anderes Beispiel sind Antibiotika, hierfür ist mittlerweile bekannt, dass sie auf den Biofilm des Darmes einen negativen Einfluss haben. Antibiotika verändern die Zusammensetzung des Mikrobioms und dies führt zu einer Störung der Barrierefunktion des Darmes.

Der Biofilm bedeckt die gesamte Oberfläche des Magen-Darm-Traktes und besteht aus 100 Billionen Keimen und 1000 verschiedenen Bakterienarten. All diese Keime haben Funktionen, z.B. produzieren sie Vitamine oder sie sind an der Nahrungs-Verstoffwechslung beteiligt. Manche Bakterien produzieren kurzkettige Fettsäuren, wie z.B. Butyrate, d.h. Buttersäure, die wiederum die Ernährung der Darmepithelien sicherstellen.

Ist der Biofilm gestört, können all diese Funktionen nicht mehr in ausreichendem Maße wahrgenommen werden. Die gravierendste Form dieser Funktionsstörung ist das Leaky Gut Syndrom, denn dabei kommt das Darminnere in direkten Kontakt zu dem Schleimhaut-assoziierten Immunsystem. Daraus wiederum resultieren Fehlregulationen und es kommt z.B. zur Entwicklung von allergischen und nicht-allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, chronischen Entzündungen oder dem Reizdarm Syndrom. In der Praxis beobachten wir eine Zunahme von Unverträglichkeiten wenn ein Leaky Gut Syndrom vorliegt.

   

Wie schnell kann es durch den Kontakt mit Chemikalien zu Störungen der Tight Junctions bzw. zum Leaky Gut Syndrom kommen?

Im Gefüge der Tight Junctions herrscht eine gewisse Balance. Eine Störung dieses Gefüges ist nicht unbedingt gleich ein irreparabler Vorgang. Wenn jedoch die Summe der negativ beeinflussenden Faktoren gegenüber den Faktoren mit Reparationsfunktion überwiegen, kann es zum Leaky Gut Syndrom kommen.  

Aber: Der aktuelle Stand der Forschung besagt, dass gewisse Substanzen, wie z.B. das erwähnte Aspirin, einen Einfluss auf die Tight Junctions hat. Ab welcher Konzentration oder Dosis dies der Fall ist, ist noch nicht erforscht. Sicher ist dies auch im Zusammenhang mit der Konstitution des Patienten sehen. Bei einem Patienten, der regelmäßig hohe Aspirin-Dosen konsumiert, ist das Risiko, z.B. ein Reizdarm Syndrom zu entwickeln, sicher größer, als bei Menschen, die Aspirin nur gelegentlich einnehmen. Auch beim Reizdarm Syndrom sehen wir eine deutliche Zunahme.

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