Immunstärkung Bauernhof Kuhstallpille Mikrobiom

Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim zum Thema: Immunstärkung vom Bauernhof - mit der „Kuhstallpille“ dem Mikrobiom helfen?

Immunstärkung vom Bauernhof: Mit der „Kuhstallpille“ dem Mikrobiom helfen?

Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, haben seltener Allergien als Stadtkinder. Mittlerweile weiß man aber auch, dass das Mikrobiom dieser Kinder eine unterschiedliche Zusammensetzung hat. Was hat das Mikrobiom mit der Allergieentstehung zu tun und woran liegt es, dass der Bauernhof im Hinblick auf Allergien offensichtlich einen protektiven Effekt hat? MeinAllergiePortal sprach mit Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der Mediz. Univ. Wien, Allergologin und Fachärztin für Immunologie mit AllergyCare® im Ordinationszentrum Privatklinik Döbling über die Immunstärkung vom Bauernhof und ob die „Kuhstallpille“ dem Mikrobiom helfen kann.

Frau Prof. Jensen-Jarolim, worum geht es beim “Bauernhof-Schutzfaktor?

Zum “Bauernhof-Schutzfaktor” kommt es, wenn sich Schwangere, Stillende oder Säuglinge und Kleinkinder mehrere Stunden täglich im Kuhstall aufhalten. Diese sind dann in stärkerem Maße vor Allergien und Asthma geschützt, als dies bei Personen der Fall ist, die nicht mit einem Stall in Berührung kommen. Aus zahlreichen Studien1)2)3)4)5)6) ist bekannt, dass es bei den “Bauernhof-Kindern” zu Mikrobiom-Veränderungen kommt. Einige der Schutzfaktoren, die hierbei eine Rolle spielen, konnten bereits identifiziert werden. Dazu gehören Keime, wie zum Beispiel der Acinetobacter lwoffii oder der Lactococcus lactis, deren Komponenten aus dem Stallstaub isoliert werden konnten.

 

Gilt dieser protektive “Bauernhof-Effekt” allein für Kuhställe?  

Mittlerweile weiß man, dass auch der Aufenthalt in Schweineställen wahrscheinlich eine Allergie-protektive Wirkung entfaltet. Allerdings gilt dies nicht für Schaf-, Ziegen- oder Geflügelställe.

Aber: In einer niederländischen Studie7)  aus dem Jahr 2018 hat man gesehen, dass der Bauernhof-Schutzfaktor nicht nur für die Bauernhof-Bewohner gilt. Auch innerhalb eines Umkreises von 327 m um einen Bauernhof sinkt das Atopierisiko der Bewohner. Allerdings: Bei einer Entfernung über 500 m ist der Schutzfaktor nicht mehr vorhanden. Das heißt, der protektive Faktor muss sich in der Umgebungsluft befinden.

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Gibt es Forschung dazu, wie sich diese Erkenntnisse therapeutisch oder gar präventiv einsetzen lassen?

Wir haben die Forschungen zur Hygiene-Hypothese und dem Mikrobiom stets mit großem Interesse verfolgt, eigentlich gilt unser Forschungsinteresse jedoch den Proteinen. Als die Top-Wissenschaftlerinnen Erika von Mutius und Donatella Vercelli in einem Vortrag berichteten, dass sie die Stäube aus dem Kuhstall extrahiert und die darin enthaltenen Bakterien analysiert hatten, kamen wir auf die Idee, diese Extrakte auch Protein-chemisch zu untersuchen. Entdeckt haben wir in diesen Stallstäuben als Hauptkomponente ein sehr wesentliches Protein der Kuh. Dieses Protein kennen wir eigentlich aus der Milch der Kuh. Das Protein kommt aber auch im Urin der Kuh vor, und jeder der schon einmal in einem Kuhstall war, weiß dass die Luft dort regelrecht dampft und dass der Kuh-Urin auch aerosolisiert wird. Dieses Protein haben wir im Mausmodell auf seine Wirkung auf das Darmmikrobiom untersucht und festgestellt, dass alle behandelten Mäuse vor Allergien geschützt waren.

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