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Coronavirus Pandemie Mikrobiom

Dr. Gabriele Berg zum Thema: Coronavirus - Pandemie? Welche Rolle spielt das Mikrobiom?

Coronavirus - Pandemie? Welche Rolle spielt das Mikrobiom?

Die Bedeutung des Mikrobioms für viele Erkrankungen beschäftigt viele Forscher weltweit. Dass das Mikrobiom auch im Zusammenhang mit Pandemien bzw. dem Coronavirus eine Rolle spielen könnte, ist Vielen nicht bewusst. Mit Univ.-Prof. Dr. Gabriele Berg, Leiterin des Instituts für Umweltbiotechnologie an der Technischen Universität Graz, sprach MeinAllergiePortal über mögliche Zusammenhänge.

 

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. Gabriele Berg

Frau Prof. Berg, was weiß man über mögliche Wechselwirkungen zwischen der Entstehung von Pandemien und dem Mikrobiom?

Das Mikrobiom setzt sich aus der Mikrobiota und ihrem umgebenden Lebensraum zusammen. Alle lebenden Mikroorganismen, Bakterien, Archeen, Pilze, Algen und Protisten bilden die Mikrobiota. Die Viren hingegen, leben nicht, sie gehören aber dem „umgebenden Lebensraum der Mikrobiota und deren Produkten“ an und sind somit Teil des Mikrobioms. Alle Pandemien haben so ihren Ursprung im Mikrobiom.

Wie sieht ein „gesundes“ Mikrobiom idealerweise aus?

Ein gesundes Mikrobiom ist divers, gleichmäßig strukturiert und bildet ein ausbalanciertes funktionelles Netzwerk. Wenn diese Balance gestört wird, kommt es zu Krankheitsausbrüchen – dann vermehrt sich ein Mikroorganismus mehr als die anderen. Ob sich daraus Krankheiten, Epidemien oder Pandemien entwickeln, ist dann von vielen weiteren Faktoren abhängig, zum Beispiel der Virulenz des Erregers und der Empfindlichkeit des Wirtes.

 

Welches Mikrobiom wäre im Zusammenhang mit Pandemien gemeint? Es gibt ja, zum Beispiel, das Mikrobiom der Lunge oder das Darmmikrobiom…

Die Mikrobiome sind untereinander vernetzt. Krankheiten können in vielen Mikrobiomen ihren Ursprung haben – sie können von anderen Menschen, Tieren, Pflanzen, Wasser übertragen werden – hier ist der Krankheitserreger entscheidend. Die Vernetzung und Bedeutung der Mikrobiome hat auch zum one health Konzept geführt – alle Komponenten müssen gesund sein, um unsere Gesundheit zu gewährleisten.

Welche Faktoren begünstigen Pandemien?

Ein entscheidender Faktor ist die Bevölkerungsdichte – eine zu hohe ist ein erheblicher Risikofaktor. Globalisierung, Urbanisierung und intensive Landwirtschaft – all diese Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir jetzt vom Anthropozän – dem Zeitalter des Menschen – sprechen. Das bedeutet auch, dass Krankheitsausbrüche unbeabsichtigt durch menschliche Aktivitäten entstehen können.

Leider haben wir dabei nicht nur unsere Flora und Fauna erheblich dezimiert, auch unsere kleinsten Mitbewohner wurden vergessen. Da braucht es dringend ein Umdenken, um unsere Umwelt wieder ins Gleichgewicht zu bringen!

Gibt es auch Faktoren, die vor Pandemien schützen könnten?

Hygiene und Antibiotika waren im letzten Jahrhundert durchaus ausreichende Schutzschilder. Jetzt stehen wir vor neuen Herausforderungen: multiresistente Bakterien gegen Antibiotika und neue Viren. Die fordern neue Wege des Schutzes oder Miteinanders.

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Sie erwähnten, dass Krankheitsausbrüche unbeabsichtigt durch menschliche Aktivitäten entstehen können...

Intensivierung globaler Transporte, globaler Austausch von Lebensmitteln und anderen Produkten, zu viel Chemikalien in der Umwelt, Plastikmüll – es gibt hier ein Zusammenwirken vieler Faktoren.

Inwiefern spielt das Mikrobiom auch eine Rolle bei der Entwicklung von Therapien oder Impfstoffen? Könnte es als Prädiktor dienen?

Ganz sicher. Mikrobiome, die wir erst seit kurzem überhaupt erforschen können, bilden wahre Schatztruhen für neue Antibiotika. Die Mikroorganismen produzieren sie, um sich gegenseitig in Balance zu halten. Gegenwärtig kennen wir davon nur einen ganz kleinen Teil. Wir haben in einem Projekt zum „Mikrobiom Mining“ bereits neue Wirkstoffe ausfindig gemacht.

Das ist sehr spannend, könnten Sie einen solchen Wirkstoff und seine mögliche Anwendung nennen?

Eine Wirkstoffgruppe sind die Pyrazine, flüchtige Substanzen, die in der Natur von Pflanzenbakterien produziert werden. Sie weisen eine antimikrobielle Aktivität auf, die industriell genutzt werden kann. Die Firma Roombiotic, ein Start Up aus der Steiermark, nutzt und vermarktet diese.

Frau Prof. Berg, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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