Darmbarriere

Dipl. oec. troph. Ulrike Breunig, Ernährungsberatung und –therapie in München

Welche Rolle spielt die Darmbarriere bei allergischen Erkrankungen? - Was kann man tun, um die Darmbarriere zu stärken?

Was kann man tun, um die Darmbarriere zu stärken? Lässt sich dies dauerhaft erreichen?

Man vermutet, dass man über die Ernährung sowohl die Darmflora als auch das Immunsystem nachhaltig positiv beeinflussen kann. In diesem Zusammenhang stehen Probiotika und Präbiotika immer mehr im Fokus der Wissenschaft.  

Probiotika sind lebende, nicht krank machende Mikroorganismen, die im Vergleich zu Joghurtbakterien widerstandsfähiger gegen die Säure des Magens sind und daher zu einem größeren Anteil lebend in tiefere Darmabschnitte gelangen. Probiotische Bakterienstämme sind erhältlich als probiotische Arzneimittel, als Nahrungsergänzungsmittel oder in Form von probiotischen Lebensmitteln als Zusatz von Joghurt oder Joghurtdrinks. Probiotika haben dann einen Gesundheitseffekt, wenn sie in ausreichender Menge zugeführt werden. Ihre Effekte sind dosisabhängig und stammspezifisch.  

Präbiotika sind Substanzen, die im oberen Verdauungstrakt weder verdaut noch aufgenommen werden können. Erst im Dickdarm werden Sie von den dort ansässigen Bakterien zersetzt. Das führt zu einer veränderten Zusammensetzung der Mikrobiota. Typische Präbiotika sind Inulin z.B. in Schwarzwurzeln, Spargel, Chicoree, Lauch u.a., Pektine z.B. in schwarzen Johannisbeeren, Äpfel, Quitten u.a. oder Galactooligosaccharide z.B. in der Muttermilch. Präbiotika stimulieren das Wachstum der gewünschten Bifidobakterien, in geringem Umfang auch der Laktobazillen. Gleichzeitig wird das Wachstum von unerwünschten Organismen unterdrückt.

Bei manchen Erkrankungen gibt es bereits konkrete Empfehlungen zum Einsatz von Probiotika. Die aktuelle Leitlinie für das Reizdarmsyndrom empfiehlt sechs konkrete Probiotikastämme und setzt diese in Bezug zu dem vorherrschenden Symptom des Reizdarms.

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen haben Studienergebnisse gezeigt, dass die körpereigene antibakterielle Aktivität deutlich geringer ist als bei Gesunden, das betrifft das Abwehrsystem der Defensine. Es wurde herausgefunden, dass das probiotische Bakterium Escherichia Coli Nissle das menschliche Beta-Defensin hoch regulieren kann. Dieser Bakterienstamm zeigt präventive Wirkung bei Colitis ulcerosa, indem es einen erneuten Schub verhindern und die Remissionsphase verlängern kann.

Was die Entstehung von Allergien betrifft, so gibt es Hinweise, dass durch den Verzehr probiotischer Milchprodukte in der Schwangerschaft und frühen Kindheit ein Schutz gegenüber allergischen Krankheitsbildern wie Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma aufgebaut werden kann. Allerdings kann man hierfür noch keine generellen Empfehlungen aussprechen.

Bei Laktoseintoleranz ist ein Versuch mit Probiotika durchaus sinnvoll. Die Ergebnisse der bislang vorliegenden Studien sind nicht eindeutig, dennoch können Patienten mit Laktoseintoleranz  probieren, ob Probiotika die Symptome verbessern. Es empfiehlt sich, in der Testphase, probiotische Lebensmittel ohne Laktose oder mit niedrigem Laktosegehalt in den täglichen Speiseplan einzubauen.

Der Einsatz von Probiotika sollte immer auf der Grundlage einer individuell angepassten Ernährung erfolgen.

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Gibt es Maßnahmen, die man ergreifen kann, damit es erst gar nicht zu einer gestörten Darmbarriere kommt?

Um einer gestörten Darmbarriere vorzubeugen, ist es sicher sinnvoll, auf eine gesunde Mikrobiota zu achten. Ein wichtiger Beitrag hierzu stellt eine vollwertige Ernährung dar. Dazu gehören ausreichend Ballaststoffe aus Gemüse, Obst, Getreideprodukte und Hülsenfrüchte. Eine Anpassung der Mikrobiota  findet vor allem über die Kohlenhydrate statt. Sie ermöglichen eine Veränderung vor allem durch bestimmte Ballaststoffe, die man größtenteils in Hülsenfrüchten vorfindet. Weniger Einfluss auf die Bakterienernährung haben Proteine, Aminosäuren oder bestimmte Fette.

Bei dem Verzehr von probiotischen Lebensmitteln handelt es sich nicht um die Prävention von bestimmten Erkrankungen, sondern eher um Prävention im Allgemeinen.

Neben den genannten Punkten wirken sich auch regelmäßige Bewegung und eine seelisch gesunde Lebensweise langfristig positiv auf die Darmgesundheit aus.

Frau Breunig, herzlichen Dank für dieses Interview!

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