Darmbarriere

Dipl. oec. troph. Ulrike Breunig, Ernährungsberatung und –therapie in München

Welche Rolle spielt die Darmbarriere bei allergischen Erkrankungen? - Ist die Darmbarriere bei allen Menschen mit Allergien...

Ist die Darmbarriere bei allen Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten gestört, oder gilt dies nur für bestimmte Krankheitsbilder?

Eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms und das in Folge des erhöhten Eindringens von Antigenen aus der Nahrung gilt als Voraussetzung für die Entstehung von Lebensmittelallergien bei Kindern.

Von der Allergieprävention wissen wir, dass eine frühe Auseinandersetzung von Verdauungstrakt und Immunsystem mit der Umwelt wichtig ist, weil beide erst dadurch reifen können. Als Folge dieser Reifung entsteht die orale Toleranz, d.h. das Immunsystem lernt, fremde aber harmlose Stoffe zu tolerieren. Man weiß, dass wenn sich bei Kindern die Entwicklung von bestimmten Immunzellen oder die volle Ausbildung der Darmbarriere verzögert, das Risiko für eine Nahrungsmittelallergie steigt. Umgekehrt besagt die Hygiene-Hypothese, dass eine zu hygienische Lebensweise ein Ausreifen des Darmimmunsystems verhindern kann.

Das bakterielle Ökosystem des Menschen etabliert sich innerhalb der ersten Lebensjahre. Während der Geburt und kurz danach erfolgt die erste bakterielle Besiedlung des vorher sterilen Darms. Bei natürlich geborenen Kindern beginnt die Besiedlung bereits während der Geburt. Durch Kaiserschnitt geborene Kinder dagegen erhalten zunächst eine unnatürliche Darmflora. Einen weiteren besonderen Einfluss auf die Besiedlung der Bakterien im Darm hat die Nahrung. Ob ein Kind gestillt oder mit Flaschennahrung gefüttert wird, lässt sich an der Darmflora erkennen. Baby, die während der ersten vier Lebensmonate ausschließlich gestillt wurden, leiden offenbar seltener an gewissen allergischen Symptomen.

Doch neben den genannten Punkten spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Alle Aspekte greifen ineinander und sind wichtig für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in der Darmschleimhaut. Eine Nahrungsmittelallergie entsteht also nie durch nur eine einzelne Ursache.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Grundstein für eine Nahrungsmittelallergie bereits sehr früh gelegt wird.

Gibt es auch andere Erkrankungen, bei denen die gestörte Darmbarriere eine Rolle spielt?

Ja, mit einer gestörten Darmbarriere werden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, aber auch das Reizdarmsyndrom in Verbindung gebracht.

Man hat bei einem Teil der Reizdarmpatienten Veränderungen in der Zusammensetzung der Mikrobiota gefunden. In Dickdarmbiopsien konnte eine erhöhte Durchlässigkeit als Hinweis auf eine verringerte Barrierefunktion nachgewiesen werden.

Eine zunehmende Zahl an Studien bestätigt auch einen Zusammenhang zur Adipositas. Bei Normalgewichtigen dominiert eine andere Gattung an Darmbakterien als bei Adipösen. Eine solche Verschiebung der Hauptstämme wirkt sich unmittelbar auf den Energiestoffwechsel aus.

Weitere Erkrankungen sind das metabolische Syndrom, Fettlebererkrankungen sowie rheumatische und infektiöse Erkrankungen.

Als mögliche Auslöser einer gestörten Darmbarriere werden Infektionen, Toxine, Nahrungsfaktoren sowie Medikamentenwirkung in Betracht gezogen.

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Wie erfolgt die Diagnose bei einer gestörten Darmbarriere?

In der Komplementärmedizin wird beispielsweise Zonulin im Serum als Marker für die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut verwendet. Zonulin erhöht sowohl Durchlässigkeit der Darmschleimhautzellen als auch die Durchlässigkeit der tight junctions. Ein erhöhtes Zonulin im Serum scheint auf eine gestörte Darmbarriere oder ein "leaky gut" hinzuweisen.

Zur Messung der Immunabwehr der Darmschleimhaut wird das sogenannte sekretorische IgA im Stuhl ermittelt. Das sIgA ist mitverantwortlich für einen kontrollierten Stofftransport durch die Darmschleimhaut. Verminderte Mengen an sekretorischem IgA gehen oft einher mit erhöhter Schleimhautdurchlässigkeit. Verminderte Konzentrationen an sekretorischem IgA im Stuhl treten auf bei Erkrankungen des allergischen Formenkreises, bei erhöhter Infektanfälligkeit, aber auch bei Darmpilzen.

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