Tryptasewert im Blut

Frau Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München

Wie wirkt sich der Tryptasewert im Blut auf das Anaphylaxierisiko aus?

In welchen Fällen ist eine Messung des Tryptasewertes angezeigt?

Die Messung des Tryptasewertes gehört nicht zu den Routinemaßnahmen. Empfohlen wird die Messung des Tryptasewertes bei Patienten mit Verdacht auf Mastozytose oder bei Patienten, bei denen ein Verdacht auf eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks besteht.

Für erwachsene Patienten mit einer Insektengiftallergie empfiehlt die für den deutschsprachigen Raum geltende Leitlinie die Kontrolle des Tryptasewertes im Zuge der Risikoeinschätzung einer Spezifischen Immuntherapie (SIT). Studien, an denen auch die Ludwig-Maximilians-Universität in München beteiligt war, haben gezeigt, dass die erhöhte Tryptase eine prognostische Aussagekraft in Bezug auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Hypersensibilisierung hat.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Tryptasewertes und der Stärke oder der Ausprägung der Symptome?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Tryptasewertes und dem Risiko, schwere Symptome infolge von Insektenstichen zu entwickeln. Auch für die Behandlung der Insektengiftallergie mit einer spezifischen Immuntherapie bei Erwachsenen steigt das Risiko, dass die Behandlung schlechter wirkt oder schlechter verträglich ist, mit der Höhe des Tryptasewertes. Dies scheint bereits dann der Fall zu sein, wenn dieser Wert noch innerhalb des Normbereiches liegt, also unter 10 oder 20 µg/l.

In Bezug auf die Insektengiftallergie gibt es Hinweise, dass es sich bei der Tryptase nicht um den eigentlichen Risikofaktor handelt, sondern lediglich um einen Indikator für die vermehrt vorhandenen oder evtl. auch nur vermehrt aktiven Mastzellen. Wir wissen z.B. auch, dass bei Patienten mit Mastozytose, unabhängig von der Höhe des Tryptasewertes, ein erhöhtes Risiko für schwere Allergieschocks nach einem Insektenstich vorliegt, auch wenn sie noch nie von einer Biene oder Wespe gestochen wurden.

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Wie nutzt man die Erkenntnisse zum Tryptasewert für die Therapie von Menschen mit Anaphylaxie? Welche Therapien kommen in Frage?

Wie gesagt, ist ein erhöhter Tryptasewert an sich nicht gefährlich – man kann trotz erhöhter Tryptase kerngesund sein.

Bei Patienten mit deutlich erhöhten Tryptasewerten ist es jedoch wichtig, zu ergründen, wo die Ursache dafür liegen könnte. Mögliche Ursachen sind die bereits angesprochene Mastozytose oder auch -  allerdings sehr selten - die sogenannten myeloproliferativen Erkrankungen, d.h. Erkrankungen des blutbildenden Systems, wie z.B. Leukämie.

Berichtet der Patient, dass es in der Vergangenheit bereits zu Überempfindlichkeitsreaktionen gekommen ist, muss der Patient über das zu meidende Allergen bzw. über Vermeidungsstrategien aufgeklärt werden. Auch eine mögliche Hyposensibilisierung sollte als eine Therapieoption geprüft werden. Auf jeden Fall ist die Verordnung eines Notfallsets angeraten.

Frau Prof. Ruëff, herzlichen Dank für das Gespräch!

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