AllergoOnkologie Immunologie Allergie Onkologie

Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Allergologin und Fachärztin für Immunologie in Wien zu ihrer AllergoOnkologie-Forschung!

AllergoOnkologie: Immunologie - Allergie - Onkologie: Was sind die Zusammenhänge?

Sie hatten erwähnt, dass die AllergoOnkologie erst recht spät auf Akzeptanz gestoßen ist, woran lag das?

Sowohl in der Allergologie als auch in der Onkologie ist die Industrie hochspezialisiert auf ihr jeweiliges Arbeitsfeld, im Hinblick auf die diagnostischen Tests als auch die therapeutischen Möglichkeiten. Dementsprechend war das Interesse der Industrie, den Fokus auf andere, möglicherweise problematische Themen zu erweitern nicht sehr stark ausgeprägt und entsprechend schlecht bearbeitet waren lange Zeit die Schnittstellen von Allergologie und Onkologie.

Bei den Onkologen standen interessanterweise die Immunvorgänge im Tumor lange nicht im Fokus. Erst jüngst haben sehr wesentliche Immun-Tools für die onkologischen Therapien die Kinik erreicht, die von den Onkologen mit großem Interesse aufgegriffen werden, unter den relativ neuen Begriffen Onkoimmunologie - früher weniger attraktiv als Tumorimmunologie) subsummiert.

Wir sehen in dem neuen Arbeitsgebiet der AllergoOnkologie darüber hinausgehend ein besonderes Potenzial, neue diagnostische Methoden und insbesondere neue Therapeutika zu entwickeln. Darüber hinaus bietet die AllergoOnkologie die Möglichkeit, viel über die Mechanismen zu lernen, die bei Allergien und Krebserkrankungen auch epidemiologisch eine Rolle spielen.

Nachdem die Initiative zur AllergoOnkologie zunächst aus der Forschung kam, sehen wir mittlerweile jedoch ein zunehmendes Interesse der onkologischen Industrie, insbesondere dann, wenn es durch Medikamente zur Krebstherapie zu Nebenwirkungen kommt, die auf eine allergische Reaktion hindeuten. Nachdem wir das Thema in den Fokus gerückt haben, beginnt nun die Industrie darüber  nachzudenken, inwieweit die AllergoOnkologie von Nutzen sein könnte. Auch unser Positionspapier wird dazu beitragen, dass wir die „Nische“ AllergoOnkologie weiter ausbauen können.

 

Mit welchen konkreten Fragestellungen beschäftigen Sie sich in der AllergoOnkologie?

Im Bereich Allergie gibt es zwei zentrale Fragen:

1.    Was macht das Allergen zum Allergen?

2.    Warum haben wir IgE?

Bei einer Allergie ist das IgE gegen harmlose Stoffe wie Pollenallergene  oder Hausstaubmilbenallergene  gerichtet. In der Onkologie wird es jedoch möglich sein, diese IgE-Antwort positiv einzusetzen, indem wir sehr potente IgE-Effektorzellen, die bei Allergien krank machen, gegen den Tumor richten. Beispielsweise Mastzellen, die wir so gut aus der Allergie kennen, enthalten auch einen Tumor-abtötenden Faktor, den Tumor-Nekrose Faktor alpha. Das bedeutete, wir sollten die Allergiemechanismen zur Therapie von Krebs nutzen.     

In der Krebsbehandlung werden Immunglobuline bereits eingesetzt, z.B. bei der Therapie von Brustkrebs. Dabei handelt es sich aber meist um IgG-Immunglobuline, einer Klasse, bei der die Onkologen bereits auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken können. Diese Immunglobuline ziehen eine eigene Art von Effektorzellen in den Tumor hinzu, z.B. natürliche Killerzellen, Granulozyten etc.. Der Antikörper bildet hier die Schnittstelle zur natürlichen Immunabwehr und zieht Immunzellen in den Tumor.

In der AllergoOnkologie geht es jedoch um eine neue Klasse von Immunglobulinen, die IgE-Immunglobuline, bei denen es mit den etablierten IgG-Immunglobulinen keinerlei Überschneidungen gibt. IgE-Immunglobuline bedienen sich anderer Effektorzellen mit anderen Rezeptoren, die zusätzlich oder ausschließlich in den Tumor gezogen werden können. Es handelt sich also nicht um ein konkurrierendes Verfahren, sondern um etwas Neues, dass zusätzlich oder komplementär eingesetzt werden kann. Der besondere Vorteil der IgE-Immunglobuline ist, dass man bereits über weitreichende Erfahrungen aus der Allergologie verfügt und dass sie ausgesprochen potent sind, obwohl sie nur in sehr geringen Mengen vorkommen. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir den Patienten mit nur geringen IgE-Immunglobulin-Dosen therapieren müssen, was die Therapie auch ökonomisch interessant machen müsste.

Wie könnte eine allergoonkologische Therapie konkret aussehen?

Aktuell konzentrieren wir uns in den Zentren, die am EAACI-Positionspapier mitgewirkt haben darauf, die IgE-Mechanismen zu charakterisieren. Dabei geht es darum, verschiedene Tumor-Targets durch IgE-Immunglobuline anzugreifen.

Ein weiterer Fokus unserer Forschung liegt auf der Immuntoleranz. Zur ursächlichen Behandlung von Allergien nutzt man die Allergie Immuntherapie (AIT). Dabei wird das Allergen dem Patienten drei Jahre oder länger in ansteigender Dosierung verabreicht, um eine Immuntoleranz gegen das Allergen zu erzeugen. Eine Immuntoleranz entsteht auch bei Tumorerkrankungen, denn ein Tumor ist ein sehr starker, Toleranz-induzierender Parasit im Körper, der, um sich zu verstecken, Immunmechanismen ausschaltet. Somit ist auf der einen Seite, bei Allergien, Toleranz also erwünscht, auf der anderen Seite, bei Krebserkrankungen, ist Toleranz nicht erwünscht, weil sie dem Tumor einen Wachstumsvorteil gibt. Die dahinter stehenden Mechanismen sind jedoch sehr ähnlich und wir müssen verstehen, warum die Toleranz beim Allergen versagt, während sie beim Tumor entsteht. Ziel ist es, die Mechanismen so umzukehren, dass der Tumor sich zurückentwickelt.

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