Chronische spontane Urtikaria

Prof. Dr. med. Marcus Maurer, Oberarzt und stellvertretender Leiter des Allergie-Centrums-Charité und Direktor für Forschung an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin

Chronische spontane Urtikaria: Was ist wichtig bei Diagnose und Therapie?

Wie misst man die Krankheitsaktivität bei der chronischen spontanen Urtikaria?

Zur Messung der Krankheitsaktivität bei der chronischen spontanen Urtikaria stehen Scoring-Instrumente zur Verfügung. Es gibt fünf Scoring Instrumente:

Der Urtikaria Aktivitäts-Score (UAS) ist der Goldstandard für das Messen der Krankheitsaktivität bei Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria  Dazu füllt der Patient täglich eine Art Symptomtagebuch aus und bewertet den Schweregrad seiner Symptome anhand eines Punktesystems. Je mehr Symptome auftreten und je stärker die Symptome, desto höher die Punktezahl des Patienten. Der behandelnde Arzt sieht so auf einen Blick, wie hoch die Krankheitsaktivität ist und kann seine Therapie entsprechend anpassen.

Hat der Patient auch Angioödeme, sollte man den Angioödem Aktivitäts-Score (AAS) hinzunehmen. Hier muss der Patient täglich beantworten, ob er ein Angiödem hat und gegebenenfalls Angaben zu dessen Dauer und Auftreten machen, eine Routine, die sich leicht bei abendlichen Zähneputzen erledigen lässt.

Bei der chronischen spontanen Urtikaria ist die Einschränkung der Lebensqualität massiv. Es ist deshalb sehr sinnvoll, auch diesen Faktor zu messen, um die für den Patienten optimalen Maßnahmen ergreifen zu können. Die passenden Scoring-Instrumente zur Messung der Lebensqualität bei der chronischen spontanen Urtikaria sind CU-Q und AE-QoL  (Angioedema Quality of Life Instrument). Beim CU-Q2oL beantwortet der Patient 23 Fragen, beim AE-QoL  sind es 17 Fragen.

Zur Krankheitskontrolle steht der Urticaria Control Test (UCT) zur Verfügung, der den Grad der Kontrolle der Erkrankung in den letzten vier Wochen abfragt. Der UCT umfasst nur vier Fragen, die der Patient im Wartezimmer oder in Ruhe zu Hause beantworten kann. Auch hier werden für die Antworten Punkte vergeben, wobei die maximale Punktzahl (16 Punkte) für eine 100prozentige Kontrolle der chronischen spontanen Urtikaria steht – der angestrebte Cut-off liegt bei 12 Punkten. Für den Arzt ist der UCT ein effizientes Instrument der Therapiekontrolle, das anzeigt, wann eine Intensivierung der Therapie angezeigt ist.

All diese Instrumente dienen der besseren Einschätzung der Erkrankung durch den Arzt und damit der Optimierung der Versorgung, sie müssen jedoch nicht alle parallel eingesetzt werden. Die Ursache der chronischen spontanen Urtikaria sollte man aber, wie gesagt, nur bei ausgewählten Patienten versuchen zu ermitteln.

Welche Patienten mit chronisch spontaner Urtikaria sollen denn auf die zugrunde liegenden Ursachen untersucht werden?

Die chronische spontane Urtikaria ist eine Erkrankung, die in der Regel von selbst wieder verschwindet. Bei der Therapie geht es also darum, den Patienten im Zeitraum bis zur Spontanremission symptomfrei zu halten. Nur wenn chronische spontane Urtikaria seit sehr langer Zeit besteht und in sehr schwerer Form auftritt, sollte man deshalb nach den Ursachen forschen. In unserer Sprechstunde sind dies aktuell nur knapp 10 Prozent unserer Patienten.

Advertorial

 

Welche Ursachen für die chronische spontane Urtikaria finden Sie bei Ihren Patienten?

Die häufigsten Ursachen für die chronische spontane Urtikaria sind Autoreaktivität, Infekte und Intoleranz. Bei den Infektionen sind bei uns an der Charité häufig Infektionen an den Zähnen, HNO-Infektionen und Helicobacter Pylori-Infektionen die Ursache.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.