Diagnose Reizdarmsyndrom

Prof. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.)

Reizdarmsyndrom: Verzögert die aktuelle Gebührenordnung eine solide Diagnose?

Die Diagnose des Reizdarm-Syndroms erfordert sehr viel Zeit, die wohl vom aktuell bestehenden Vergütungssystem für ärztliche Leistungen nicht honoriert wird. Was müsste sich aus Sicht der DGIM ändern?

Hier besteht in der Tat Handlungsbedarf und aktuell wird ja auch die Gebührenordnung für Ärzte gerade neu aufgelegt. Wir als DGIM arbeiten deshalb sehr eng mit dem Berufsverband Deutscher Internisten zusammen, um zu erreichen, dass in der neuen Gebührenordnung für Ärzte die sprechende Medizin eine höhere Bewertung erfährt.

Das gleiche gilt übrigens für die DRG’s (Diagnostis Related Groups), d.h. die Fallpauschalen, nach denen der Arzt die Behandlung in der Klinik abrechnet. Das DRG-System ist ein lernendes System und deshalb muss es möglich sein, der sprechenden Medizin in diesem System wieder den Stellenwert zu geben, den sie verdient.

Der DGIM setzt sich stark dafür ein, den Politikern bewusst zu machen, dass die sprechende Medizin, insbesondere im Vergleich zur Apparatemedizin, unterbewertet ist. Konkret: Ein Krankenhaus hat heute nicht mehr primär die Aufgabe der Daseinsvorsorge, sondern es soll Geld verdienen, um sein Budget einhalten zu können. Die sprechende Medizin kommt in diesem System zu kurz, ist jedoch die Basis einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung. Dies muss sich in der Gebührenordnung widerspiegeln - hier sollte es auch ein politisches Mandat geben.

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Natürlich spielen bei der Bewertung der apparativen Medizin auch die Interessen der Medizintechnischen Industrie eine Rolle, die ja von der aktuellen Gebührenordnung profitiert. In unseren jüngsten Gesprächen mit den politischen Mandatsträgern haben wir deshalb sehr deutlich gemacht, dass das aktuelle DRG-System dazu verleitet, die apparative Medizin überproportional einzusetzen. Das ist nicht im Sinne der Patienten und kann auch nicht im Sinne der Politik sein, da es die Kosten hochtreibt. Es ist deshalb Aufgabe der Politik, hier die Rahmenbedingungen im Sinne der Patienten zu verbessern und dafür setzen wir uns als Ärzte ein.

Was können die Patienten tun, um Ihre Forderung nach einer besseren Berücksichtigung der Sprechenden Medizin zu unterstützen?

Die Patienten oder auch die Patientenorganisationen sollten auf Politiker, Krankenkassen etc. zugehen und darauf hinweisen, dass hier ein Handlungsbedarf besteht und dass ausführliche Arztgespräche in Diagnose und Therapie zu einer qualitative hochwertigen Gesundheitsversorgung dazugehören.

Und wie lautet Ihre Empfehlung an Patienten, die seit langem an unspezifischen Darmbeschwerden leiden und noch keine Diagnose erhalten haben?

Meine Empfehlung an diese Patienten lautet, sich um die Abklärung der Ursachen zu kümmern. Die Patienten sollten die Beschwerden nicht verdrängen, sondern zum Arzt gehen und abklären lassen, was die Ursachen sind, auch wenn das bedeutet, dass eine Dickdarmspiegelung oder auch eine Magenspiegelung angeraten ist. Dabei sollte der Koloskopie aber immer eine sehr gute nicht-invasive Diagnostik vorausgehen, mit der man die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens eines Reizdarmsyndroms deutlich erhöhen kann.   

Herr Prof. Fölsch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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