MAGDA Patientenforum

Frau Dr. Miriam Goebel-Stengel

MAGDA: Patientenforum zu funktionellen & anderen Magen-Darm-Erkrankungen

MAGDA steht für die Erkrankungen von MAGen und DArm und bezeichnet das jüngst gegründete Patientenforum der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e.V. (DGNM). Mit Hilfe von MAGDA sollen Patienten mit funktionellen und anderen Magen-Darm-Erkrankungen u.a. über traditionelle und neuere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten informiert werden. MeinAllergiePortal sprach mit der Vorsitzenden von MAGDA, Frau Dr. Miriam Goebel-Stengel über die weiteren Zielsetzungen von MAGDA und darüber, wie Patienten von MAGDA profitieren können.

Frau Dr. Goebel-Stengel, was hat die DGNM dazu bewogen, mit MAGDA ein eigenes Patientenforum zu gründen?

Auslöser für die Gründung von MAGDA war die Tatsache, dass die Mitglieder der DGNM immer wieder von Patienten angesprochen werden. Die Patienten stoßen im Internet auf die Namen einzelner Kollegen, die in der DGNM vertreten sind und wenden sich dann an diese mit der Bitte um Ratschläge, mit Fragen zu diagnostischen Möglichkeiten oder zu möglichen Therapien. Gleichzeitig kommen auch immer mehr ärztliche Kollegen auf die DGNM zu. Häufig geht es dann um schwierige Konstellationen bei Patienten, die Kollegen wissen nicht weiter und bitten um fachlichen Rat.

Aufgrund dieser großen Nachfrage haben wir beschlossen, eine offizielle Anlaufstelle für diese Fragen zu schaffen. Aus der Fachgesellschaft DGNM heraus haben wir das Patientenforum MAGDA gegründet. Mit MAGDA wollen wir in erster Linie die Patienten unterstützen, aber MAGDA richtet sich ebenso an ärztliche Kollegen, die einen fachlichen Rat benötigen.

Der Informationsbedarf zum Krankheitsbild "Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen" ist auch unter der Ärzteschaft sehr groß. Zwar wissen die meisten Mediziner, was man unter "Funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen" versteht, aber häufig sind sowohl die konkreten diagnostischen als auch Behandlungsmöglichkeiten noch nicht so bekannt. Aus unserer Sicht war die Gründung von MAGDA deshalb die logische Konsequenz aus diesem Informationsbedarf – ein Vernetzungsangebot, auch für ärztliche Kollegen.

Advertorial

 

Der Fokus von MAGDA liegt auf der Patienteninformation – wo bestehen hier aus Ihrer Sicht aktuell "Lücken"?

"Lücken" sehe ich zum einen beim Informationsbedarf der Patienten. Viele fühlen sich unzureichend informiert, weil es manchmal auch den behandelnden Ärzten an Informationen fehlt. Viele Patienten versuchen dann, sich im Internet zu informieren, was einerseits gut ist, andererseits aber auch Ungewissheit hervorrufen kann. Das Internet bietet eine Fülle von Informationen, aber die Einordnung dieser Informationen und der Bezug zur individuellen Situation sind im persönlichen Gespräch mit dem Arzt besser umzusetzen.

Wie wirken sich diese Lücken auf Diagnose und Behandlung aus?

Diese Wissenslücken setzen sich bei Diagnose und Behandlung fort. Es ist immer wieder erschreckend, dass viele Patienten jahrelang unter Magen-Darm-Beschwerden leiden, ohne dass jemals die einfachsten diagnostischen Tests, z.B. zum Ausschluss von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, durchgeführt wurden, die relativ am Anfang einer Diagnose stehen sollten. Das gleiche gilt für einfache Therapieoptionen.

 

Zu den Themenschwerpunkten von MAGDA gehören u.a. das Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Laktosemalabsorption, Fruktosemalabsorption und Zöliakie. Welche Entwicklung zeichnet sich aus Sicht von MAGDA bei diesen Erkrankungen ab, nehmen sie aus Ihrer Sicht zu?

Ich persönlich glaube nicht, dass Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Laktosemalabsorption, Fruktosemalabsorption und Zöliakie etc. zunehmen. Ich denke aber, dass heutzutage die "Awareness", größer ist, d.h. dass die Patienten heutzutage besser über diese Erkrankungen informiert sind. Das liegt u.a. daran, dass heute auch in den Medien mehr über solche Krankheitsbilder berichtet wird, so dass die Patienten darauf aufmerksam werden. Außerdem eröffnen Erkrankungen wie Laktoseintoleranz und Zöliakie auch einen neuen Markt in der Lebensmittelindustrie.

Auf der anderen Seite haben wir festgestellt, dass von den Patienten mit den typischen Symptomen abdomineller Beschwerden, wie z.B. Blähungen, Durchfall, Verstopfungen, Schmerzen etc., eine sehr große Anzahl tatsächlich unter einer Laktoseintoleranz oder Fruktoseunverträglichkeit litten. In unserer Studie an einem sehr großen Kollektiv von 2390 Patienten mit den typischen reizdarmähnlichen Beschwerden waren 35 Prozent der Patienten tatsächlich laktoseintolerant und 64 Prozent Fruktosemalabsorbierer.1) In beiden Fällen hätte man für die Patienten sehr einfach, durch einen H2-Atemtest, eine richtige Diagnose stellen können. Ebenso einfach hätte man die Beschwerden der Patienten durch einfache diätische Maßnahmen therapieren können. Deshalb ist es so wichtig, Ärzte und Patienten dahingehend aufzuklären, dass bereits durch einfache Tests die richtige Diagnose gestellt und die richtige Therapie gefunden werden kann.

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