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Lebenslang übergewichtig

Lebenslang übergewichtig? Wie entscheidend sind die ersten 1000 Tage?

Lebenslang übergewichtig? Die ersten 1000 Tage entscheiden!

Zu welchen Erkrankungen kommt es bei Kindern durch Übergewicht?

Kinder mit Übergewicht können erhebliche Gesundheitsprobleme entwickeln. Außerdem kommt es bei übergewichtigen Kindern oft schon in einem sehr jungen Alter zu bestimmten Erkrankungen, die eigentlich als „Erwachsenenerkrankungen“ gelten.

Typische Erkrankungen übergewichtiger Kinder sind zum Beispiel:

  • Typ-2-Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Fettleber (NAFL)
  • Schlafapnoe
  • Gelenkschäden
  • Allergische Erkrankungen wie Asthma und Neurodermitis oder auch Akne

All diese Erkrankungen treten bei Kindern mit Übergewicht häufiger auf und haben eines gemeinsam: Entzündliche Reaktionen spielen eine wesentliche Rolle!

Hinzu kommen bei übergewichtigen Kindern weitere Risiken.

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Zu welchen weiteren Risiken kommt es bei Kindern mit Übergewicht?

Kinder mit Übergewicht haben ein höheres Risiko für die folgenden Erkrankungen:

  • Fettstoffwechselstörungen
  • Zuckerstoffwechselstörungen
  • Harnstoffwechselstörungen
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Somatisierungsstörungen
  • Essstörungen

Und: Wenn übergewichtige Kinder erwachsen werden erkranken sie häufiger an:

  • Krebs
  • Diabetes
  • Herzkreislauferkrankungen
  • polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) - bei Frauen kommt es hier zu erhöhten Werten an männlichen Geschlechtshormonen.

Ganz davon abgesehen ist falsche Ernährung mittlerweile eine der wichtigsten Todesursachen.

Ist denn bei Übergewichtigen ein normales Essverhalten und damit ein normales Gewicht überhaupt noch möglich, wenn die frühkindliche Prägung dass Essverhaltens so stark bestimmt?

Ja, es ist möglich, sein Übergewicht loszuwerden. Strenge Diäten sind dann aber nicht hilfreich. Besser ist es, die Mechanismen der frühkindlichen Prägung zu kennen und die eigenen Verhaltensweisen so besser zu verstehen und zu kontrollieren. Unterstützen kann eine Therapie, die auf drei Säulen beruht: Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie und die von einem Ernährungsmediziner oder einer Ernährungsfachkraft begleitet wird. Hilfreich ist dabei auch, wenn auch das gesamte Umfeld der Kinder mitmacht.

Wenn man sich dann auf das Wesentliche konzentriert, ist schon viel gewonnen. Dabei gilt das 20:80-Prinzip, nach dem man maximal 20 Prozent der wesentlichsten „Kalorienbomben“ durch gesunde und kalorienarme Nahrungsmittel ersetzt. Wichtig ist, dass die Auswahl der zu ersetzenden Speisen und auch der Ersatzprodukte zusammen mit dem Patienten erfolgt. So kann es gelingen, die Prägung des Übergewichtigen langsam zu ändern. Zusammen mit dem Verstehen der Gründe für das eigene Verhalten und einem Sportprogramm, das Spaß macht, kann der Gewichtsverlust gelingen.

Was können Eltern tun, damit ihr Kind gar nicht erst übergewichtig wird?

Das Wichtigste ist, dass die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Es bringt nichts, wenn die Eltern sich von Pommes und Pizza ernähren und das Kind soll Spinat essen.

Gesund und nährstoffreich ist die mediterrane Kost, das heißt:

  • Frisches Gemüse, insbesondere Wurzelgemüse
  • Frischer Salat
  • Pilze
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Obst als ganze Frucht und in Maßen

Es kommt aber nicht nur darauf an, was man isst – auch wie man isst spielt eine Rolle.

Das bedeutet:

  • Feste Essenszeiten mit zwei bis drei Mahlzeiten am Tag
  • Ruhe beim Essen, ohne TV oder Handy
  • Keine Zwischenmahlzeiten
  • Wasser oder ungesüßte Tees an Stelle von Soft Drinks und Fruchtsäften

Und was empfehlen Sie Übergewichtigen gegen den Bewegungsmangel?

Sport und Bewegung sollten Teil des Familienalltags ein – eine Stunde pro Tag sollte angestrebt werden. Dabei kann auch die Mitgliedschaft in einem Sportverein helfen.

Ganz wichtig ist jedoch aus meiner Sicht, dass Menschen mit Übergewicht verstehen, welche Rolle ihr Verhalten für das Übergewicht spielt und wie es dazu kommt. In meinem Buch „Die Macht der ersten 1000 Tage“ wird dies ausführlich erklärt.

Herr Dr. Riedl, herzlichen Dank für dieses Interview.