Atopische Dermatitis Hund Hyposensibilisierung

Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München zur Hyposensibilisierung beim Hund

Atopische Dermatitis beim Hund: Wie hilft die Hyposensibilisierung?

Sind Hunde schon als Welpen von atopischer Dermatitis betroffen oder tritt die Erkrankung auch bei älteren Tieren auf?

Bei vielen Hunden tritt die atopische Dermatitis bereits im ersten Lebensjahr auf und bei 80 Prozent der Hunde entwickeln bis zum dritten Lebensjahr Symptome. Aber bei immerhin 20 Prozent der Atopiker entwickelt sich die  Neurodermitis erst zu einem späteren Zeitpunkt. Berücksichtigt man, dass kleine Hunde z.T. bereits mit zwei Jahren das Erwachsenenalter erreicht haben, ist die Zahl der „späten“ Atopiker bei Hunden deutlich höher.

Nimmt die atopische Dermatitis bei Hunden denn zu?

Wie haben nur sehr wenige Daten zu dieser Fragestellung. Es ist schwierig herauszufinden, ob die atopische Dermatitis in früheren Zeiten nicht auftrat, oder ob man sie nur nicht erkannt hat. Ob die Neurodermitis beim Hund aktuell zunimmt, ist ebenfalls schwer zu sagen, denn außer in der Schweiz und in Schweden gibt es keine guten zentralen Patientenregister.

Subjektiv kann ich sagen nur sagen, dass das Thema „Allergie“ vor 30 Jahren, als ich im Fachgebiet Dermatologie angefangen habe,  nur ein Thema von vielen war. Heute sind 70 bis 80 Prozent meiner Patienten Allergiker, d.h. in meiner Praxis haben die allergischen Erkrankungen bei Hunden definitiv zugenommen. Diese Einschätzung teilen die meisten Tierdermatologen.

Man kann nur vermuten, dass hierfür dieselben Gründe verantwortlich sind, wie für das Ansteigen allergischer Erkrankungen beim Menschen. Tiere sind heutzutage zunehmend Familienmitglieder, leben, wie die Menschen, in Wohnungen und haben eine völlig andere Lebensweise als noch vor 100 Jahren. Der westliche Lebensstil der modernen Gesellschaft, mit seiner extremen Sauberkeit, wenig frischer Luft und industriell gefertigter Ernährung, scheint für Mensch und Tier hinsichtlich der Allergieentwicklung gleichermaßen negativ zu sein.

Die atopische Dermatitis beim Hund ist also ein Western Lifestyle-Problem, das sich auf die Industriegesellschaften beschränkt?

Das unser Lifestyle eine wichtige Rolle spielt, vermuten wir, ist aber wiederum schwer zu belegen. In einem Entwicklungsland wird ein Hund mit Hauterkrankungen sicher nicht zum Tierarzt gebracht.

Ein Freund von mir, der in Malaysia vor 25 Jahren das tiermedizinische Lehrhospital aufgebaut hat, berichtete mir von sehr vielen Hauterkrankungsfällen, allerdings fast immer aufgrund von Ektoparasiten und Infektionen.

Eine Therapieoption für Hunde mit atopischer Dermatitis ist die Hyposensibilisierung. Kommt dies für alle Hunde in Frage? Wie sind die Erfolgsaussichten? Mit welchen Kosten sollten Hundebesitzer rechnen?

Grundsätzlich eignet sich die Hyposensibilisierung für alle Patienten mit Umweltallergien. Bei Hunden mit futtermittelbedingter atopischer Dermatitis kann man die Hyposensibilisierung jedoch noch nicht einsetzen.

Zu beachten ist, dass bei einem kleinen Prozentsatz der umweltallergischen Hunde, keine positiven Haut- oder Bluttests erstellt werden können. Da man das für die Hyposensibilisierung zu verwendende Allergen auf Basis der Ergebnisse der Allergietests und der Anamnese auswählt, ist eine Hyposensibilisierung in diesen Fällen ausgeschlossen. Hier fehlt der konkrete Hinweis auf das auslösende Allergen.  

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