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Unerkannte Zöliakie Problem untypische Symptome

Dr. Yvonne Braun zum Thema: Unerkannte Zöliakie? Problem „untypische“ Symptome

Unerkannte Zöliakie? Problem „untypische“ Symptome

Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen – diese Symptome würde man als „typische Bauchsymptome” einer Zöliakie bezeichnen. Aber nicht immer zeigt sich die Zöliakie durch klassische Bauchbeschwerden. Sie kann sich auch durch Symptome zeigen, bei denen man nicht gleich an eine Zöliakie denkt. Doch wie können solch untypischen Symptome aussehen? Wann sollte man aufmerksam werden und was ist dann zu tun? Beim ersten virtuellen Zöliakie Tag (VZT), der am 16. Mai 2020 stattfand, im Live-Interview mit MeinAllergiePortal erklärte Dr. Yvonne Braun, Diplom-Oecotrophologin, Ernährungsberaterin/DGE und Ernährungsfachkraft Allergologie (DAAB), wie die untypischen Symptome der Zöliakie aussehen und warum die Diagnose unbedingt vor der Therapie kommen sollte.

Frau Dr. Braun, welche Symptome treten häufiger bei der Zöliakie auf? Die typischen oder die untypischen Symptome?

Die Zahlen sagen, dass nur 20 Prozent der von Zöliakie Betroffenen an den typischen Symptomen leiden. Das sind die bekannten Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Übelkeit und starke Blähungen, die jeder mit einer Zöliakie in Verbindung bringt. Ein viel größerer Teil, also ungefähr 80 Prozent der Betroffenen, leiden eher an den untypischen Symptomen.

Dennoch hat man immer den Eindruck, dass deutlich mehr Menschen an den typischen Zöliakie-Symptomen leiden. Das liegt daran, dass Patienten, die an den typischen Symptomen leiden, viel schneller zum Arzt gehen und dann die Zöliakie auch entsprechend schneller diagnostiziert wird.

Bei der Symptomatik unterscheidet man ja oft zwischen Kindern und Erwachsenen. Wie sehen denn die untypischen Symptome einer Zöliakie bei Kindern aus?

Wenn ein Kind eine Zöliakie mit untypischen Symptomen hat, berichtet die Mutter mir oft, dass das Kind, das immer gern gegessen hat, plötzlich unter Appetitlosigkeit leidet und fast nichts mehr isst.

Das Problem ist jedoch: Die Kinder können sich im frühen Alter noch nicht richtig ausdrücken. Sie merken lediglich, dass das Essen ihnen nicht guttut. Wenn ein fröhliches Kind plötzlich nach dem Essen weinerlich wird, Wutanfälle bekommt und viel schlafen möchte, dann muss man anfangen nach der Ursache zu suchen.

Und wie zeigen sich untypische Symptome der Zöliakie bei Erwachsenen?

Bei Erwachsenen ist das ähnlich. Auch Erwachsene, die an Zöliakie erkrankt sind, leiden unter Müdigkeit, aber nicht, weil sie schlecht geschlafen haben. Diese Art von Müdigkeit ist sehr stark ausgeprägt und geht auch oft schon mit einer depressiven Stimmung einher. Ein Kind äußert dieses Unwohlsein durch Weinen oder Schreien. Erwachsene können sich natürlich nicht so verhalten und denken bei Müdigkeit eher an Stress auf der Arbeit oder im Alltag.

Oft denkt man ja, dass die Müdigkeit nicht nur am Stress liegt, sondern auch am Wetter bzw. der Jahreszeit...

Ja, genau. Im Winter oder im Frühjahr ist man oft müde, aber bei einer unerkannten Zöliakie bleibt die Müdigkeit über einen langen Zeitraum bestehen. Sie wird mit der Zeit auch nicht besser, sondern eher schlimmer.

Und: Zu den untypischen Symptomen gehören zum Beispiel auch starke Kopfschmerzen, unter anderem auch Migräne.

Gibt es weitere untypische Symptome einer unerkannten Zöliakie?

Manchmal stellt sich auch bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch heraus, dass eine unentdeckte Zöliakie die Ursache ist. Für eine Unfruchtbarkeit bei Mann oder Frau kann die Zöliakie eine Ursache sein, aber auch bei Fehl- und Frühgeburten kann die unerkannte Zöliakie ein Grund sein.

Wird denn die Zöliakie bei den Patienten häufig falsch diagnostiziert?

Das ist bei mir in der Praxis noch nicht passiert. Es ist eher so, dass der Betroffene keine Diagnose bekommen hat. Der Arzt hat viele Untersuchungen gemacht und gesagt, dass alles wieder gut wird.

Kinder kommen jedoch häufig mit der Diagnose „Fütterstörung“ in meine Praxis, obwohl dies nicht der Fall ist. Im Laufe der Beratung kann man dies aber durch eine Befragung gut herausfinden.

Ich rate den Betroffenen dann immer wieder, dass sie in der Diagnostik einen Schritt zurückgehen und einen Test auf Zöliakie machen sollen, insbesondere bei Kindern, die unter Appetitlosigkeit leiden.

Was bedeutet „Fütterstörung” und wie macht sich diese bemerkbar?

Bei kleinen Kindern im Alter von 1 bis 5 Jahren kann man noch nicht von einer Essstörung sprechen. Deshalb nennt man es Fütterstörung, wenn das Essen zum Problem wird. Jedes Kind hat seine eigene Perzentilkurve. Im Normalfall bleibt es mit seinem Wachstum und seinem Gewicht immer auf dieser Kurve. Wenn ein Kind aber davon abweicht und auch die Mutter berichtet, dass es weniger bis gar nichts mehr isst, Lebensmittel verweigert, die es vorher nie verweigert hat, und ein Gewichtsabfall eintritt, der über diese Kurve messbar ist, dann spricht man von einer Fütterstörung, die dann auch therapiert werden sollte.