Leberwerte Zöliakie Sprue

Prof. Dr. med. Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Innere Medizin im Krankenhaus Porz am Rhein in Köln zu erhöhten Leberwerten, Zöliakie und anderen möglichen Ursachen!

Erhöhte Leberwerte? Kann eine Zöliakie die Ursache sein?

Welche Erkrankungen können die Ursache für erhöhte Leberwerte sein?

Es gibt unendlich viele Ursachen für chronisch erhöhte Leberwerte.

Häufig sind Alkohol und die NASH, die nichtalkoholische Steatohepatitis, eine entzündlich veränderte Fettleber, die Gründe für erhöhte Leberwerte. Bei der NASH handelt es sich um eine Entzündung der Leber im Rahmen eines metabolischen Syndroms. Diese Patienten leiden oft unter Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht und entwickeln dann zusätzlich die nichtalkoholische Steatohepatitis.

Auch die Hepatitis B und die Hepatitis C sind häufige Ursachen dafür, dass die Leberwerte chronisch erhöht sind, weniger häufig ist eine unentdeckte Zöliakie der Grund.
Die Hämochromatose ist eine Stoffwechselerkrankung, die ebenfalls zu erhöhten Leberwerten führen kann, ebenso wie die Autoimmunhepatitis.

Extrem seltene Ursachen für erhöhte Leberwerte, sogenannte „Kolibris“, sind Erkrankungen wie Morbus Wilson, primär sklerosierende Cholangitis oder eine primär biliäre Zirrhose (PBC).

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Welche Untersuchen empfehlen Sie Patienten mit erhöhten Leberwerten?

Wenn ein Patient chronisch erhöhte Leberwerte hat, d.h. über einen Zeitraum von sechs Monaten, sollte er sich an einen Spezialisten wenden.
Durch spezielle Laboruntersuchungen wird dann entsprechend der Erkrankungshäufigkeit systematisch  abgeklärt, ob eine der genannten Erkrankungen die Ursache für die erhöhten Leberwerte ist. So würde man zunächst abklären, ob eine Hepatitis B oder eine Hepatitis C vorliegt.

In diesem Zusammenhang werden auch die IgA Transglutaminase Antikörper bestimmt, die recht genaue Ergebnisse liefern, um eine Zöliakie auszuschließen. Man muss nicht sofort eine Magenspiegelung durchführen und Probe aus dem Duodenum entnehmen, um eine Zöliakie zu diagnostizieren. Je nach Ergebnis kann auch eine Biopsie der Leber, d.h. die Entnahme einer Gewebeprobe, angeraten sein.

Diese Untersuchungen gehören, bei entsprechend erfahrenen Ärzten, zum Standard.

Wenn tatsächlich eine Zöliakie die Ursache für die erhöhten Leberwerte ist, normalisieren sich diese dann unter glutenfreier Kost?

Wenn die Diagnose Zöliakie gestellt ist und die Patienten sich glutenfrei ernähren, normalisieren sich die Leberwerte vollständig.

Was kann passieren, wenn die Zöliakie dauerhaft unentdeckt bleibt?

In meiner Laufbahn hatte ich bisher nur einen Patienten, bei dem eine Leberfunktionsstörung als Leitsymptom einer Zöliakie auftrat und lange unerkannt blieb.1) In diesem Fall war durch die Leberbeteiligung auch die Blutgerinnung beeinträchtigt, dies war die Folge der Malabsorption und des Vitamin K-Mangels.

Nach Durchführung einer glutenfreien Diät bildete sich die Malabsorption und die damit verbundene Blutgerinnungsstörung zurück. Die erhöhten Transaminasen normalisierten sich innerhalb von sechs Monaten. Im schlimmsten Fall hätte es zu einem Leberversagen kommen können, das sich an einer Gelbfärbung der Haut und dem Einbruch der Blutgerinnung zeigt, wie bei einer Hepatitis. Das wäre jedoch eine überaus seltene Ausnahme.

In aller Regel haben überhöhte Leberwerte aufgrund einer Zöliakie keine klinische Relevanz. Erhöhte Leberwerte sind eher als Begleitsymptom zu werten und es ergeben sich daraus auch in den allermeisten Fällen keine Schädigungen der Leber. Auch ist nicht bekannt, dass eine unentdeckte Zöliakie, die zu dauerhaft erhöhten Leberwerten führt, eine Leberzirrhose auslösen könnte.

Herr Prof. Holtmeier, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1)    W. P. Hofmann, C.F. Dietrich, W. Holtmeier, W.F. Caspary, S. Zeuzem, Leberfunktionsstörung als Leitsymptom einer einheimischen Sprue, Z Gastroenterol 2001; 39

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