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Prof. Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal zum Thema: Zuckerunverträglichkeit: Wenn man Laktose und Fruktose nicht verträgt!

Zuckerunverträglichkeit: Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz

Einen Überblick über die Formen der Zuckerunverträglichkeit bzw. der nicht-immunologischen Kohlenhydratunverträglichkeiten gab Prof. Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal, Leitung Institut für Humanernährung, Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In ihrem Vortrag beim 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der im April 2018 in Mannheim stattfand, ging es um die häufig vorkommenden gastrointestinalen Kohlenhydratintoleranzen. Gastrointestinale Kohlenhydratintoleranzen sind auf Malassimilation, Maldigestion und Malabsorption von Kohlenhydraten zurückzuführen, wobei die Laktoseintoleranz und die Fruktosemalabsorption vermehrt auftreten.

Laktoseintoleranz - es gibt unterschiedliche Formen!

Die Laktoseintoleranz ist häufig - in Deutschland sind ca. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Selten ist ein kongenitaler, familiärer Laktasedefekt, der bereits beim Säugling zu einer Unverträglichkeit von Milch führt, die Ursache einer Laktoseintoleranz.

Die häufigste Form der Laktoseintoleranz ist der adulte Laktasemangel, autosomal rezessiver Wildtyp. Bei den Betroffenen kommt es meist zwischen dem 5. und 20. Lebensjahr zu einer Reduktion der Laktaseexpression.

Eine weitere Form der Laktoseintoleranz ist der sekundäre Laktasemangel. Beim sekundären Laktasemangel kommt es aufgrund einer intestinalen Erkrankung, und, meist passager, zu einer Verringerung der Laktaseaktivität.

Mögliche intestinale Grunderkrankungen, die eine sekundäre Laktoseintoleranz auslösen können, sind:

  • Infektiöse Gastroenteritis
  • CED
  • Zöliakie
  • intestinales Lymphom
  • Partielle oder totale Gastrektomie
  • Kurzdarmsyndrom
  • Blindsacksyndrom/großes Duodenaldivertikel
  • Chemotherapie/Strahlentherapie
  • Mangelernährung
  • Chronischer Alkoholmissbrauch

Laktoseintoleranz – Therapie

„Zur Therapie einer Laktoseintoleranz ist eine laktosefreie Kost, das heißt unter 1 g/d, selten nötig“ betonte Prof. Bosy-Westphal, „in den meisten Fällen wird eine laktosearme Kost, was einer Menge von 8 bis 10 g/d entspricht, von den Patienten vertragen.“ Je nach Verträglichkeit können also Nahrungsmittel verzehrt werden, die natürlicherweise nur wenig Laktose enthalten, zum Beispiel:

  • Butter
  • Joghurt
  • Kefir
  •  Sauermilch
  • Lange gereifte Hart- und Schnittkäse

„Die meisten Patienten mit Laktoseintoleranz vertragen auch den Laktosegehalt von einem Glas Milch, das ca. 12 g Laktose enthält, insbesondere dann, wenn es in kleinen Mengen über den Tag verteilt verzehrt wird, so Prof. Bosy-Westphal. Nahrungsmittel, die hohe Laktosemengen enthalten, sollten allerdings gemieden werden.

Laktose als Beimischung – wo sind die Laktosefallen?

Während bei natürlichen oder relativ wenig verarbeiteten Nahrungsmitteln Laktose gut gemieden werden kann, ist das bei Fertigprodukten schon schwieriger. Der Grund: Laktose wird in der Lebensmittelproduktion häufig als technisches Hilfsmittel eingesetzt. Zum Beispiel wird Laktose, insbesondere bei fettreduzierten Produkten, gerne als Bindemittel für Festigkeit und Volumen verwendet. Auch als Geschmacksverstärker oder um bei Backprozessen einen optisch ansprechenden, nicht-enzymatischen Bräunungseffekt, die sogenannte „Maillard-Reaktion“ zu erreichen, ist Laktose beliebt. Man findet Laktose deshalb zum Beispiel in Backwaren, Wurstwaren, allen Arten von Fertigprodukten, Süßigkeiten etc..


Fruktosemalabsorption – eine zunehmende Diagnose

Bei der Fruktosemalabsorpion geht man von einer Prävalenz von 15 bis 25 Prozent aus, wobei sie im Norden häufiger auftritt als in Südeuropa, im Süden ist dagegen die Laktoseintoleranz häufiger. Insgesamt scheint die Anzahl der Menschen mit der Diagnose Fruktosemalabsorption seit den 80er Jahren zu steigen. „Dafür wird der zunehmend hohe Zuckergehalt bzw. Fruktosegehalt in Fertigprodukten verantwortlich gemacht“, so Prof. Bosy-Westphal. Insbesondere HFCS-55, ein sehr preiswerter, in den USA häufig verwendeter Maissirup, der zu 55 Prozent aus Fruktose und zu 45 Prozent aus Glukose besteht, könnte bei der Zunahme der Fruktosemalabsorption eine Rolle spielen.

Die Diagnose der Fruktosemalabsorpion erfolgt über einen H2-Atemtest, allerdings kommt es bei 20 Prozent der Patienten zu einem negativen Testergebnis, obwohl eine Fruktosemalabsorption vorliegt. Umgekehrt kann es auch ohne klinische Symptome zu einem positiven Ergebnis des Atemtests kommen.

Fruktose – wo versteckt sie sich?

Die Fruktose auf ein individuell verträgliches Maß zu reduzieren, ist das Therapieziel bei Fruktosemalabsorption. Dabei gilt ein gleiches Mengenverhältnis von Fruktose zu Glukose als verträglicher, weil sich dadurch die Fruktoseresorption verbessert.

Nahrungsmittel mit hohem Fruktosegehalt bzw. bei denen die Fruktose überwiegt, sollten die Patienten meiden. Dazu gehören:

  • Äpfel
  • Apfelsaft
  • Agavensirup
  • Birnen
  • Wassermelonen
  • Cantaloupe-Melonen
  • Weintrauben
  • Aprikosen
  • Datteln
  • Feigen
  • Pfirsiche
  • Pflaumen
  • Rosinen
  • Honig
  • Fruktosesirup

Fruktosemalabsorption – was beeinflusst die Erkrankung?

Es gibt viele Einflussfaktoren auf die Fruktosemalabsorption. Zu einer Abnahme der Toleranz kann es durch Alkoholkonsum, Sorbit, Fruktose in flüssiger Form und fettarme Kost kommen. Grund ist die rasche Magenentleerung in den Darm, die zu einer schnellen Anflutung von Fruktose im Dünndarm führt.

Umgekehrt lässt sich die Toleranz gegenüber Fruktose durch gleichzeitige Aufnahme von gleichen Mengen an Glukose erhöhen, aber auch durch fett- und eiweißreiche Mahlzeiten, die den Verdauungsprozess verlangsamen. Möglicherweise kann auch die Modulation der Darmflora zu einer Steigerung der Fruktosetoleranz beitragen, zumindest für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren konnten das Studien nachweisen.

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