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Rabattverträge Aut idem Adrenalin Autoinjektor

Svenja Steinfort, Mutter eines von Anaphylaxie betroffenen Kindes und Mitglied im Nuss/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e.V.

Aut idem beim Adrenalin Autoinjektor – was sagen die Patienten?

Anaphylaxie ist eine schwere Erkrankung. Allergische Reaktionen auf bestimmte Allergene können leicht oder auch lebensbedrohlich ausfallen. Angst und Ungewissheit machen den Betroffenen das Leben oft schwer, insbesondere dann, wenn Kinder betroffen sind. Sowohl von den erwachsenen als auch von den kindlichen Anaphylaxie-Patienten erfordert die Erkrankung enorme Anstrengung und Selbstdisziplin. Oft sind die ganze Familie, das berufliche und schulische Umfeld und auch die Freunde gefordert. Sie alle sollten in der Lage sein, im Notfall die einzige Waffe gegen eine möglicherweise drohende Lebensgefahr anzuwenden, den Adrenalin Autoinjektor. Dass es hierfür eine Aut idem-Regelung gibt, die den Patienten mit jeder neuen Verordnung mit neuen Anwendungsmechanismen konfrontiert, wird derzeit stark diskutiert. MeinAllergiePortal sprach mit Svenja Steinfort, der Mutter eines von Anaphylaxie betroffenen Kindes und Mitglied im Nuss/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e.V. über ihre Erfahrungen mit den Rabattverträgen für Adrenalin Autoinjektoren, die von einigen Krankenkassen verhandelt wurden.

Frau Steinfort, welche Erfahrungen haben Sie mit der Aut idem-Regelung für Adrenalin Autoinjektoren gemacht?

Ich bekam letzte Woche vom Allergologen ein neues Rezept für den Fastjekt junior, da unser Set verloren gegangen war. Zurück in Neuss ging ich in die Apotheke um dieses einzulösen, die Apothekerin sagte, sie könne mir wegen der Rabattverträge keinen Fastjekt aushändigen, sondern sie müsste mir den Jext geben.

Ich versuchte ihr zu erklären, dass dies nicht ginge wegen der Notfallpläne, Schulung von Betreuungspersonal usw. Die Dame konnte die Situation nicht ganz nachvollziehen und meinte:

„Die funktionieren ja schließlich alle fast gleich!!“

Der Arzt hätte das Kreuz auf dem Rezept bei „nec Aut idem“ setzen müssen, um die Aut idem-Regelung zu umgehen, dann wäre es kein Problem. Ich solle doch zurück fahren (80km!!) und ein neues Rezept holen!

Zu meinem Glück bemerkte die Apothekerin dann, dass der Jext aktuell nicht lieferbar ist. So konnte sie mir doch einen Fastjekt geben!

Wussten Sie vor diesem Vorfall, dass eine Aut idem-Regelung für Adrenalin Autoinjektoren besteht?

Ich hatte zwei Tage zuvor in der NAN e.V. Gruppe davon gelesen, aber da es bisher nie ein Problem war, nicht wirklich ernst genommen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Problem bei einem Wechsel der Adrenalin Autoinjektoren durch die Aut idem-Regelung?

Die Autoinjektoren funktionieren eben nicht gleich, jeder hat eine andere Handhabung. Mein Sohn ist fast 4 Jahre alt und geht in den Kindergarten, dort müsste ich alle Notfallpläne inklusive der in beiden Sets ändern.

Außerdem müsste ich zu dem neuen Pen neue Trainerpens und Videos beschaffen. Wenn ich das Kindergartenpersonal und alle von mir geschulten Personen zusammen rechne, müsste ich bestimmt 40 Personen neu schulen, um die Sicherheit meines Sohnes im Notfall zu gewähren.

Das Kindergartenpersonal ist sogar von unserem Kinderarzt geschult, somit hätte auch der Arzt mit zusätzlichen Terminen durch einen Wechsel des Autoinjektors zu rechnen.


Der Umgang mit den Adrenalin Autoinjektoren wird in den Anaphylaxie Schulungen sehr intensiv eingeübt. Welche Gefahren entstehen bei einem Wechsel des Pens?

Ich denke so ein Wechsel führt vor allem zu Unsicherheit und Verwirrung. Die Routine und Ruhe ist in so einer extremen Situation wie bei einem anaphylaktischen Schock extrem wichtig. Ein versehentliches zu frühes Auslösen oder ein nicht optimal geführter Pen, kann nicht nur zu mangelnder Wirkung führen, sondern hat ja zur Folge, dass ich eine anaphylaktische Reaktion evtl. nicht aufhalten kann und mein Kind somit in Lebensgefahr schwebt!

Wenn die Entsicherungsautomatik der jeweiligen Adrenalin Autoinjektoren sich voneinander unterscheidet, kann es zudem dazu kommen, dass sich die behandelnde Person den Injektor selbst injiziert, z.B. in den Finger. Es kann also so auch noch zu bleibenden Schäden bei dem Helfenden kommen. Zudem hat man in diesem Fall gar keine Adrenalindosis mehr für das reagierende Kind!

Was wünschen Sie sich von den Verantwortlichen des deutschen Gesundheitssystems?

Zum einen dachte ich: Es kann doch nicht sein, dass ein Arzt, der täglich mit diesen Medikamenten zu tun hat, noch nicht einmal von den entsprechenden Krankenkassen so informiert wird, dass es nicht zu einer solchen Situation kommen kann.

Aber im Falle der Anaphylaxie und der Adrenalin Autoinjektoren sind die Rabattverträge ein grundsätzliches Problem. Wir wollen doch ein Notfallmedikament, das Sicherheit gibt und hilft, in einer Situation, in der es um das Leben eines Menschen geht. Sparmaßnahmen, die zu Unsicherheit und eventuell falsch injizierten Notfallmedikamenten führen, sind hier nicht angebracht!

Frau Steinfort, vielen Dank für dieses Interview!

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