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Lebensmittelkennzeichnung Gemeinschaftseinrichtungen

Kristina Schmidt zum Thema: Wird die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) in Gemeinschaftseinrichtungen umgesetzt?

LMIV: Lebensmittelkennzeichnung in Gemeinschaftseinrichtungen

Ist ein Kind von Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten betroffen, werden KiTa, Schule und Hort zum Problem. Besorgte Eltern fragen sich, ob ihr Kind dort sicher essen kann. Die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) ist Ende 2014 in Kraft getreten, aber wird sie in Gemeinschaftseinrichtungen auch umgesetzt? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Kristina Schmidt, allergologisch Anaphylaxieberatung.

Frau Schmidt, die wie steht es aus Ihrer Sicht mit der Lebensmittelkennzeichnung in Gemeinschaftseinrichtungen?

Es tut sich was, aber es gibt noch sehr viel Verbesserungsbedarf! Ich habe zwar keine objektiven statistischen Zahlen dazu, bekomme aber durch meine Fortbildungen und Beratungen in Kitas, Schulen, Ganztagsbetreuungen, Jugendherbergen und Familien mit nahrungsmittelallergischen Kindern vielfältige Einblicke in die Catering-Landschaft in Deutschland und kenne daher zahlreiche Beispiele, positive wie negative.

Inzwischen ist den meisten Einrichtungen wohl klar, dass sie über allergene Zutaten informieren müssen, aber wann, wie und vor allem warum ist leider nicht immer klar. Dementsprechend werden Fehler gemacht, die eigentlich leicht vermeidbar wären. Vieles hängt vom konkreten Bedarf ab, d.h. erst in dem Moment, in dem tatsächlich ein Kind mit Nahrungsmittelallergien in einer Kita betreut werden soll, fängt man an, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen. Und selbst dann können die Kinder häufig nicht mitessen, weil man zwar auf Zutaten, nicht aber (freiwillig) auf die Vermeidung von Kreuzkontamination achtet. Wenn dann auch noch die Kita aus hygienischen Gründen untersagt, eigenes Mittagessen mitzubringen oder zu erwärmen, wird eine Ganztagsbetreuung nahezu unmöglich. Da kann man schon von Diskriminierung sprechen.

 

Gibt es bei der Lebensmittelkennzeichnung Unterschiede nach der Art der Einrichtung ?

Eher nach der Art und Weise, wie das Catering in der jeweiligen Einrichtung individuell umgesetzt wird.

Gut läuft es in Kita, Schule und Hort häufig dann, wenn große Caterer mit im Boot sind. Ähnlich wie in der Systemgastronomie haben diese eher einen systematischen Umgang mit Allergenen und deren Kennzeichnung. Problematisch wird es, je kleiner die Einrichtung ist bzw. je „privater“ die Zubereitung stattfindet, obwohl eigentlich in kleinen Systemen die Kommunikation leichter fallen sollte. In Elterninitiativen z.B. kochen abwechselnd Eltern selbst für die Kinder, häufig auch vegetarisch oder „bio“. Das ist schon ein ziemlicher Widerspruch in sich, dass diese eigentlich qualitativ hochwertigere und gesündere Art der Gemeinschaftsverpflegung für Allergiker eher mehr Probleme bedeutet, weil hier z.B. Nüsse/ Schalenfrüchte, Erdnüsse und andere Hülsenfrüchte als gesunde pflanzliche Proteine eingesetzt werden und es schwieriger ist, Produkte ohne „Spuren von…“ zu finden.

Auch Jugendherbergen sind ganz unterschiedlich aufgestellt. Da hier ständig wechselnde Kindergruppen für jeweils einen kurzen Zeitraum verpflegt werden, ist das Küchenpersonal häufig relativ offen und flexibel. Auch hier wird nicht unbedingt perfekt deklariert, aber Absprachen bis hin zum Mitbringen und Erwärmen von eigenen Speisen werden ermöglicht.

Und wie sieht es mit der Lebensmittelkennzeichnung in Gesundheitseinrichtungen aus?

Ganz problematisch wird die Verpflegung ausgerechnet im Krankenhaus: Eltern berichten z.B., dass ihre Kinder mit einer anaphylaktischen Reaktion auf Haselnuss oder Milch stationär aufgenommen wurden und dann zum Frühstück Nutella oder Joghurt serviert bekamen… Hier spielen sicherlich auch organisatorische Schwierigkeiten eine Rolle, weil die Kommunikation von speziellen Ernährungsbedarfen eines Akut-Patienten an den Caterer nicht oder zu spät stattfindet. Aber selbst für geplante stationäre Aufenthalte sollten nahrungsmittelallergische Patienten eigene Verpflegung mitbringen, denn spurenfreie Verpflegung wird auch in Krankenhäusern kaum ermöglicht.

Positives gibt es von Reha-Kliniken zu berichten: Einige haben sich inzwischen speziell auf Nahrungsmittelallergiker eingestellt und leisten ganz hervorragende Arbeit! Hier ist dann auch das entsprechende Personal vorhanden, das sich bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt hat und allergenfreies Essen – je nach den Bedürfnissen der einzelnen Patienten – in einer speziell dafür ausgelegten Küche ohne Kreuzkontamination zubereitet.

Generell bedeutet eine durchgeführte Allergen-Deklaration leider nicht automatisch, dass vollständig und richtig deklariert wird oder dass damit das Essen für Allergiker bedenkenlos möglich ist.

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