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Allergie auf Penicillin: Häufigkeit, Symptome, Alternativen

Dass Menschen „Penicillin nicht vertragen“ hört man häufig, aber heißt das auch, dass dann eine Allergie auf Penicillin besteht und das Medikament tabu ist? Angesichts der Tatsache, dass Penicillin bei Unfällen, Operationen, aber auch kleineren Eingriffen ein wirksamer Schutz vor Infektionen ist, wird diese Frage durchaus relevant. MeinAllergiePortal sprach mit  Privatdozentin Dr. med. Kathrin Scherer Hofmeier, Kaderärztin, Allergologische Poliklinik an der Klinik für Dermatologie am Universitätsspital Basel über die Häufigkeit der Penicillinallergie, typische Symptome und Alternativen.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: PD Dr. med. Kathrin Scherer Hofmeier

Frau Privatdozentin Scherer Hofmeier, wie häufig ist die Penicillin-Allergie?

Die Allergie auf Penicillin ist die Medikamentenallergie, die mit Abstand am häufigsten von den Patienten genannt wird. Ca. ein Drittel aller Patienten, die in unser Spital eintreten, geben an, wahrscheinlich penicillinallergisch zu sein. Zur tatsächlichen Häufigkeit der Penicillinallergie gibt es jedoch keine klaren epidemiologischen Studien, wir haben hierzu also nicht wirklich gute Daten.

Reagieren denn tatsächlich so viele Menschen nachweislich allergisch auf Penicillin?

Nein, in der Regel reagieren deutlich weniger Menschen allergisch auf Penicillin. Oft haben die Patienten irgendwann im Leben zeitgleich mit der Einnahme eines Penicillin-Derivats Symptome entwickelt und dies als allergische Reaktion bzw. Unverträglichkeit interpretiert. Wenn sie dies dann im Vorfeld eines operativen Eingriffs angeben, handelt es sich jedoch meist nicht um tatsächlich diagnostizierte Allergien. Würde man dies diagnostisch abklären, würde man bei einem großen Teil der Patienten keine Bestätigung einer Penicillin Allergie finden.

Hat man denn im Vorfeld einer Operation die Zeit, eine eindeutige Diagnose zu stellen?

In der Regel hat man diese Zeit nicht. Deshalb würde man in den Fällen, in denen dies ohne zusätzliches Risiko und ohne zusätzlichen Aufwand möglich ist, Alternativen verordnen, und im Anschluss eine Abklärung veranlassen. Bei Patienten, bei denen Alternativen nicht ohne weiteres möglich sind, würde man eine diagnostische Abklärung vornehmen.

Welche Wirkstoffe gehören zu den Penicillinen?

Bei Penicillinen handelt es sich um eine relativ vielfältige Medikamentengruppe mit enger Verwandtschaft zu anderen Antibiotika-Gruppen. Nach den Sulfonamiden ist Penicillin das zweite Antibiotikum, dass man Anfang der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts entdeckt hat. Dazu gehören zum Beispiel das Penicillin G und das Penicillin V, Amoxicillin oder Amoxicillin Clavulansäure. Weitere Penicillin-Abkömmlinge wären zum Beispiel Piperacillin/Tazobactam oder Flucloxacillin.

Bedeutet das, wenn man einen Wirkstoff dieser Antibiotika-Gruppen nicht verträgt, verträgt man alle anderen auch nicht?

Solange man noch nicht abgeklärt hat, gegen welche Substanz die Unverträglichkeit konkret besteht, würde man dem Patienten keinen Wirkstoff dieser Medikamentengruppe verabreichen. Besteht jedoch eine echte Allergie, bezieht sie sich oft nur auf einen Teil der Wirkstoffe, oft auf die Aminopenicilline, während die anderen verträglich sind.        

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Wie aufwändig ist die Diagnose einer Penicillinallergie und wie wird sie gestellt?

Die solide Diagnose einer Penicillinallergie ist aufwändig. Zunächst erfolgt die Anamnese in der Absicht, möglichst viele Details zu eruieren. Oft ist dies schwierig, weil es sich häufig um Reaktionen handelt, die in der Kindheit aufgetreten sind, aber erst im späteren Erwachsenenalter abgeklärt werden sollen. Zur Diagnose gehört auch eine Hauttestung mit verschiedenen Penicillinderivaten und bei Bedarf auch Laboruntersuchungen.

Zum letztendlichen Nachweis oder Ausschluss einer Penicillinallergie gehört auch ein Provokationstest. Das bedeutet, man gibt dem Patienten das verdächtige oder ein alternatives Medikament unter Aufsicht und unter Beachtung gewisser Sicherheitsmassnahmen.

Insgesamt kann der Prozess der Diagnosestellung durchaus längere Zeit in Anspruch nehmen.

Gibt es Risikofaktoren für eine Penicillinallergie, wie z.B. andere Allergien?

Die Allergie auf Penicillin ist unabhängig von einer Atopieneigung, die, zum Beispiel, mit Heuschnupfen oder Asthma einhergeht.

Ebenso ist die Penicillinallergie nicht erblich. Als Kind penicillinallergischer Eltern trägt man kein erhöhtes Risiko.

Wie sehen die Symptome einer Allergie auf Penicillin aus und in welchem zeitlichen Abstand zum Penicillin-Kontakt kann sie auftreten?

Bei der Penicillinallergie gibt es unterschiedliche klinische Manifestationsformen. Zum einen kann es zur allergischen Soforttyp-Reaktion in Form von Urtikaria bzw. Nesselsucht kommen. Aber auch Atem- und Kreislaufbeschwerden im Sinne einer anaphylaktischen Reaktion können auftreten.  Eine allergische Reaktion vom Spättyp ist bei der Allergie auf Penicillin ebenfalls möglich. Dann können ein bis drei Tage nach der Behandlung mit Penicillin Arzneimittelexantheme auftreten. Diese Arzneimittelexantheme zeigen sich in Form von roten Flecken an der Haut und gehen mit starkem Juckreiz einher. Sehr selten können die Schleimhäute oder innere Organe mitbetroffen sein.

Sehr selten kommt es zu Reaktionen auf Penicillin, die sich auf die Zusammensetzung des Blutes bzw. die Blutzellen auswirken oder bei denen das Penicillin direkt an der Leber wirkt. Dies sind jedoch Raritäten, meist kommt es zu allergischen Soforttyp- oder Spättyp-Reaktionen.  

Spielt die Menge des Wirkstoffs bei der Penicillinallergie eine Rolle?

Die absolute Menge ist bei der Penicillinallergie nicht relevant. Aber: Es muss bereits ein Erstkontakt zu Penicillin bestanden haben, um eine allergische Reaktion auszulösen.

Ist die Darreichungsform, oral oder intravenös, bei der Allergie auf Penicillin ausschlaggebend?

Möglicherweise gibt es kleine Unterschiede in der Sensibilisierungshäufigkeit. Besteht aber bereits eine Sensibilisierung, spielt es keine Rolle, ob der Patient das Penicillin oral oder intravenös bekommt.        

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Gibt es bei der Penicillinallergie Kreuzreaktivitäten auf andere Arzneimittel?

Kreuzreaktivitäten mit anderen Antibiotika aus der Familie der β-Lactam-Antibiotika sind theoretisch möglich. Dazu gehören zum Beispiel die Cephalosporine, die Monobactame und die Carbapeneme. Dies ist sehr unterschiedlich häufig und hängt davon ab, auf welche Penicilline man ursprünglich reagiert hat. Weiter ist dies abhängig davon, ob eine allergische Soforttyp- oder Spättyp-Reaktion vorlag.

Bei der Abklärung der Penicillinallergie geht es also auch darum, welche Kreuzreaktivitäten möglich sind?

Bei der allergologischen Abklärung einer Penicillinallergie geht es nicht nur um die Bestätigung oder den Ausschluss bestehender Vermutungen in Bezug auf ein bestimmtes verdächtiges Medikament.

Bestätigt sich der Verdacht und besteht eine Allergie, ist es ebenso wichtig abzuklären, welche sicheren therapeutischen Alternativen für den Patienten möglich sind. Die Abklärung verwandter Medikamente ist deshalb Teil der Diagnose, und wird in einem Allergiepass vermerkt, den der Patient stets bei sich tragen sollte, damit die Information im Notfall zur Verfügung steht.

Frau Privatdozentin Scherer Hofmeier, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.