Allergisache Reaktionen Zahnbehandlungen

Prof. Dr. Hans Merk, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Aachen

Allergische Reaktionen bei Operationen und Zahnbehandlungen

Im Verlauf von Operationen kann es zu Komplikationen kommen. Ein Teil davon ist auf allergische oder pseudoallergischeReaktionen auf Substanzen zurückzuführen, die für die Narkose bzw. zur Lokalanästhesie eingesetzt werden. Nicht immer werden Reaktionen, wie z.B. ein plötzlicher, kurzzeitiger Blutdruckabfall, der schnell behoben ist, mit einer Allergie oder Unverträglichkeitsreaktion in Zusammenhang gebracht. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch. Man geht davon aus, dass bei ca. 1 Prozent der Unverträglichkeitsreaktionen auf Lokalaneasthetika echte Allergien sind, die für den Patienten lebensbedrohliche Auswirkungen haben können. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Hans Merk, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Aachen über Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen im Zusammenhang mit Operationen und Zahnbehandlungen

Herr Prof. Merk, bei welchen Stoffen kann es im Rahmen von Operationen zu allergischen Reaktionen kommen?

Bei Allgemeinanästhesien, d.h. bei Narkosen im Zuge von Operationen, sind bei ca. 50 Prozent ursächlichem Zusammenhang die Hauptverdächtigen immer die Muskelrelaxantien, wobei sowohl allergische Reaktionen, d.h. IgE-vermittelte Reaktionen, als auch pseudoallergische Reaktionen auftreten können. 

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Wie können Muskelrelaxantien pseudoallergische Reaktionen auslösen?

Zu pseudoallergischen Reaktionen kann es kommen, weil diese Substanzen in der Lage sind, Histamin pharmakologisch bedingt - nicht allergologisch bedingt - aus den Mastzellen und Basophilen freizusetzen.

Wann kommt es zu den IgE-abhängigen, also den allergischen Reaktionen auf Muskelrelaxantien?

Die IgE-abhängigen, d.h. die echten allergischen Reaktionen auf Muskelrelaxantien treten vor allem in Ländern auf, in denen für eine gewisse Zeit ein Hustensaft mit dem Wirkstoff Pholcodin im Handel war. Offensichtlich hat Pholcodin zu Sensibilisierungen, die mit IgE-Bildung einhergehen, geführt und die dann über eine Kreuzreaktion durch gemeinsame quaternäre Ammoniumsalze auch mit Muskelrelaxantien reagieren können. Vertrieben wurde dieser Hustensaft mit dem Wirkstoff Pholcodin u.a. in Frankreich und Norwegen. Das kann erklären, warum diese IgE-abhängigen Reaktionen vor allem aus Frankreich berichtet werden.

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