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Wie wirken NSAR als Schmerzmittel?

Analgetika NSAR
NSAR: Wofür braucht man diese Schmerzmittel? Gibt es Nebenwirungen? Bildquelle: N. Gumpert

Im Zusammenhang mit Schmerzmitteln ist häufig von NSAR oder Analgetika die Rede. Aber was sind eigentlich NSAR-Medikamente? Was bedeutet dieser Begriff genau? Wann werden Analgetika bzw. NSAR verordnet und wie wirken sie? Welche Nebenwirkungen sind möglich und was kann man tun, wenn man sie nicht verträgt? MeinAllergiePortal sprach mit Dr.med. Nicolas Gumpert, Facharzt für Orthopädie, Lumedis, Frankfurt.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. med. Nicolas Gumpert

 

NSAR: Die wichtigsten Fakten!

NSAR, Analgetika und NSAID sind Bezeichnungen für die gleiche Substand, die nichtsteroidalen Antirheumatika

NSAR wirken fiebersenkend, schmerzlindernd, entzündungshemmend

NSAR werden bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt

NSAR sollten so kurz wie möglich und in möglichst geringen Dosierungeneingesetzt werden

Eine häufige Nebenwirkung bei NSAR sind Magen-Darm-Beschwerden

 

Herr Dr. Gumpert, was sind NSAR-Schmerzmittel?

NSAR ist die Abkürzung für „Nichtsteroidales Antirheumatikum“. Eine weitere Bezeichnung für NSAR ist „Analgetika“ Die Namensgebung ließe vermuten, dass es sich um ein Medikament gegen Rheuma handelt, das hat jedoch historische Gründe: Als es die modernen Biologika noch nicht gab, in den 70er-Jahren, war NSAR tatsächlich das Medikament für Rheumatiker. Heute hat NSAR in der rheumatischen Therapie keinen Stellenwert mehr, sondern wird bei degenerativ entzündlichen Erkrankungen eingesetzt.

Ist NASID das gleiche wie NSAR?

NSAID ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung von NSAR und steht für „nonsteroidal anti-inflammatory drug“. Also im Prinzip ist es das gleiche.

Wofür werden NSAR verordnet, was bewirken sie?

Unter NSAR werden unterschiedliche Wirkstoffe zusammengefasst, die alle als Schmerzmittel dienen.

Gebräuchliche Wirkstoffe von NSAR sind zum Beispiel die auf dieser Liste:

  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Acetylsalicilsäure
  • Methotrexat
  • Naproxen

Dabei gibt es einige NSAR nicht nur in Form von Tabletten, sondern auch als Creme oder Gel.

Man verordnet NSAR zur:

  • Fiebersenkung
  • Entzündungshemmung
  • Schmerzlinderung

Gehören auch Voltaren und Aspirin zu den NSAR?

Voltaren enthält den Wirkstoff Dicofenac und gehört zu der Gruppe der NSAR. Aspirin, oder auch ASS, das ist die Abkürzung für Acetylsalicylsäure, gehört ebenfalls zuden NSAR.
Da die entzündungshemmende Potenz aber deutlich niedriger als andere NSAR´s liegt, wird manchmal Aspirin in dieser Gruppe unterschlagen.

Bei welchen Erkrankungen wird NSAR eingesetzt?

NSAR werden heute bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, insbesondere bei mit Schmerzen verbundenen Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Mögliche Anwendungsgebiete von NSAR sind:

  • Degenerativ entzündliche Erkrankungen
  • Verschleißrückenschmerz
  • Akute Verletzungen des Bewegungsapparates

Heute setzt man NSAR überwiegend bei degenerativen Erkrankungen ein. In der Orthopädie dienen NSAR überwiegend der Behandlung von Arthrose, das heißt von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen. In der Akuttherapie kommen NSAR bei frischen Muskel- und Bandverletzungen zum Einsatz.

Helfen NSAR helfen auch beim Hexenschuss?

Beim Hexenschuss sind NSAR wunderbar als Schmerzmittel einzusetzen.

In welcher Dosis und wie lange kann man NSAR einnehmen?

NSAR sollte man so kurz wie möglich und in möglichst geringen Dosierungen einnehmen. So lassen sich Nebenwirkungen von NSAR am Magen-Darm-Trakt, den Nieren oder am Herzen möglichst gering halten. Die empfohlene maximale Einnahmedauer der unterschiedlichen NSAR schwanken.

Grob gesagt sollte man NSAR nicht länger als eine Woche einnehmen.

Wie schnell wirken NSAR?

Unterschiedliche NSAR zeigen einen jeweils unterschiedlich schnellen Wirkeintritt. Dabei ist ausschlaggebend, wie schnell ein ausreichender Wirkspiegel im Blut erreicht werden kann. Meist bemerken die Patienten nach 20 bis 30 Minuten eine Verminderung der Schmerzen. Typisch ist aber auch, dass Medikamente aus der Gruppe der COX-2-Hemmer viel langsamer wirken als vergleichbar ältere Präparate.

Welche Nebenwirkungen können NSAR haben?

Sehr häufig kommt es durch die Gabe der klassischen NSAR zu einer Magen-Darm-Problematik. Das liegt daran, dass klassische Analgetika sowohl das Enzym Cyclooxygenase-1 (COX-1) als auch das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2) hemmen. Durch die Hemmung von COX-1 verringert sich jedoch der Schutz der Magenschleimhaut und sehr häufig treten durch die Einnahme von NSAR Magenschleimhaut Entzündungen oder Duodenum-, also Zwölffingerdarm-Problematiken, auf. Es kann durch NSAR aber auch zu Problemen an den Nieren oder am Herzen kommen.

Gibt es auch Schmerzmittel ohne NSAR, wenn man NSAR nicht verträgt?

Das kommt darauf an, wo das „Problem des Nichtvertragens“ liegt bzw. um welche Nebenwirkungen es sich handelt.

Was kann man an Stelle von NSAR einnehmen, wenn man davon Magen-Darm-Beschwerden bekommt?

Steht bei der Unverträglichkeit von NSAR die Magen-Darm-Problematik im Vordergrund, kann man inzwischen als Alternative zu NSAR-Schmerzmitteln auf die sogenannten Coxibe oder COX-2-Inhibitoren zurückgreifen. Das sind entzündungshemmende Schmerzmittel ohne NSAR. Dazu gehören zum Beispiel die Substanzen Celecoxib oder Etoricoxib. Diese hemmen selektiv nur noch COX-2, also das Enzym Cyclooxygenase-2, aber nicht mehr in gleichem Maße COX-1, das Enzym Cyclooxygenase-1. Somit profitiert der Patient von der entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung des COX-2 Anteils, ohne in gleichem Maße mit den Nebenwirkungen der COX-1 Hemmung belastet zu werden. Allerdings: Die neuen Coxibe wirken zwar spezifischer, sind aber auch wirkschwächer als die klassischen Analgetika.

Was kann man an Stelle von NSAR einnehmen, wenn man davon Nierenprobleme bekommt?

Besteht eine Nierenproblematik sind Analgetika kontraindiziert, das heißt, sie dürfen nicht eingesetzt werden. In Frage kämen dann generell alle Wirkstoffe der Morphin Gruppe oder auch Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht-opioid-Analgetika. Das wären dann NSAR-freie Schmerzmittel.

Wie ersetzt man NSAR, wenn man davon Probleme mit dem Herzen bekommt?

Bestehen Herzrhythmusstörungen, die durch NSAR ganz klar gefördert werden, wären auch die Coxibe eine Kontraindikation. Dann kann man zum Beispiel wieder mit Medikamenten arbeiten, die den Wirkstoff Metamizol enthalten. Auch Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure wären eine Option, vorausgesetzt, es besteht keine Gerinnungsproblematik.
Das heißt: Die Auswahl des NSAR wird auf die bestehende Nebenwirkung abgestimmt.

Wären denn auch „Hausmittelchen“ wie zum Beispiel Wärmesalbe eine Alternative?

Gerade bei lokalen Anwendungen wie der Wärmesalbe müsste man die Frage stellen, welcher Wirkstoff enthalten ist. Meist handelt es sich dabei um Capsaicin, ein aus dem Cayennepfeffer gewonnenes hitzestimulierendes Agens. Setzt man Capsaicin hochdosiert ein, ersetzt man den Schmerz der aktuellen Erkrankung durch einen Hitzeschmerz. Viele Patienten empfinden das angenehmer als den eigentlichen Verletzungsschmerz oder Nervenschmerz.

Heißt das, das Capsaicin in der Wärmesalbe verdeckt den eigentlichen Schmerz nur?

Genau! Man übertüncht den einen Schmerz durch einen weniger unangenehmen Schmerz. Aber: Ein tatsächlich „natürliches Schmerzmittel“ gibt es leider nicht, abgesehen von der Weidenrinde, die eine Vorstufe der Acetylsalicylsäure in schwächerer Dosierung enthält.

Was kann passieren, wenn ein Patient NSAR einnimmt, obwohl er das nicht verträgt?

Wie gesagt: Bei NSAR kann die Niere betroffen sein und außerdem der Magen-Darm-Trakt. Relativ viele Patienten reagieren mit Durchfall, der jedoch harmloserer Natur ist. Kommt es jedoch zu einer Gastritis, klagen die Patienten meistens schon 24 Stunden nach der Einnahme der NSAR über Übelkeit. Sobald Übelkeit einsetzt oder es sogar zu einer leichten Darmblutung kommt, muss man NSAR auf jeden Fall sofort absetzen. Hinzukommen kann eine gewisse Herz-Problematik. Das heißt, NSAR kann auch Herzrhythmusstörungen fördern und ist deshalb kontraindiziert, wenn bereits Herzrhythmusstörungen bestehen und ein rhythmisierendes Medikament eingenommen wird. Teilweise kann es durch Analgetika auch zu einer leichten Erhöhung des Blutdrucks kommen. Deshalb sollte regelmäßig eine Blutdruckkontrolle durchgeführt werden, insbesondere dann, wenn man bereits Blutdrucksenker einnimmt.

Herr Dr. Gumpert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

18. März 2023

Autor: S. Jossé/ N. Gumpert, www.mein-allergie-portal.com

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