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gluless kitchen – neue Produkte und Restaurants im „glutenfrei-Check“

Wer sich einen Überblick über neue glutenfreie Produkte und Restaurants verschaffen möchte, ohne alles persönlich zu testen, wird bei gluless kitchen mit Sicherheit fündig. Bloggerin Esther Hechler ist neugierig, experimentierfreudig und teilt ihre Erfahrungen gerne mit ihren Lesern. Mit MeinAllergiePortal sprach sie über ihre Methode, den Handel nach neuen Produkten zu „scannen“, die Umsetzung der LMIV und „echte“ und “unechte“ glutenfreie Restaurantangebote.

Frau Hechler, bei gluless kitchen wird viel getestet, nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre „Testobjekte“ aus und worauf achten Sie beim Testen?


Bei Restaurants sind die Kriterien ziemlich klar: Es muss was für mich geben, was nicht nur Grün und ohne Dressing ist und ich muss das Gefühl haben, dass ich mich sicher und ernst genommen fühle. Bei Restaurants und auch bei Produkten stelle ich nur vor, was ich wirklich empfehlen kann. Schlechte Erfahrungen (meist geschmacklicher Natur) behalte ich für mich, denn ich teile auf meinem Blog das, was mir persönlich gefällt. Meine Beurteilung ist somit  geschmäcklerisch und manche Dinge finden meine Leser vielleicht gar nicht so toll wie ich oder machen in Restaurants ganz andere Erfahrungen, weil z.B. eine andere Servicekraft da ist.

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Und wie suchen Sie sich die Produkte aus, die Sie bei gluless kitchen vorstellen?

Bei Produkten kaufe ich das, was mir ins Auge fällt. Ich lebe in Berlin und hier gibt es immer sehr viele neue Produkte, die Supermärkte sind experimentierfreudiger als in ländlichen Gegenden. Deshalb habe ich auch keinen Lieblingssupermarkt, ich laufe überall mal rein. Der eine bietet eine gute Brotbackmischung an, der andere Tiefkühlprodukte, usw. Ich scanne beim Einkaufen die Regale nach neuen Produkten und nehme eigentlich immer das mit, was ich entdecke.

Mittlerweile achten die Hersteller auf das Aussehen der Verpackungen und öfter als vor ein paar Jahren findet sich die durchgestrichene Ähre auf der Vorderseite. Viele Supermärkte zeichnen ihre Regale mit Symbolen aus und es gibt spezielle Abteilungen/Aufsteller/Regalwände mit  glutenfreien, veganen, vegetarischen, zuckerfreien, usw. Artikeln, was die Suche deutlich einfacher macht.


Wie beurteilen Sie das „glutenfreie“ Angebot insgesamt in Bezug auf Vielfalt und Qualität? Sehen Sie eine Entwicklung?

Absolut. Ich ernähre mich seit mittlerweile 9 Jahren glutenfrei und in dieser Zeit hat sich unglaublich viel getan. Ich freue mich über die Entwicklung natürlich sehr, denn ich hatte zeitweise das Gefühl, alles schmeckt gleich (so ähnlich wie Pappe) und es gibt keinerlei Auswahl. Natürlich habe ich auch sehr viel experimentiert beim Brot- und Kuchenbacken, aber das kostet sehr viel Zeit, die eben oft nicht bleibt im Alltag. Und so finde ich es toll, dass man die Möglichkeit hat, wie jeder andere „einfach etwas einkaufen zu gehen“ und nicht die ganze Woche vorplanen zu müssen.

Neben den großen Platzhirschen gibt es mittlerweile tolle, kleine Betriebe, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, glutenfreie Produkte herzustellen, oft sogar aus heimischen Zutaten und in Bio-Qualität. In Berlin gibt es seit einiger Zeit sogar eine komplett glutenfreie Bäckerei, das finde ich schon sehr besonders.

Sie haben viele Restaurants in Berlin getestet, wie gut sind diese auf glutenfreie Ansprüche eingestellt?

Ähnlich wie mit den Produkten verhält es sich auch mit den Restaurants. Es gibt auf einmal an jeder Ecke was, jeder schreibt „glutenfrei“ auf die Karte vor der Tür. Allerdings merkt man schnell, dass man eher den Trend bedient und sich im Prinzip nicht auskennt mit Zöliakie und den Folgen. Da gibt es dann glutenfreies Brot, aber keinen extra Toaster oder der glutenfreie Kuchen wird mit dem gleichen Messer geschnitten wie die normale Torte. Da kann man sich also nicht drauf verlassen. Ich stelle jedes Mal meine Fragen, wenn ich irgendwo esse, auch wenn ich schon ein paar Mal dort war.

Inwieweit wird denn aus Ihrer Sicht die LMIV in Berlin umgesetzt?

Mit der Lebensmittelauszeichnung nehmen es die Leute auch nicht so genau. Einige Läden haben eine extra Karte mit allen Allergenen, die man erfragen kann, das finde ich ziemlich gut. Andere tun so, als ob sie davon noch nichts gehört haben und sind genervt. Letzteres ist leider oft in Deutschland der Fall. Man wird nicht ernst genommen und hat das Gefühl, unerwünscht zu sein, weil man eben einige Fragen stellen muss. Die Servicekräfte fühlen sich schnell auf den Schlips getreten, als wäre man nur da, um ihnen die Zeit zu stehlen.

Ich wünsche mir ein Umdenken, habe aber das Gefühl, dass dies durch gesetzliche Verordnungen auch nicht wirklich funktioniert. Die Gastronomen begreifen oft nicht, warum sie das jetzt tun müssen und dass es eben keine Schikane ist. Manchmal erlebe ich aber auch, dass mein Gegenüber sehr interessiert ist, Rückfragen stellt und sich wirklich damit auseinandersetzt. Und das passiert tatsächlich immer häufiger.


Gilt das auch für andere deutsche Städte?

In Deutschland gibt es mittlerweile eigentlich in jeder etwas größeren Stadt ein gewisses glutenfreies Angebot. In den Supermärkten und Drogerien sowieso, aber es gibt auch tolle Restaurants, Bäckereien und Co.

Wie schon erwähnt, ist Deutschland eher eine Wüste, was den Service angeht, nicht nur beim Thema Lebensmittelunverträglichkeiten. In ländlicheren Gebieten geben sich die Leute oft mehr Mühe und hören besser zu, in der Stadt, besonders in Berlin, kommt es einem so vor, als gehöre eine Unverträglichkeit, Vegetarismus oder Veganismus zum guten Ton, weshalb man eben nicht mehr so ernst genommen wird.

Und wie sieht es in anderen Ländern aus?

In anderen (europäischen) Ländern ist das doch schon anders, jedenfalls, soweit ich es beurteilen kann. In Spanien, Italien und Skandinavien ist das Verständnis gegenüber Zöliakie sehr hoch, fast jeder ist mit dem Thema vertraut. Diese Länder haben Deutschland wirklich einiges voraus und reisen macht dort sehr viel Spaß.

In Asien ist das alles noch gar kein Thema. Außer in größeren, westlich geprägten Städten wie Hong Kong findet man gar kein Angebot. In Ländern wie Thailand oder Vietnam wird fast ausschließlich glutenfrei gekocht, auch wenn die Krankheit dort gar nicht bekannt ist. Reisen ist dort sehr unkompliziert und man kann fast alles probieren. In Japan ist es total kompliziert. Überall wird mit Sojasoße gekocht und keiner spricht englisch, was das ganze sehr unentspannt macht. Reis geht natürlich immer, hängt einem aber nach 2 Tagen auch ordentlich zum Hals raus. :)

Allgemein sind große Städte wie Paris, London, New York, etc .problemlos zu bereisen. Und überall war ich ja leider auch noch nicht.

Gibt es ein Produkt, das noch erfunden werden sollte?

Es wäre natürlich toll, ein Präparat zu haben wie die Laktase-Tablette bei einer Laktoseintoleranz: Vor dem Essen einnehmen, keine Angst vor Reaktion haben. Das wird aber wohl noch ein paar Jahre dauern.

Und ich würde mir mal wieder ein richtiges, französisches Baguette wünschen. Außen ganz knusprig, innen ganz soft. Und ein gutes Stück Käse dazu.

Frau Hechler, vielen Dank für dieses Interview!

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