Nasenpolypen Polyposis nasi Biologika

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent zu neuen Therapien bei Nasenpolypen: Biologika, Reboot-OPs, Forschung!

Nasenpolypen: Klassische vs. neue Therapien – was hilft?

Patienten mit Nasenpolypen, der medizinische Fachbegriff lautet „Polyposis nasi“, haben oft ein gemeinsames Problem: In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Nasenpolypen als „harmlos“ und bestimmten Patientengruppen bringen die klassischen Therapien nicht den gewünschten Erfolg. Die Betroffenen müssen deshalb dauerhaft mit ihren unangenehmen Beschwerden leben. Allerdings gibt es ein Licht am Ende des Tunnels, denn an neuen Therapien wird geforscht und zum Teil ist man schon sehr weit gediehen. Warum sind die klassischen Nasenpolypen-Therapien so oft nicht wirksam? Wie können Nasenpolypen-Patienten von neuen Therapieansätzen profitieren? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent über neue Therapien bei Nasenpolypen: Biologika, Reboot-OPs, Forschung!

Herr Prof. Bachert, welche Therapien werden aktuell bei Nasenpolypen eingesetzt?

Zugelassen für die Behandlung von Polyposis nasi sind topische Glukokortikosteroide, d.h. Nasensprays, die, zum Beispiel im Vergleich zur Therapie der allergischen Rhinitis, in doppelter Dosierung eingesetzt werden.

Studien hierzu zeigen, dass diese Therapie den Nasenpolypenscore, das heißt die in der Nase gemessene Masse der Nasenpolypen, verändern kann. Der Effekt der topischen Glukokortikosteroide ist allerdings bestenfalls gering, denn die Nasenpolypen werden dadurch eher auf dem gleichen Niveau gehalten als verringert oder gar eliminiert. Das liegt zum Teil daran, dass man mit dem Nasenspray die Nasenpolypen kaum erreicht und die antientzündliche Wirkung eines Sprays auch nicht stark genug ist um die Nasenpolypen zu eliminieren.

Eine zweite Therapiemöglichkeit, die bei Nasenpolypen leider häufig eingesetzt wird, sind orale oder Depot-Glukokortikosteroide. Durch die Asthmatherapie und die Therapie rheumatischer Erkrankungen weiß man jedoch, dass diese Therapie mit sehr vielen Nebenwirkungen verbunden sein kann - davor sollte man wirklich warnen!

Advertorial

 

Welche Nebenwirkungen können bei einer Nasenpolypen-Therapie mit oralen oder Depot- Glukokortikosteroiden auftreten?

Nach Expertenmeinung gibt es keine grundsätzlich unbedenkliche Dosis für orale oder systemische Glukokortikosteroide. Es ist offensichtlich sehr unterschiedlich, wie welche Patienten unter welchen Umständen und auf welche Dosis reagieren. So kann es passieren, dass durch orale oder systemische Glukokortikosteroide z.B. Diabetes oder Knochenmetabolismusstörungen ausgelöst werden. Orale oder systemische Glukokortikosteroide sollte man deshalb möglichst einschränken. Die EP2OS Guidelines (European Position Paper on Sinusits) empfehlen in bestimmten Fällen eine Glukokortikosteroid-Kur, die man vier Mal im Jahr für drei Wochen durchführen sollte. Selbst dies sollte man jedoch vermeiden, denn es könnte bereits zu viel sein.

Advertorial

Gibt es weitere Therapiemöglichkeiten bei Nasenpolypen?

Letztendlich gibt es bei Nasenpolypen noch die Möglichkeit der Operation, wobei dieser Begriff differenziert zu betrachten ist. Das hängt damit zusammen, dass es für Polyposis nasi leider keine allgemeingültige Definition einer „Operation“ gibt. Unter „Operation“ kann man sowohl das gewebeschonende bloße Herausschälen der Polypen als auch das intensive und extensive Ausräumen des gesamten Schleimhautbereichs inklusive der Nasennebenhöhlen verstehen. Die Konsequenz daraus ist, dass die Wirksamkeit einer Operation sehr unterschiedlich ausfallen kann. Da es sich bei Nasenpolypen um eine chronische Entzündung handelt, kann es zu wiederholtem Operationsbedarf kommen, im extremsten Fall können im Laufe eines Lebens bis zu dreißig Operationen zusammen kommen.

Momentan gibt es im Hinblick auf Operationen von Nasenpolypen eine Tendenz, wobei die Daten noch nicht wirklich schlüssig sind, dass die Schleimhaut in der Nase und den Nasennebenhöhlen vollständig entfernt werden muss, damit man überhaupt einen Erfolg zu erzielen kann. Dies gilt insbesondere für Polyposis nasi vom Entzündungstyp 2.

Kann man daraus schließen, dass Nasenpolypen-Operationen, bei denen nur sehr wenig Gewebe entfernt wurde, generell weniger erfolgreich sind und eher zum Wiederauftreten der Nasenpolypen führen?

Lange Zeit galten minimalinvasive Eingriffe grundsätzlich als verträglicher. Dementsprechend wurde die funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS) sehr häufig eingesetzt, auch zur Entfernung von Nasenpolypen. Dabei hat man jedoch nicht berücksichtigt, dass viele Patienten mit Nasenpolypen vom Entzündungstyp 2 nicht auf diese Operationsmethode reagieren, weil dabei die Entzündungsherde nicht vollständig beseitigt werden. Aktuell geht man davon aus, dass die Operationen bei diesen Nasenpolypen-Patienten eventuell umfangreicher sein müssen. Die Diskussion unter Experten fokussiert deshalb im Moment auf die Frage, wie umfangreich genau. Im Gespräch sind unter anderem sogenannte Draf III-Operationen, bei denen von der Nase aus auch die Stirnhöhle weit eröffnet wird, damit auch dort die Schleimhäute vollständig entfernt werden können.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.