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Mastozytose MCAS Höheres COVID-19 Risiko

Prof. Knut Brockow zum Thema: Mastozytose & MCAS: Höheres COVID-19-Risiko?

Mastozytose & MCAS: Höheres COVID-19-Risiko?

„Bin ich durch meine Mastozytose oder mein Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) anfälliger für COVID-19?“ – das fragen sich viele Betoffene. Studien hierzu kann es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geben. Deshalb haben Experten bekannte Fakten und aktuelle Erkenntnisse zu COVID-19 in einem Positionspapier 1) zusammengefasst. MeinAllergiePortal sprach mit einem der Autoren, Prof. Knut Brockow, Allergologe und Leiter der Allgemeinambulanz, Allergieabteilung und Mastozytosesprechstunde an der Hautklinik Campus Biederstein am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM).

Herr Prof. Brockow, gibt es für Patienten mit Mastozytose oder MCAS ein erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken?

Mastozytose ist eine Erkrankung, bei der die Anzahl der Mastzellen erhöht ist. Diese Mastzellen sind in ihrer Funktion jedoch nicht eingeschränkt. Das bedeutet, die Infektabwehr funktioniert bei Menschen mit Mastozytose oder MCAS wie bei allen anderen auch.

Ein Risikofaktor für COVID-19 ist ein höheres Lebensalter. Patienten mit aggressiven Formen der systemischen Mastozytose sind tatsächlich oft auch älter. Das höhere Alter kann deshalb, unabhängig von der Mastozytose oder dem Mastzellaktivierungssyndrom, ein Risiko darstellen.

Patienten mit einer kutanen Mastozytose oder einer indolenten systemischen Mastozytose sind jedoch eher jünger. Ein erhöhtes Risiko durch die Mastozytose besteht hier im Hinblick auf COVID-19 nicht.

Das heißt, Patienten mit einer aggressiven Form der Mastozytose können eher an COVID-19 erkranken?

Patienten mit bösartigen Erkrankungen wie einer aggressiven Mastozytose, die chemotherapeutisch behandelt werden, sind gefährdeter an COVID-19 zu erkranken. Sie sind auch gefährdeter einen komplizierten Verlauf einer Corona-Infektion zu entwickeln, da die Immunität reduziert ist. Bei einigen Patienten könnte man daher in der jetzigen Situation, anstelle einer unspezifischen Chemotherapie, die das Immunsystem schwächt, einen Tyrosinkinase-Inhibitor selektiv einsetzen.

Auch Erkrankungen der Herzkranzgefäße und bestimmte Erkrankungen der Lunge erhöhen das COVID-19-Risiko….

Das ist richtig, es ist aber nicht bekannt, dass Patienten mit Mastozytose oder MCAS häufiger an diesen Erkrankungen leiden als andere Menschen. Nur wenn Patienten mit Mastozytose oder MCAS zusätzlich an Herzerkrankungen oder bestimmten Erkrankungen der Lunge leiden, ergibt sich daraus ein höheres COVID-19-Risiko, aber nicht aus der Mastozytose oder dem MCAS.

Auch starkes Übergewicht gilt als Risikofaktor für COVID-19…

Fettleibigkeit ist ein Risikofaktor für COVID-19. Adipositas ist bei Mastozytose-Patienten jedoch nicht häufiger zu beobachten als bei der Normalbevölkerung.

Welche Rolle könnten Mastozytose-Therapeutika für das COVID-19-Risiko spielen?

Wie gesagt, wenn ein Patient mit aggressiver Mastozytose Medikamente erhält, die das Immunsystem unterdrücken, kann dies das COVID-19-Risiko erhöhen. Das kann zum Beispiel durch die Gabe von systemischem Kortison oder bei einer Chemotherapie der Fall sein. Dementsprechend kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei einer aggressiven Mastozytose aufgrund der Therapie ein erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken, vorliegt. Aber: Bei Patienten mit nicht-aggressiver Mastozytose besteht kein erhöhtes Risiko für COVID-19.

Was ist bei der Behandlung von Patienten mit Mastozytose oder MCAS zu beachten, wenn sie tatsächlich an COVID-19 erkrankt sind?

Wichtig ist, dass Patienten mit Mastozytose, sämtliche anti-allergischen Medikamente, mit Ausnahme von systemischem Kortison, weiterhin einnehmen – auch in COVID-19 Zeiten, denn bislang ist eine negative Wirkung auf eine COVID-19-Infektion nicht bekannt.

Gibt es in Bezug auf COVID-19-Therapeutika in Kombination mit der Therapie von Mastozytose bzw. MCAS etwas zu beachten?

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Patienten mit Mastozytose oder MCAS die COVID-19-Therapien nicht vertragen. Auch von problematischen Wechselwirkungen mit Therapeutika, die gegen COVID-19 verabreicht werden, ist nichts bekannt. Durch COVID-19-Medikamente wie Chloroquin, Hydroxychloroquin oder Virostatika kommt es typischerweise nicht zu allergischen Reaktionen. Auch gibt es keine Hinweise, dass diese Medikamente für Patienten mit Mastozytose oder MCAS unverträglich sein könnten.

Herr Prof. Brockow, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quelle:

1) Peter Valent et. al., Risk and Management of Patients With Mastocytosis and MCAS in the SARS-CoV-2 (COVID-19) Pandemic: Expert Opinions, J Allergy Clin Immunol. 2020 Jun 16;S0091-6749(20)30839-3., doi: 10.1016/j.jaci.2020.06.009, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32561389/

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