Laktoseintoleranz Kind Symptome

Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, zur Laktoseintoleranz beim Kind!

Laktoseintoleranz beim Kind: Symptome, Diagnose, Therapie!

Wie kommt es bei der Laktoseintoleranz zu den typischen Symptomen?

Wenn die Laktose aufgrund des Laktasemangels unverdaut, d.h. ungespalten in tiefere Dünndarmabschnitte bzw. in den Dickdarm gelangt, entstehen dort durch Vergärung Gase, die die typischen Symptome hervorrufen. Bei Kindern kommt es dadurch, wie bei Erwachsenen auch, häufig zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle und Übelkeit. Daraus resultierend kann es zu Appetitlosigkeit, allgemeinem Unwohlsein, Mattigkeit und Gewichtsverlust kommen.

Im Unterschied zu den Erwachsenen können die Kinder vor dem 8. bis 10. Lebensjahr diese Beschwerden oft nicht genau lokalisieren. Das heißt, sie sind nicht in der Lage genau zu sagen, ob ihnen der Bauch eher oben oder unten, eher rechts oder links weh tut. Häufig lokalisieren sie dann die Beschwerden im Nabelbereich, und das macht es für den behandelnden Arzt schwierig, die Beschwerden genau einzuschätzen.

Zur Diagnose muss man deshalb die Beobachtungen der Eltern zu Rate ziehen, wobei die Wahrnehmungen der Eltern und der Kinder durchaus unterschiedlich sein können.  Z.B. haben die Eltern häufiger den Eindruck, dass die Kinder unter Bauchschmerzen leiden, als die Kinder selbst dies äußern. Oft sagen die Kinder nichts, aber die Eltern merken es ihnen an, dass sie Beschwerden haben. Es kommt bei rezidivierenden Bauchschmerzen jedoch auch vor, dass die Eltern Signale falsch deuten. Bei Kindern gilt es deshalb zu objektivieren, wie stark die Beschwerden sind und wie häufig sie tatsächlich auftreten. Dafür stehen entsprechende Untersuchungen zur Verfügung.

Und wie wird die Diagnose Laktoseintoleranz beim Kind gestellt?

Wie beim Erwachsenen stellt man die Diagnose Laktoseintoleranz beim Kind mit einem sogenannten H2-Atemtest. Fehlt das Enzym Laktase, entsteht beim Abbau der Laktose im Dickdarm Wasserstoff.  Wassersoff gelangt dann ins Blut und über den Gasaustausch in der Lunge in die Ausatemluft, wo es gemessen werden kann. In der Regel ist dies eine eindeutige Diagnose der Laktoseintoleranz.

Konkret wird der H2-Atemtest so durchgeführt. Zu Beginn des Tests wird die aktuelle Konzentration des Wasserstoffs in der Ausatemluft gemessen. Diese sollte nicht höher als 10 ppm liegen. Dann werden die Kinder belastet, indem – gewichtsadaptiert und innerhalb von ca. 10 bis 15 Minuten  - Laktose gegeben wird. Nach 15, 30, 60, 90 und 120 Minuten wird jeweils eine weitere Messung an der Ausatemluft vorgenommen um zu sehen, wann genau ein Anstieg des Wasserstoffgehaltes zu verzeichnen ist.

Ein sehr früher Anstieg weist darauf hin, dass eine Fehlbesiedlung des Dünndarmes mit bestimmten Bakterien vorliegt. Bei späteren Anstiegen, ab etwa 90 Minuten über 20 ppm, spricht man von einem auffälligen Atemtest und kann die Diagnose einer Laktoseintoleranz stellen.

Allerdings muss dieser positive H2-Atemtest immer auch mit Symptomen korrelieren. Liegt der Wasserstoffgehalt der Ausatemluft über 20 ppm, ohne dass das Kind auch tatsächlich Symptome hat, ist eine Laktoseintoleranz nicht anzunehmen. Beim H2-Atemtest werden sehr große Mengen Laktose verabreicht und wenn dies keine Beschwerden verursacht, ist es fraglich, ob dem Kind eine Elimination von Laktose aus der Nahrung helfen würde. In diesem Fall muss weiter nach der Ursache der Bauchschmerzen gesucht werden. Allerdings, es gibt auch die sogenannten „Non Producer“.

Inwiefern ist ein sehr früher Anstieg ein Hinweis auf eine Fehlbesiedlung des Dünndarms?

Ein sehr früher Anstieg weist darauf hin, dass bestimmte Bakterien bereits im Dünndarm auf die Laktose reagieren. Üblicherweise kommt es zu Beschwerden durch die Laktose erst dann, wenn sie den Dickdarm erreicht. In den oberen Darmabschnitten kommt es durch die Laktose normalerweise nicht zu Symptomen, denn hier befindet sich ja das laktoseabbauende Enzym Laktase. Haben sich in den oberen Dünndarmabschnitten jedoch  Bakterien angesiedelt, die da nicht hingehören, können diese bereits mit der Laktose reagieren und es kann zu Gasbildung kommen. Eine Stuhluntersuchung gibt hier Hinweise darauf, ob die Fehlbesiedlung so  relevant ist, dass man mit einem Antibiotikum therapieren müsste, oder das Substituieren „guter“ Darmbakterien ausreichen würde.

Die Fehlbesiedlung kann die Ursache einer sekundären Laktoseintoleranz sein, d.h. einer Laktoseintoleranz, die die Folge einer Grunderkrankungist. Zu diesen Krankheiten gehören neben der Fehlbsiedelung auch die Zöliakie, eine chronisch entzündlichen Darmerkrankung, oder einer Magen-Darminfektion. Die Sekundäre Laktoseintoleranz verschwindet, wenn man die Grunderkrankung therapiert. Deshalb sollte bei auffälligen H2-Atemtests immer abgeklärt werden, ob eine solche Grunderkrankung vorliegt.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.