Mikrobiom Allergie Umwelt

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann

Allergie und Umwelt: Einflussfaktoren und die Rolle des Mikrobioms

Weiß man denn, wie ein „gesundes“ Mikrobiom der Haut aussieht?

Wie das „gesunde“ Mikrobiom aussieht, ist eine zentrale Frage bei unseren Studien. Wir wissen bereits seit Jahrzehnten, dass das Bakterium Staphylococcus aureus nicht Teil eines gesunden Mikrobioms der Haut ist. Man findet Staphylococcus aureus aber bei Patienten mit Neurodermitis und je mehr man findet, desto stärker ist die Ausprägung des atopischen Ekzems. Dies weist also darauf hin, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Weiter glauben wir zu wissen, dass es protektiv wirkende Bakterien gibt, z.B. Staphylococcus epidermidis. Wir wissen aber leider noch nicht, wie die Zusammensetzung eines gesunden Mikrobioms der Haut genau aussieht.

Sie erwähnten die Probiotika-Studien zur Prävention von Neurodermitis. Erwägt man den Einsatz von Probiotika auch auf neurodermitischer Haut?

Wir beschäftigen uns in unseren Studien zurzeit auch mit der Frage, inwieweit man mit Probiotika das Mikrobiom der Haut positiv beeinflussen kann und wie dies Menschen mit Neurodermitis helfen könnte.     

Neben dem Mikrobiom der Haut gibt es auch ein Mikrobiom der Schleimhäute, des Magen-Darm-Traktes und des Uro-Genitaltraktes. Gibt es Zusammenhänge bzw. Wechselwirkungen zwischen den Mikrobiomen?

Auch die Frage nach den Abhängigkeiten der unterschiedlichen Mikrobiome untereinander ist ausgesprochen spannend und Gegenstand unserer Forschungen. Am Mausmodell hat man z.B. gesehen, dass unterschiedliche mikrobielle Zusammensetzungen sogar die Psyche der Maus beeinflussen – eine spannende Erkenntnis!

In den nächsten Jahren wird man im Bereich des Mikrobioms mit Sicherheit revolutionäre Erkenntnisse gewinnen. Das bedeutet nicht, dass wir darüber die Antwort auf all unsere Fragen bekommen werden, aber bisher wurden die zugrundeliegenden Mechanismen sicher nicht ausreichend berücksichtigt.

Deshalb ist es auch ein solcher Segen, dass CK-CARE, die Christine Kühne-Stiftung, diese hochrelevanter  Allergieforschung finanziert, gerade weil dies von der Deutschen Forschungsgemeinschaft leider nicht unterstützt wird.

Das Gleiche gilt für die gesamte Exposomforschung, die die Grundlage weiterer Untersuchungen ist. Wir sind deshalb sehr dankbar dafür, dass CK-CARE unsere Arbeit für die nächsten fünf Jahre gesichert hat.  

Ließen sich bereits Ergebnisse der Forschung, die durch CK-CARE ermöglicht wurde, in die Praxis umsetzen?

Insbesondere im Bereich Ernährung haben sich viele wichtige Erkenntnisse aus den von CK-CARE unterstützten Forschungen ergeben. Je diverser die Ernährung eines Kindes, desto geringer ist das Risiko, Asthma zu entwickeln. Im Gegensatz zu früher, rät man Eltern heute deshalb nicht mehr, ihre Kinder „allergenarm zu ernähren“.

Weiter hat sich gezeigt, dass es sehr wichtig ist, Neurodermitis zeitnah von einem Hautarzt behandeln zu lassen, wenn ein Kind Ekzeme entwickelt. Wir wissen, dass die Neurodermitis bei Kindern die erste allergische Erkrankung ist. Die gestörte Hautbarriere wirkt dabei wie eine Art Eintrittspforte für weitere allergische Erkrankungen. Wenn eine Neurodermitis vernünftig behandelt wird, verhindert man damit wahrscheinlich die Sensibilisierung gegenüber anderen Allergenen.   

Frau Prof. Traidl-Hoffmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:
1.    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20210807
2.    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25326105

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