AGATE Anapylaxieschulung

Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, emer. Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München und Gründungs-Vorsitzender von AGATE

AGATE – was lernt man bei einer Anaphylaxieschulung?

Abgesehen von der Kostenthematik, wie sehen die nächsten Ziele von AGATE aus?

Der nächste Schritt für AGATE wäre, und damit haben wir auch schon begonnen, dass wir nicht nur die Ärzte über Anaphylaxie informieren, sondern auch medizinisches Personal und Betreuungspersonen. Dafür gehen wir z.B. in Kindergärten und stellen an einem zweistündigen Informationsabend vor, welche Maßnahmen im Umgang mit Anaphylaxie wichtig sind. Gerade in Kindergärten ist die Nachfrage nach unseren Informationen erfreulicherweise sehr groß, denn dort geht man sehr offen mit dem Thema um und ist dankbar für jede Information.

Im nächsten Schritt bieten wir diese Maßnahme auch Apothekern an, die oft die erste Anlaufstation sind. Bei einer AGATE-Schulung für Apotheker, die wir gerade in Zusammenarbeit mit dem Christine-Kühne-Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) durchgeführt haben, waren die Teilnehmer sehr begeistert. Sie waren froh, dass wir ihnen nicht nur den richtigen Umgang mit dem Autoinjektor demonstriert haben, sondern sie auch mit Hintergrundinformationen zur Anaphylaxie und praktischen Tipps für Notfälle versorgen konnten.

Schwieriger wird es bei den Lehrern, die teilweise sehr starke Ängste entwickelt haben, dass ihnen im Umgang mit anaphylaktischen Kindern ein Fehler unterlaufen könnte. Immer wieder gibt es rechtliche Bedenken. Dabei konnten wir durch qualifizierte Gutachten nachweisen, dass Lehrer auch dann nicht belangt werden können, wenn sie bei dem Versuch, einem Kind mit einem anaphylaktischen Schock Hilfe zu leisten, einen Fehler begehen. Wir haben auch Formulare entwickelt, mit denen sich der Lehrer von den Eltern bestätigen lassen kann, dass er zur Hilfestellung ermächtigt ist. Der Versuch zu helfen, ist immer besser als nichts zu tun, aber viele Lehrer haben diesbezüglich einfach sehr große Bedenken - hier ist noch viel zu tun!

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Unterscheiden sich die Schulungsinhalte der AGATE- Anaphylaxieschulungen oder Informationsabende voneinander?

Einen Unterschied gibt es lediglich zwischen den Schulungen für Ärzte und jenen für Nicht-Mediziner und dieser besteht im Wesentlichen darin, dass wir die Fachbegriffe weglassen. Im Zentrum stehen bei allen Schulungen die praktischen Übungen und das ist für alle ein wichtiger Punkt. Z.B. ist es bei der richtigen Bedienung des Autoinjektors egal, ob ein Arzt oder eine Kindergärtnerin der Zuhörer ist, beide müssen im Ernstfall wissen, wie sie ihn korrekt bedienen.

Grundsätzlich gehen wir bei unseren Schulungen und Informationsveranstaltungen immer auf die Bedürfnisse der Zuhörer ein und fragen zunächst einmal, was sie wissen wollen. Diese Fragen werden dann auf dem Flip Chart festgehalten und nacheinander abgearbeitet. Im Zentrum des Interesses stehen meist Fragen nach der Vermeidung eines anaphylaktischen Schocks, der Früherkennung und des Verhaltens im Ernstfall. Auch das Absetzen eines Notrufes will gelernt sein und muss eingeübt werden. Tatsächlich ist es bei einem Notruf oft so wie im Krimi, d.h. die Leute sagen am Telefon alles Mögliche nur nicht die wichtigste Information, nämlich die Adresse zu der der Notarzt kommen soll. Eigentlich ist das trivial, aber im Notfall entscheidet es über Leben und Tod.

Die AGATE-Anaphylaxieschulungen richten sich an Erwachsene und Kinder…

Primär richten sich die AGATE-Schulungen an Erwachsene, zum einen an Betroffene und zum anderen an die Eltern anaphylaktischer Kinder. Eine Schulung speziell für Kinder wird aktuell aber nur vereinzelt angeboten. Das ist auch noch eines der Projekte, die wir in Zukunft verstärkt angehen wollen.

An wen sollen sich Eltern, Kitas oder Schulen wenden, wenn Sie sich eine AGATE-Schulung oder eine Informationsveranstaltung wünschen?

Alle, die an AGATE-Schulungen oder Informationsveranstaltungen interessiert sind, können sich per Email an AGATE wenden unter der Emailadresse: agate@lrz.tum.de. Sie können mich aber auch gerne direkt anschreiben unter: Johannes.Ring@lrz.tum.de!

Herr Prof. Ring, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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