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Erdnussallergie Hörspiel

Das Buch über Erdnussallergie "Was ist nur mit Julius los?" von Julia Morosi, gibt es nun auch als Hörspiel!

Erdnussallergie = immer außen vor? Ein Hörspiel!

Einen kreativen Weg mit ihrer Erdnussallergie umzugehen, entwickelte Julia Morosi. Die 19-jährige schrieb zunächst ein Buch und entwickelte dann ein Hörspiel. Dabei geht es um das Gefühl, immer außen vor zu sein und wie man damit umgehen kann. MeinAllergiePortal sprach mit ihr über ihre kreativen Projekte.

Frau Morosi, wann fühlt man sich als Erdnussallergiker außen vor?

In unserem ganzen Alltag sind wir laufend mit dem Thema Essen und Lebensmittel beschäftigt. Einkaufen, Kochen, Zuhause Essen, auswärts zum Essen eingeladen sein, Kindergeburtstage mit Kuchen und Süssigkeiten, Schulverlegungswochen, Kochunterricht, Feste und weitere Veranstaltungen ... immer wieder gibt es bei diesen „Gelegenheiten“ etwas zu Essen und oft habe ich mich - seit meiner Kindheit - in solchen Momenten unverstanden und dadurch in gewissem Masse „aussen vor“ gefühlt.

Mit der Zeit und mit der nötigen Geduld wuchs das Verständnis in meiner Umgebung. Man nahm bei Einladungen stets Rücksicht auf meine Allergie und ich konnte mich gut auf die mit der Allergie zusammenhängenden Einschränkungen einstellen.

Auch hat sich seit vielen Jahren die Deklaration der Inhaltsstoffe in Lebensmitteln stark verbessert und trägt ebenfalls zu mehr Möglichkeiten für Allergiker und Allergikerinnen bei. Zudem glaube ich, dass der Thematik „Allergie“ ganz grundsätzlich mehr Beachtung geschenkt wird und diese ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist.

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Was macht es so schwer, über die Erdnussallergie zu sprechen?

Man möchte nicht auffallen, einfach so wie alle anderen mit dabei sein und nicht „extra“ behandelt werden müssen. So entwickelt man oft Ausweich-Strategien, um sich im Alltag zurechtzufinden und möglichst ohne viel Aufsehen zu erregen unterwegs zu sein.

Das gewachsene Bewusstsein für Allergien und die Unterstützung meiner Familie haben mir geholfen, in meinem Umfeld offener über die Allergie zu reden und die Menschen ausserhalb der Familie auf meine Allergie aufmerksam zu machen. Im Kindergarten und danach, während meiner ganzen Schulzeit, habe ich immer wieder die Erfahrung machen dürfen, dass man mit viel Verständnis auf meine Allergie reagierte, was mich laufend weiter ermutigte, offen über das Thema zu sprechen.

Welche Reaktionen haben Sie erlebt, wenn Sie andere über Ihre Erdnussallergie informiert haben?

Ich habe hauptsächlich erlebt, dass die meisten Leute sich unter einer „Erdnussallergie“ nicht konkret vorstellen konnten, dass dies auch weitgreifende Auswirkungen haben könnte. Die meisten gingen stets von einem Jucken, einem Magenbrennen oder einer Hautrötung aus. Von Atemnot, einem anaphylaktischen Schock und gar von einer akuten Lebensgefahr wussten die wenigsten Bescheid und reagierten stets überrascht, dass eine Erdnussallergie solche Auswirkungen haben könnte. Immer wieder erlebte ich in diversen Restaurants, dass einige Küchen die Allergie nicht wirklich ernst nahmen und auf mein Nachfragen in Bezug auf die Speisekarte mit Unverständnis reagierten. Meistens aber konnte ich auf viel Unterstützung zählen und man nahm mich und mein Anliegen ernst, kochte für mich etwas anderes oder machte mir ein Alternativangebot.


Sie haben über die Erdnussallergie ein Buch mit dem Titel „Was ist nur mit Julius los?” geschrieben, wie kam es dazu?

Ich schrieb dieses Buch als Abschluss-Projektarbeit in der Sekundarschule. Schon seit meiner Geburt begleitet mich eine starke Nuss-Allergie. Obwohl der Umgang mit der Allergie für mich eine Selbstverständlichkeit ist, war und ist es für mich nicht immer einfach, im Alltag und in meiner Umgebung offen darüber zu sprechen. Dadurch wirkte ich auf andere in manchen Situationen oft unnahbar und verhielt mich aus Vorsicht vor der Allergie für andere teilweise unerwartet. Aus diesem Grund wollte ich mit meiner Projektarbeit in der Sekundarschule mir selbst und anderen Betroffenen Mut machen, neue Wege zu gehen und offen über die eigene Allergie zu sprechen. Ich wollte betroffene Kinder, deren Familien und deren weiteres Umfeld -  Kita, Kindergarten, Schule -  anspreche und eine neue Möglichkeit geben, sich mit den Kindern zum Thema Allergie auf kreative Art auseinanderzusetzen. Anhand der Bildergeschichte von Julius werden beide Seiten aufgezeigt. Einerseits die Sichtweise derjenigen, die von einer Allergie betroffen sind – in der Geschichte ist dies Julius – und andererseits der Blickwinkel der Umgebung und wie sie auf die Thematik blickt.

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Wie kamen Sie dann später auf die Idee, ein Hörspiel zu entwickeln?

Schon immer liebte ich es, einem Hörspiel zu lauschen. Geschichten zu hören, die mit verschiedenen Stimmen die Zuhörenden in ihren Bann ziehen und mit Geräuschen und Musik eine stimmungsvolle Atmosphäre schaffen, faszinierte mich und liess mich stets die Zeit um mich herum vergessen.  

Eine solche Umsetzung und Vertiefung zum vorhandenen Bilderbuch „Was ist nur mit Julius los?“ auf musikalisch-künstlerische Art und Weise wollte ich im Rahmen meiner Maturaarbeit an der Kantonsschule St. Gallen gestalten.

Das Hörspiel habe ich mit einem Cellostück musikalisch untermalt und um die Aussagen der Geschichte des Hörspiels zusätzlich zu verstärken, habe ich ein - bei uns sehr bekanntes - Kinderlied, welches die Botschaft der Geschichte zusammenfasst, umgeschrieben.

Mit der Umsetzung der Geschichte in ein Hörspiel wollte ich dem Buch zusätzliches Leben einhauchen, den Figuren eine Stimme geben und einen neuen Zugang für die Kinder ermöglichen. So sollen auch kleinere Kinder, die noch nicht lesen können, diese Geschichte zusammen mit den Bildern im Buch miterleben können.

Nicht zuletzt wollte ich mich durch das Gestalten des Hörspiels auch selbst nochmals auf besondere Art und Weise mit meiner Allergiegeschichte auseinandersetzen und so das Thema für mich vertieft bearbeiten.

Welche Reaktionen bekamen Sie darauf von anderen Erdnussallergikern?

Die Reaktionen auf mein Bilderbuch, welches 2017 erschienen ist, waren zahlreich und ermutigend. In der Lokalpresse unserer Stadt erschien ein grosser Zeitungsartikel zum Buch und zum Thema Allergie und ich erhielt danach viele positive Rückmeldungen und Anfragen für mein Bilderbuch. Diese Anfragen waren stets verbunden mit einer Geschichte, die hinter der Allergie eines Kindes stehen und mit dem Umgang seiner Familie damit zusammenhingen. Auch kamen Kindertagesstätten, Kindergärten oder Schulen mit Fragen zum Thema auf mich zu. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und dem dadurch entstehenden neuen Netzwerk stiess ich auf diverse - mir bis dahin nicht bekannten - Plattformen und v.a. auch auf Betroffene, die die gleiche Allergiegeschichte mit mir teilten und dieselben Themen im Alltag begleiteten. An einem Treffen des Vereins „ErdNussAllergie & Anaphylaxie“ konnte ich mein Buch vorstellen und mich mit vielen Gleichgesinnten austauschen. Dieser Austausch tat gut und machte mir Mut.

Das Hörspiel ist erst seit Ende Februar 2021 aufgeschaltet und noch nicht vielen bekannt. Ich hoffe, dass sich das Hörspiel in alle Richtungen ausbreitet, viele betroffenen Kinder und Familien erreicht und so einen Betrag leisten kann, um ein wenig mehr Verständnis zum Thema zu schaffen und Betroffenen Mut zu machen. Ich hoffe auf viele und bunte Reaktionen darauf ...

Welches Projekt werden Sie als nächstes angehen?

Im Zusammenhang mit dem Thema Allergie sind noch keine weiteren Projekte geplant.

Eine Website - zum Bilderbuch und zum Hörspiel - könnte einen weiteren Zugang schaffen und weitere Möglichkeiten zum Thema eröffnen, zum Beispiel Tipps für Kinder und Erwachsene, Spiele, Bilder, Rezepte, Austauschplattform für Kinder und Eltern, usw..

Persönlich steht bei mir bis im Sommer dieses Jahres der Abschluss in der Kantonsschule St. Gallen als grosses Ziel im Fokus. Danach möchte ich mich voll und ganz auf meinen Traum konzentrieren ... dem Studium der Veterinärmedizin.

Liebe Frau Morosi, herzlichen Dank für dieses Interview!