Unverträglichkeit von Salicylaten

Prim. Prof. Dr. Tilman Keck, Abteilungsvorstand HNO im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz

Adaptive Desaktivierung bei Unverträglichkeit von Salicylaten

Wie schnell reagiert ein Patient im Laufe des Tests auf die ASS-Gaben?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Patienten reagieren nach 10 Minuten, andere erst nach zwei Stunden. Die meisten Patienten zeigen nach ca. 30 Minuten nach der ASS-Gabe eine Reaktion. Um sicher zu gehen, warten wir nach jeder ASS-Gabe drei Stunden und geben dann die nächsthöhere Dosis.

Wie geht es nach dem ASS-Test therapeutisch weiter?

Wenn wir im Laufe des Tests auf Salicylate die Schwellendosis des Patienten ermittelt haben, starten wir die adaptive Desaktivierung. Hierfür erhält der Patient diese Dosis im Dreistundenrhythmus solange, bis er sie verträgt. Das heißt, durch die Repetitive Gabe dieser Schwellendosis wird der Patient desaktiviert und ist dann gegenüber ASS tolerant. Als Schmerzmittel empfehlen wir unseren Patienten bei Bedarf allerdings nicht die Medikamente der NSAR-Gruppe, sondern ein nichtsteroidales Analgetikum.  

Diese Vorgehensweise entspricht der Vorgehensweise bei einer Hyposensibilisierung. Da es sich bei der Salicylate Intoleranz aber nicht um eine Allergie handelt, spricht man Desaktivierung. Der gesamte Vorgang dauert ca. zwei bis drei Tagen und wird bei uns stationär durchgeführt. Danach beginnt der Patient eine Dauertherapie mit täglichen Dosen von 300 mg über.

Die Voraussetzung für diese Vorgehensweise ist, dass der Patient von Anfang an über diese Vorgehensweise aufgeklärt wurde, dass er sein schriftliches Einverständnis für die Behandlung gegeben hat und dass er bereit ist, von da an permanent ASS Medikamente zu nehmen.

Vorbeugend setzen wir in manchen Fällen Montelukast ein, das ist ein Leukotrien Antirezeptor, der asthmatische Beschwerden unterdrückt.

Gibt es Umstände, die gegen die Therapie sprechen, z.B. andere Erkrankungen?

Der Patient muss kardiopulmonal so stabil sein, dass er im schlimmsten Falle eine potenzielle allergische Reaktion bzw. deren Behandlung gut verträgt. Gegen eine adaptive Desaktivierung würde z.B. sprechen, wenn der Patient eine Dauermedikation mit Kortison und Herzmedikamenten benötigt. Auch Erkrankungen, bei denen die Gabe von Adrenalin nicht angezeigt ist, was im Falle eines allergischen Schocks aus ASS aber nötig wäre, sprechen gegen die Behandlung der adaptiven Desaktivierung. Auch wenn die Lunge zu stark angegriffen ist, weil evtl. nicht nur ein endogenes Asthma vorliegt, sondern auch noch COPD, würden wir die Therapie der ASS Desaktivierung und auch die Testung auf Unverträglichkeit von Salicylaten für zu gefährlich halten. Ein weiterer Faktor, der gegen eine adaptive Desaktivierung sprechen würde wäre, wenn Zweifel an der Compliance des Patienten bestünden, z.B. aufgrund psychischer Probleme. Die adaptive Desaktivierung wirkt nur dann, wenn der Patient wirklich lebenslang regelmäßig konsequent die vorgeschriebene Dosis ASS zu sich nimmt. Unterbricht der Patient die Behandlung oder nimmt er das ASS unregelmäßig, kann dies lebensgefährlich sein. Nach 48 Stunden ohne ASS ist der Patient ASS intolerant, genau wie vor der Desaktivierung.

Worauf sollten Patienten achten, bevor sie eine adaptive Desaktivierung beginnen?

Wichtig ist, dass das behandelnde Zentrum regelmäßig adaptive Desaktivierungen durchführt. Wir bekommen aktuell mehr Anfragen aus ganz Österreich und auch aus dem Ausland, als wir bearbeiten können, aber wir können nur jeweils einen Patienten aufnehmen, um eine engmaschige Überwachung der Behandlung garantieren zu können. Die Behandlung ist ja nicht ungefährlich.

Wie lange hält der Therapieerfolg der adaptiven Desaktivierung an?

Das ist unterschiedlich, aber wir sehen Patienten, die vier Jahre nach der adaptiven Desaktivierung noch beschwerdefrei sind.

Herr Prof. Keck, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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