Adjuvantien  spezifische Immuntherapie SIT

Prof. Carsten Schmidt-Weber zu Adjuvantien und ihrer Rolle bei der spezifischen Immuntherapie!

Adjuvantien: Ihre Rolle bei der spezifischen Immuntherapie

Ob bei der Impfung gegen Infektionskrankheiten oder bei der Allergieimpfung mit der Spritze, die „Adjuvantien“ genannten Hilfsstoffe sind unverzichtbar. Aber: Wozu braucht man sie genau bei der spezifischen Immuntherapie (SIT)? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber, Direktor des Instituts für Allergieforschung und Leiter des Zentrums Allergie und Umwelt der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München (ZAUM) über Adjuvantien und ihre Rolle bei der spezifischen Immuntherapie.

Herr Prof. Schmidt-Weber, was passiert bei einer spezifischen Immuntherapie eigentlich im Körper?

Bei der spezifischen Immuntherapie wird dem Patienten das relevante Allergen verabreicht. Durch die wiederholte Gabe des Allergens, auf welches das Immunsystem des Patienten überreagiert, entsteht eine Toleranz.

Die Mechanismen der Toleranzentwicklung bei der spezifischen Immuntherapie sind noch nicht im Detail verstanden. Wir wissen aber, dass das Allergen von Fresszellen aufgenommen wird, wie bei jeder anderen Immunreaktion auch. Diese Fresszellen zerlegen das Allergen in winzige Fragmente und präsentieren es anderen Immunzellen, den T-Lymphozyten. Diese Zellen verbleiben über einen langen Zeitraum im Körper und bilden dann das sogenannte immunologische Gedächtnis.

Bekannt ist dieser Mechanismus durch die klassischen Virus-Schutzimpfungen, die uns lebenslang vor Viren schützen. Wird das Immunsystem erneut mit dem Virus konfrontiert gegen den es geimpft wurde, können sich die T-Lymphozyten schnell expandieren und die Abwehr des Viruses bewirken .

Ähnliche Mechanismen vermutet man bei der spezifischen Immuntherapie, wobei es sich hier nicht um eine lytische Immunreaktion handelt, sondern um eine toleranzvermittelnde. Das bedeutet, das Immunsystem lernt dadurch das Allergen zu tolerieren, anstatt es mit einer Entzündung zu bekämpfen.

Welche Rolle spielt dabei das Adjuvans?

Im Zuge der gerade beschriebenen Präsentation erkennt das Immunsystem die Umgebung und beeinflusst dadurch das immunologische Gedächtnis. Diese Umgebung kann entzündlich geprägt sein, oder von Gefahrensignalen herrühren, die bereits seit Jahrmillionen existieren, zum Beispiel von Viren.

Adjuvantien können im Rahmen der Impfung einen „Eindruck“ vermitteln, wie die Immunreaktion aussehen muss, damit, zum Beispiel ein Virus, vom Immunsystem effektiv abgestoßen wird. Man fügt sie dem Therapieallergenextrakt bei, um beim Immunsystem einen gewissen Triggereffekt hervorzurufen, der die Erkennung und das immunologische Gedächtnis des Immunsystems verstärkt.

Zudem helfen die Adjuvantien den Fresszellen dabei, dass Antigen effektiver zu „verdauen“ und den T-Lymphozyten zu präsentieren. Das bedeutet auch, dass durch ein Adjuvans die Allergendosis reduziert werden kann, was wiederum das Ausmaß der Nebenreaktionen reduziert. Typische Nebenwirkungen sind zum Beispiel das Anschwellen des Armes, in den die Allergenspritze verabreicht wurde, sowie systemische Reaktionen.

Zusammenfassend kann man sagen, Adjuvantien erhöhen bei der SIT die Effektivität des Therapieallergens und senken das Nebenwirkungsrisiko.

Die kritische, noch nicht abschließend geklärte Frage bei der SIT ist jedoch, welche Adjuvantien am besten geeignet sind, um die Entstehung einer Allergentoleranz zu unterstützen. Man hat deshalb zunächst einmal die Adjuvantien genutzt, die durch die klassischen Schutzimpfungen, den Virus-Vakzinierungen, bekannt waren. Dabei zeigte sich, dass einige Adjuvantien sehr gut geeignet waren und andere weniger gut, da unerwünschte Nebeneffekte auftraten.

 

Aktuell scheint es Hinweise zu geben, dass eine höhere Allergendosis die Wirksamkeit der SIT erhöht, wäre das ein Widerspruch?

Im Gegenteil! Um bei der SIT eine gute Wirksamkeit zu erreichen, muss eine bestimmte Anzahl T-Lymphozyten induziert, das heißt „angeschoben“ werden. Die Frage ist dann, wie viele sind ausreichend und möglicherweise ist diese Frage auch nicht generell zu beantworten, weil dies von Patient zu Patient unterschiedlich ist.

Fest steht jedoch: Wenn zu wenige Zellen induziert werden, weil die Allergenmenge im Therapieextrakt zu niedrig dosiert ist, wird die SIT nicht wirksam sein, denn die Allergenmenge ist wahrscheinlich ausschlaggebend für den Therapieerfolg bzw. für die Effektivität und Nachhaltigkeit der Therapie. Das Adjuvans trägt bei der SIT also maßgeblich dazu bei, dass eine möglichst niedrige Dosis bei möglichst hoher Effektivität verabreicht werden kann.

Es ist jedoch sehr schwierig für die pharmazeutische Industrie, den idealen Mittelweg zwischen Adjuvansstärke und Allergenmenge zu finden und als Therapieallergenextrakte auf den Markt zu bringen...

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