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Mastzellen-Aktivierungssyndrom Ernährung

Dipl. Ernährungswissenschaftlerin Ute Tischler-David zum Mastzellen-Aktivierungssyndrom (MCAS)!

Mastzellen-Aktivierungssyndrom: Spielt Ernährung eine Rolle?

Mit dem Begriff „Mastzellenaktivierungssyndrom“ (MCAS) bezeichnet man es, wenn Patienten ähnliche Symptome wie bei allergischen Reaktionen, Anaphylaxie oder Mastozytose zeigen, obwohl diese Erkrankungen nicht diagnostiziert werden konnten. Man geht bei diesen Patienten von einer Mastzellenaktivierung aus. Ziel der Therapie des Mastzellenaktivierungssyndroms ist es, den Effekt der überaktivierten Mastzellen zu bremsen. Mit Dipl. Ernährungswissenschaftlerin Ute Tischler-David sprach MeinAllergiePortal darüber, inwieweit die Ernährung beim Mastzellenaktivierungssyndrom eine Rolle spielen könnte.

Frau Tischler-David, gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) und der Ernährung?

Bei Patienten mit einem Mastzellaktivierungssyndrom ( MCAS ) werden die Mastzellen in der Darmwand durch geringe Reize aktiviert und/oder die Darmwand weist eine höhere Anzahl an Mastzellen auf. Die Mastzellen liegen oft in der Nähe von Nervenendigungen des Darmnervensystems.

Bestandteile von Lebensmittel wie Peptide oder Lektine, aber auch Lebensmittelzusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Aromastoffe oder Verdickungsmittel, scharfe Gewürze und Alkohol können die Mastzellen aktivieren. Die Lebensmittel, welche die Mastzellen aktivieren, sind individuell sehr unterschiedlich und immer dosisabhängig.

Welche Mechanismen stecken dahinter, wenn es beim Mastzellaktivierungssyndrom durch Nahrungsmittel zu Beschwerden kommt?

Mastzellen sind Teil unseres Immunsystems und besitzen sehr viele unterschiedliche Bindungsstellen. Stoffe, die solche Bindungsstellen besetzen können, aktivieren ab einer bestimmten Menge die Mastzellen. Diese schütten ihre Botenstoffe aus, zu denen das Histamin, aber auch viele andere Botenstoffe gehören. Diese Botenstoffe aktivieren unter anderem die Nerven des Darmnervengewebes.

Ein „klassischer“ Weg, auf dem Nahrungsmittel die Mastzellen aktivieren können, ist die Lebensmittelallergie. Hier binden die Antikörper (IgEs) gegen diese Lebensmittel an die IgE-Bindungsstellen und aktivieren so die Mastzellen. Wahrscheinlich können auch Nahrungsmittelbestandteile und manche Lebensmittelzusatzstoffe bestimmte Bindungsstellen der Mastzellen besetzen und so die Mastzellen aktivieren.

Das MCAS gleicht einer pseudoallergischen Reaktion.

Wie kommt es, dass z.B. Alkohol beim MCAS die Symptome verstärken kann?

Alkohol verstärkt ein MCAS, indem es das Histamin abbauende Enzym DAO im Blut hemmt. Dadurch befindet sich Histamin länger und in höheren Konzentrationen im Blut und kann somit die Beschwerden verstärken, bzw. deren Dauer verlängern. Über diesen Weg verstärken auch manche Medikamente die Beschwerden.

Ferner erhöhen Alkohol, scharfe Gewürze und vermutlich auch größere Mengen an Fruchtzucker die Darmdurchlässigkeit. So können vermehrt Stoffe in die Darmwand gelangen, die die Mastzellen aktivieren.


Gibt es Nahrungsmittel, die ein MCAS dämpfen können?

Bis jetzt ist nicht bekannt, dass es Lebensmittel gibt, die ein MCAS dämpfen.

Einen positiven Einfluss hat wahrscheinlich eine Ernährungsweise, die gute Darmbakterien fördert und somit die Schleimschicht stärkt und die Darmschleimhaut festigt. Eine solche Ernährungsweise beinhaltet ausreichend Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Sauermilchprodukte.

Auch entblähende Kräuter wie Kümmel, Fenchel, Pfefferminze können positiv wirken.

Spielen auch andere Faktoren, wie Zubereitung, Zusammensetzung des Speiseplans etc. eine Rolle?

Wahrscheinlich ja. So reagieren manche Personen auf scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer oder blähende Nahrungsmittel. Auch zu heiße oder zu kalte Speisen, oder Getränke, Hunger oder Vollsein können Mastzellen reizen.

Was empfehlen Sie Ihren MCAS-Patienten und wie gehen sie vor?

Ich empfehle als erstes auf das Ernährungsverhalten zu achten, d.h. regelmäßig essen, mit 3 bis 6 Mahlzeiten pro Tag; die Mahlzeitenmenge lieber kleiner lassen, dafür öfter essen. Aufhören wenn man satt ist, auch wenn nur noch 1 oder 2 Löffelchen auf dem Teller liegen. Langsam essen und sehr gut kauen, das Essen genießen. Das Essen sollte nicht zu heiß und nicht zu kalt und mild gewürzt sein. Zum Essen nicht trinken. Durch dieses Ernährungsverhalten können die Reize Hunger, voll, heiß, kalt, scharf minimiert werden.

Die Mahlzeiten sollten immer aus einer Kohlenhydrat-Komponente, einem eiweißhaltigen Lebensmittel, Gemüse oder Obst und etwas Pflanzenöl bestehen. So wird eine Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen gesichert, genügend Futter für die guten Darmbakterien geliefert und eventuell kritische Lebensmittelbestandteile werden „verdünnt“.

Weiter sollten MCAS-Patienten die Mahlzeiten selber zubereiten, aus frischen oder tiefgekühlten Nahrungsmitteln und mild würzen und selten Fertiggerichte oder Teilfertiggerichte verwenden. So können Lebensmittelzusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Farbstoffe, Aromastoffe und Verdickungsmittel als Auslöser vermieden werden. Weiter sollten sie Alkohol auf ein Minimum reduzieren.

Mit dieser Ernährungsweise und mit Hilfe von Ernährungs-Symptom-Protokollen schaue ich dann, welches die kritischen Lebensmittel sind. Während einer Karenzphase von ca. 4 Wochen, werden diese Lebensmittel vom Speiseplan genommen. Danach wird ausgetestet, in welcher Menge diese Nahrungsmittel noch verträglich sind. So ergibt sich für Betroffene eine ganz individuelle Nahrungsmittelauswahl.

Frau Tischler David, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Einen Vortrag zum Thema MCAS hält Frau Tischler-David am 18.5.2018 hier!

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