Hypoallergene Ernährung für allergiegefährdete Babys zahlt sich aus

Hypoallergene (HA)-Säuglingsnahrung kann das Allergierisiko erblich vorbelasteter Kinder deutlich senken – und zwar bis ins Teenageralter. Dies gilt allerdings nicht für alle HA-Nahrungen gleichermaßen. Das sind die zentralen 15-Jahres-Ergebnisse der weltweit größten Untersuchung zum Einfluss frühkindlicher Ernährung auf die Entwicklung von Allergien (GINI-Studie) (1).

Allergierisiko in den ersten vier Lebensmonaten senken

In Deutschland wird mittlerweile jedes dritte Kind mit einem erhöhten Allergierisiko geboren. Mehr als 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren leiden im Laufe ihres Lebens an atopischer Dermatitis (Neurodermitis). Einer der wichtigsten Ansätze zur Vorbeugung (2) ist die hypoallergene Ernährung in den ersten vier Lebensmonaten. Das ist die Phase, in der das Immunsystem geprägt wird. Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko sollten in dieser Zeit ausschließlich Muttermilch erhalten. Wenn nicht oder nicht ausschließlich gestillt wird, brauchen sie eine HA-Säuglingsnahrung, deren allergievorbeugende Wirkung in klinischen Studien nachgewiesen wurde.

Risiko für Heuschnupfen und Neurodermitis deutlich niedriger

Die GINI-Studie verfolgt die Entwicklung von Allergien bei erblich vorbelasteten Kindern seit nunmehr 15 Jahren. Alle hatten in den ersten vier Lebensmonaten entweder Muttermilch oder, wenn das nicht möglich war, eine von vier Säuglingsnahrungen (3) erhalten. Die aktuelle Auswertung zeigt: HA-Nahrung mit mäßig stark aufgespaltenem Molkeneiweiß (3a) senkt deutlich das Risiko für Neurodermitis: Die untersuchten Kinder und Jugendlichen zwischen 0 und 15 Jahren, die mit dieser HA-Nahrung gefüttert wurden, haben ein um 42 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko als diejenigen aus der Standard-Säuglingsmilch-Gruppe. Erste positive Signale gibt es auch bei Atemwegsallergien: So ist das Risiko für Heuschnupfen in der Gruppe der 11- bis 15-Jährigen, die HA Säuglingsnahrung mit mäßig stark aufgespaltenem Molkeneiweiß erhielten, um 33 Prozent niedriger als bei Gleichaltrigen, die mit herkömmlicher Säuglingsnahrung ernährt wurden.

Diese Ergebnisse sind ermutigend, müssen aber noch durch weitere Studien bestätigt werden. 

Qualität und Verarbeitung des Milchproteins machen den Unterschied

Die unterschiedliche Wirksamkeit der in der Studie verwendeten Säuglingsnahrungen (3) macht deutlich, dass es nicht darauf ankommt, das Molkeneiweiß möglichst stark aufzuspalten. Wichtiger für die allergievorbeugende Wirkung sind offensichtlich die Qualität des eingesetzten Proteins und der Verarbeitungsprozess. Für Laien ist es nicht einfach zu erkennen, welche Säuglingsnahrungen zur Vorbeugung von Allergien geeignet sind. Eltern, deren Kind ein erhöhtes Allergierisiko trägt und nicht gestillt werden kann, lassen sich am besten von ihrer Hebamme oder dem Kinderarzt bezüglich einer passenden HA Nahrung beraten und achten beim Einkauf auf das Logo der GINI-Studie.

Die aktuellen, in verständlicher Form dargestellten Ergebnisse der GINI-Studie sowie Informationen zur Allergieprävention bei Säuglingen im Allgemeinen enthält die neu aufgelegte Broschüre „Allergien vorbeugen – gesunde Entwicklung fördern“. Sie ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet angefordert werden. Bestelladresse: Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de

Quellen:

1 Andrea von Berg et al. (2015) Allergy Oct 2015. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.12790/epdf.

2 S3-Leitlinien Allergieprävention - Update 2014 der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-016l_S3_Allergieprävention_2014-07.pdf

3 Die GINI (German Infant Nutritional Intervention)-Studie ist eine prospektive, randomisierte und bis zum Alter von 3 Jahren doppelblind angelegte Interventionsstudie (auf die Überprüfung einer Hypothese ausgerichtet, Zuordnung zur jeweiligen Studiennahrungs-Gruppe gleichmäßig und nach dem Zufallsprinzip, weder die Anwender noch die Versuchshelfer wissen, welche Säuglingsnahrung das jeweilige Kind erhält). An der Auswertung nach 15 Jahren nahmen 2252 Kinder mit erhöhtem Allergierisiko teil, die in den ersten vier Lebensmonaten entweder gestillt wurden oder eine von vier Studiennahrungen erhalten hatten:

1. HA-Säuglingsnahrung mit moderat aufgespaltenem Molkenprotein (Nestlé Beba-HA)

2. HA-Säuglingsnahrung mit stark aufgespaltenem Molkenprotein (HIPP-HA, damals Nutrilon Pepti, in dieser Form nicht mehr verfügbar)

3. Therapeutische Säuglingsnahrung auf Kaseinbasis (Nutramigen)

4. Standard-Säuglingsmilch auf Kuhmilchbasis (Nutrilon Premium)

Eine deutliche (statistisch bedeutsame) Risikoreduktion wurde auch mit therapeutischer Kaseinnahrung4c erzielt. Diese ist für Säuglinge mit bestehender Allergie gegen Molkenprotein gedacht und nur in Apotheken erhältlich.

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