Kuhmilchallergie Laktoseintoleranz Kind Symptome Ursachen

Dr. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret zu den unterschiedlichen Symptomen und Ursachen von Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie beim Kind!

Kuhmilchallergie oder Laktoseintoleranz beim Kind? Symptome und Ursachen?

Nicht immer, wenn ein Kind die Kuhmilch nicht verträgt, steckt eine Allergie dahinter. Auch eine nicht-allergische Ursache, wie die Laktoseintoleranz kann die Ursache sein. Der Unterschied ist für Nicht-Mediziner nicht immer leicht zu verstehen. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, über die unterschiedlichen Symptome und Ursachen von Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie beim Kind.

Frau Dr. Brunert, wie unterscheidet sich beim Kind die Laktoseintoleranz von der Kuhmilchallergie?

Zum einen ist die klassische Kuhmilchallergie bei Kindern deutlich seltener als die Laktoseintoleranz. Man geht davon aus, dass 2 bis 7 Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr von einer Kuhmilchallergie betroffen sind. Im dritten Lebensjahr geht man von 6 bis 8 Prozent Betroffenen aus. Zum anderen tritt die Kuhmilchallergie bei Kindern bereits im Säuglingsalter auf, während sich die Laktoseintoleranz beim Kind in der Regel erst ab dem 10. Lebensjahr zeigt.

Eine Ausnahme ist der angeborene Laktasemangel, eine schwere, aber extrem seltene Erkrankung, die bereits beim Säugling auftreten kann.

Welche Symptome sind typisch für eine Laktoseintoleranz beim Kind?

Eine Laktoseintoleranz kann sich bei Kindern auf viele Arten manifestieren. Typische Beschwerden sind Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfälle. Auch Mattigkeit, Unwohlsein, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust können bei Kindern auftreten, wenn sie laktoseintolerant sind.

Und wie zeigt sich eine Kuhmilchallergie beim Kind?

Bei der Kuhmilchallergie gibt es unterschiedliche Formen.

Es gibt die die allergischen Sofortreaktionen mit Quaddelbildung, Schwellung der Schleimhäute, bis hin zu Atemnot bzw. einem Asthmaanfall.

Eine weitere Form in der die Kuhmilchallergie auftreten kann, sind chronische Hautprobleme. So können sich durch eine Kuhmilchallergie die Symptome einer bestehenden Neurodermitis verstärken.

Auch über den Magen-Darm-Trakt kann sich eine Kuhmilchallergie äußern. Hiervon können sämtliche Abschnitte des Magen-Darmtraktes einzeln betroffen sein, z.B. die Speiseröhre oder der Enddarm, oder auch mehrere Bereiche.

Die Kuhmilchallergie zeigt im Gegensatz zur Laktoseintoleranz ein buntes Bild an Symptomen.

Wie erfolgt die Diagnose der Laktoseintoleranz beim Kind?

Eine Laktoseintoleranz beim Kind wird mit dem H2-Atemtest gestellt. Ohne das Enzym Laktase gelangt die Laktose unverarbeitet in den Dickdarm. Dort wird die Laktose dann abgebaut und Wasserstoff entsteht. Vom Dickdarm gelangt der Wassersoff ins Blut und wird über den Gasaustausch der Lunge ausgeatmet. Beim H2-Atemtest wird die Wasserstoffmenge in der Ausatemluft gemessen und bei mehr als 20 ppm ist dies eine eindeutige Diagnose der Laktoseintoleranz, vorausgesetzt es kommt im Testverlauf auch zu den typischen Bauchbeschwerden.

Wie diagnostiziert man die Kuhmilchallergie beim Kind?

Echte Nahrungsmittelallergien sind nicht immer gut nachweisbar. Klassische Allergien weist man in der Regel über einen Prick-Test oder einen IgE-Test im Bluttest nach. Diese Diagnosemethoden eignen sich jedoch nur für die klassische Kuhmilchallergie mit Sofortreaktionen.  

Die Kuhmilchallergie, die sich am Magen-Darm-Trakt manifestiert, ist jedoch nicht IgE-vermittelt und dadurch nur schwer nachweisbar. Eine Möglichkeit der Diagnose ist eine Biopsie, die im Rahmen einer Magen-Darm-Spiegelung durchgeführt wird. Das bedeutet, es werden an den Stellen des Magen-Darm-Traktes Gewebeproben entnommen, an denen Symptome auftreten. Dies kann z.B. die Speiseröhre sein, oder auch der Dünndarm. Die entnommenen Gewebeproben werden dann im Labor auf Eosinophilen untersucht.

In letzter Zeit hat  man festgestellt, dass sich eine allergische Erkrankung der Speiseröhre, die sogenannte eosinophile Ösophagitis bei älteren Kindern häuft. Warum dies so ist, wird aktuell noch untersucht.

Frau Dr. Brunert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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